Kapitel 39 - Ein neues Kapitel


Nach einer Nacht voller großer Gefühle wacht Ryan mit einer Gewissheit auf, die auch am nächsten Morgen nicht verschwunden ist: Sie will ihr Leben mit Arvid teilen. Zwischen vertrauter Nähe, Kaffee und Erinnerungen an die unvergessliche Eröffnung fühlt sich ihre Entscheidung vollkommen richtig an. Doch bevor ihre gemeinsame Zukunft beginnen kann, wartet ein schwerer Schritt auf Ryan. Sie muss ihren Freunden sagen, dass sie das September verlassen und mit Arvid auf Tour gehen wird.


Das sanfte Morgenlicht schimmert durch die Vorhänge und taucht das Zimmer in ein warmes Gold. Ryan blinzelt verschlafen. Es ist still – bis auf Arvids leisen, gleichmäßigen Atemzug, der an ihrem Haar kitzelt, während er sie in seinen Armen hält.

Ein Lächeln stiehlt sich auf ihre Lippen, als sie zu ihm aufblickt. Seine Züge wirken vollkommen entspannt. Die dunklen Wimpern werfen zarte Schatten auf seine Wangenknochen, die Locken fallen unordentlich in seine Stirn. So ungeschützt sieht man den Frontmann von Metal Earth selten: verletzlich, gelöst – und vertraut.

Der Entschluss der letzten Nacht hallt in ihr wider. Sie hat sich entschieden, und das Gefühl ist felsenfest geblieben. Kein Zweifel, keine Angst. Nur die Gewissheit, dass ihr Platz an seiner Seite ist.

Ein Kribbeln durchzieht ihren Körper. Vorsichtig hebt sie den Kopf und setzt sanfte Küsse auf seine warme Brust. Seine Haut riecht vertraut nach ihm – eine Mischung aus Zeder, Bettwäsche und Geborgenheit.

Arvids Atmung stockt für einen Wimpernschlag. Unbewusst schließt sich sein Arm um ihre Taille etwas fester. Als sie mit ihren Lippen weiter über sein Schlüsselbein wandert, vibriert ein tiefes, schlaftrunkenes Brummen in seiner Kehle.

»Mmh …« Er zieht sie dichter an sich, die Hitze seines Körpers hüllt sie ein.

»Morgen«, murmelt Ryan an seiner Haut.

Schwerfällig blinzelt Arvid sie an, die Augen dunkel vor Schlaf. Ein verschlafenes Lächeln zeichnet sich auf seinen Lippen ab, während seine Finger durch ihre Haare gleiten.

»Das ist mal ein Weckruf«, sagt er heiser. Die raue Morgenstimme jagt ihr verlässlich eine Gänsehaut über den Rücken.

»Dachte, du hast dir nach gestern einen guten Start verdient«, erwidert sie schmunzelnd und küsst sein Kinn.

Arvid lacht leise auf, fasst sanft nach ihrer Hüfte und zieht sie hoch, bis sie auf Augenhöhe liegen. Sein Blick ist vollkommen weich.

»Jeder Tag mit dir fängt gut an.«

Seine Lippen finden ihre – erst tastend und behutsam, als wolle er jede Sekunde dieses Erwachens dehnen. Ryan schließt die Augen, atmet seinen Geschmack ein und erwidert den Kuss.

Aus der zarten Berührung wird rasch ein drängendes Verlangen. Arvids Handflächen gleiten über ihren nackten Rücken, seine Fingerkuppen zeichnen die Kontur ihrer Wirbelsäule nach, bis sie fest an ihrer Taille Halt finden. Mit einer fließenden Bewegung zieht er sie an sich, bis kein Raum mehr zwischen ihnen bleibt.

Ein leises Stöhnen entweicht ihren Lippen, als Arvid sie fest an sich zieht. Seine Berührungen sind fordernd, doch zugleich voller Hingabe. Jede Bewegung seiner starken Hände brennt sich warm in ihre Haut ein.

Er löst seinen Mund von ihrem, nur um eine neue Spur zu ziehen: Seine Küsse wandern über ihre Wange, folgen der markanten Linie ihres Kiefers und gleiten hinab zu ihrem Hals. Instinktiv legt Ryan den Kopf in den Nacken, bietet ihm mehr Raum – eine Einladung, die er sofort annimmt. Mit sanften Lippen und neckender Zungenspitze bringt er ihren Puls zum Rasen. Ein Schauer jagt über ihren Körper.

Als seine Hände höher wandern und ihre Konturen nachzeichnen, beschleunigt sich ihr Atem merklich.

»Arvid …«, haucht sie zittrig, völlig berauscht von der Nähe.

Sein warmer Atem brennt wie flüssiges Feuer auf ihrer Haut, während seine Küsse weiter über ihr Schlüsselbein und ihren flachen Bauch wandern. Jeder zärtliche Kontakt lässt eine Welle aus prickelnder Hitze durch ihre Adern rauschen. Ryans Finger krallen sich fest in seine dunklen Locken, zieht ihn unwillkürlich noch dichter an sich heran.

Als seine Hände sanft über ihre Oberschenkel gleiten und er tiefer sinkt, verliert sich jede rationale Kontrolle. Ein atemloses, genussvolles Seufzen bricht aus ihrer Kehle. Sie schließt die Augen und gibt sich vollkommen der Wucht des Moments hin – verloren in seiner Hingabe, seiner Wärme und der puren Intensität, die zwischen ihnen brennt.

Arvids Berührungen treiben ihren Puls unaufhaltsam in die Höhe. Mal sanft, mal fordernd, bringt er jede Faser ihres Körpers zum Schwingen. Eine Hand zeichnet die Kurven ihrer Taille nach, streicht über ihre Haut und hält den Rhythmus, während seine Küsse ein brennendes Verlangen in ihr entfachen.

Ryans Atem geht stoßweise, ihr Herz hämmert gegen ihre Rippen. Sie vergräbt die Finger in seinen dunklen Locken, zieht ihn näher an sich heran und verliert sich vollkommen in diesem Rausch aus Wärme und Hingabe. Die Spannung in ihr baut sich mit jedem Herzschlag weiter auf; die Hitze auf ihrer Haut wird fast greifbar. Ihre Finger krallen sich in den Stoff des Lakens, ihr Rücken wölbt sich, ein atemloses Stöhnen entweicht ihrer Kehle.

Arvid spürt das feine Beben, das durch ihren Körper geht. Genau in dem Augenblick, als die Welle sie zu überrollen droht, gleitet er mit einer fließenden Bewegung an ihr empor.

Sein Mund findet den ihren, fängt ihren zitternden Atem ein und vertieft den Kuss zu einer tiefen, fordernden Hingabe. Sein Körper legt sich schwer und warm über ihren. Ryan schlingt die Arme um seinen Hals, streicht über seinen angespannten Rücken und zieht ihn an sich, bereit, jeden Zentimeter dieser Nähe mit ihm zu teilen.

Arvid hebt leicht den Kopf. Seine dunklen Iriden glühen im goldenen Morgenlicht, getragen von unverhohlener Sehnsucht.

»Ich liebe dich«, flüstert er rau gegen ihre Lippen.

Ein leises Keuchen entweicht ihr, als sie eins werden. Ihre Finger graben sich in seine Schultern, während eine überwältigende Welle von Vertrautheit und Verlangen durch sie hindurchbricht.

Er bewegt sich in einem langsamen, intensiven Rhythmus, hält ihren Blick dabei fest gefangen und saugt jede Regung in ihren Zügen in sich auf. Ihre Atemzüge verschmelzen, ihre Herzen schlagen im selben Takt. Immer wieder finden ihre Lippen zueinander – in Küssen voller Zärtlichkeit und brennender Leidenschaft, während die Welt um sie herum in einem Strudel aus reiner Zweisamkeit versinkt.

Allmählich beruhigen sich ihre Atemzüge. Arvid hebt den Kopf und schenkt ihr einen zärtlichen Kuss – sanft, voller Vertrautheit und stiller Dankbarkeit.

Ryan streicht ihm durch die dunklen Strähnen und lässt die Fingerspitzen über seine Wange gleiten. Arvid schließt für einen Moment die Augen und lehnt sich in ihre Berührung.

Sie beobachtet seine markanten Züge, das feine Schmunzeln auf seinen Lippen. Ein warmes Lächeln stiehlt sich auf ihr Gesicht.

»Ich bin glücklich«, flüstert sie.

Arvid schlägt die Lider auf, und in seinen dunklen Augen spiegelt sich dieselbe tiefe Gewissheit wider. Sein Daumen zeichnet eine beruhigende Linie über ihren Arm.

»Ich auch«, erwidert er mit heiserer Stimme.

Er neigt sich vor, lehnt seine Stirn sanft an ihre und atmet aus. Worte sind überflüssig – die Stille zwischen ihnen trägt alles, was zählt.

Schließlich rollt er sich zur Seite auf die Matratze und zieht sie sofort wieder an sich. Ryan bettet den Kopf auf seine Brust und lauscht dem ruhigen, gleichmäßigen Herzschlag. Ihre Beine verhaken sich unter der Decke, als wollten sie die Nähe für immer festhalten.

Mit einem leisen Kuss an seinem Hals blickt sie wieder zu ihm auf.

»Hast du eigentlich ein Auge zugetan?«, fragt Arvid schmunzelnd, während seine Hand gedankenverloren durch ihr Haar gleitet.

Ryan grinst matt. »Schlafen stand heute Nacht eher nicht auf dem Plan.«

Ein tiefes Lachen vibriert in seiner Brust. »Schuldig im Sinne der Anklage.«

»Und wie.« Sie verpasst ihm einen spielerischen Stoß in die Rippen, ehe ihre Miene langsam ernster wird.

Dann wird sie ernst. Ihr Blick wandert zur Decke, wo die Sonnenstrahlen langsam breiter werden. »Arvid …«

»Mmh?« Er hebt leicht die Brauen, während seine Finger beruhigend über ihren Arm streichen.

»Ich habe keine Ahnung, wie ich es Malu, David und Sascha beibringen soll.« Sie stößt einen leisen Seufzer aus und schmiegt sich noch dichter an ihn. »Dass ich mit dir gehe. Dass ich den Pub und mein ganzes Leben hier aufgebe …«

Arvids Griff um ihre Schulter wird fester. »Du gibst es nicht auf, Ryan. Du schlägst nur ein neues Kapitel auf.«

Sie lächelt matt. »Das klingt auf dem Papier besser, als es sich im Kopf anfühlt.«

»Weil jeder Neuanfang erst mal verdammt viel Angst macht«, murmelt er und drückt einen Kuss auf ihren Haaransatz. »Aber er kann eben auch das Beste sein, was dir je passiert ist.«

Ryan nickt zögernd. Der Entschluss steht felsenfest, doch das schlechte Gewissen nagt an ihr. Werden die anderen verstehen, warum sie geht? Oder werden sie denken, sie ließe ihre zweite Familie einfach im Stich?

Als hätte er ihre Gedanken gelesen, schiebt Arvid zwei Finger unter ihr Kinn und zwingt sie mit sanftem Druck, ihn anzusehen.

»Ryan, die drei werden dich nicht fallenlassen. Sie lieben dich. Und sie werden dich genauso lieben, wenn du mit mir im Tourbus sitzt. Ich wette, David taucht ständig Backstage auf und beansprucht die Hälfte deiner Zeit für sich.«

Ein leises Lachen bricht durch ihre Sorgen, ihre Augen glänzen. »David im Backstage-Bereich einer Metal-Tour – das muss ich erleben.«

»Gnade uns Gott«, schmunzelt Arvid kopfschüttelnd. »Dann müssen wir den Tourbus verriegeln.«

Das Lächeln auf ihren Lippen verblasst langsam wieder. »Ich muss es ihnen heute sagen …«

»Ich bin an deiner Seite, wenn du willst.«

Ryan blickt in seine warmen, festen Augen. Ihre Finger zeichnen kleine Kreise auf seiner Haut. »Ja. Bitte.«

»Dann ziehen wir das gemeinsam durch.«

Er zieht sie noch einmal an sich, vergräbt die Finger in ihrem Nacken und vertieft den Kuss – langsam, innig und voller Versprechen. Für ein paar kostbare Herzschläge scheint die Zeit stillzustehen, als gäbe es keine Termine, keine Kündigung und keine anstehende Tour.

Schließlich löst er sich widerstrebend von ihr, die Stirn noch an ihre gelehnt. Seine dunklen Augen blitzen auf. »Wenn wir so weitermachen, verpasst du deine eigene Schicht, Rockstar-Freundin.«

»Und wessen Schuld wäre das wohl?«, spottet sie gegen seine Lippen.

Arvid lacht heiser, küsst sie flüchtig auf die Nasenspitze und schlägt die Bettdecke zurück. »Komm, ab unter die Dusche. Sonst wird das Frühstück direkt zum Abendessen.«

Das heiße Wasser prasselt auf sie herab und hüllt die Duschkabine in dichten Dampf. Arvid massiert mit kreisenden Bewegungen Shampoo in ihr Haar, während Ryan die Arme um seine Hüfte schlingt und die Stirn an seine nasse Schulter lehnt. Es sind genau diese ungestellten Augenblicke, die sie am meisten schätzt: keine kreischenden Fans, kein Scheinwerferlicht, keine lauernden Kameras. Nur das stetige Rauschen des Wassers und seine vertraute Nähe.

Wenig später schlüpft Ryan in eine bequeme Jeans und ein lockeres Top. Arvid greift routiniert zu seiner gewohnten Kluft – schwarzes Denim, ausgewaschenes Bandshirt.

»Steht dir verdammt gut«, murmelt er und mustert sie mit einem schiefen Grinsen.

»Du siehst auch nicht übel aus, Rockstar.« Sie zwinkert ihm zu und verschwindet in der kleinen Küche.

Während die Kaffeemaschine gurgelnd anläuft, stellt sie Butter, Marmelade und Toast auf den Tisch. Arvid lässt sich auf einen der Stühle fallen, angelt sich eine Scheibe Brot und streicht eine großzügige Schicht Nutella darauf.

»Fast vierzehn Uhr …«, murmelt Ryan mit einem Blick auf die Küchenuhr.

»Und um drei musst du im Pub antreten?«

Sie nickt, stellt zwei dampfende Tassen ab und nimmt einen ersten Schluck. »Eigentlich hatte ich frei, aber nach dem gestrigen Abriss will ich Sascha und die anderen nicht hängenlassen. Der Laden war absolut brechend voll, oder?«

Arvid grinst breit. »Voll ist eine maßlose Untertreibung. Ihr habt die Hütte gerockt. Dass wir spontan in die Saiten gegriffen haben, hat den Laden dann wohl endgültig gesprengt.«

»Danke nochmal dafür«, erwidert sie leise und schmunzelt. »Ich hätte nie gedacht, dass du mitten im Biergarten ein halbes Akustik-Set für mich spielst.«

Er zuckt mit gespielter Lässigkeit die Schultern, doch seine dunklen Augen blitzen auf. »Tja, tief im Inneren bin ich eben ein unverbesserlicher Romantiker.«

Ryan bricht ein Stück Toast ab. »Finjan und Malu haben sich gestern übrigens auffallend angeregt unterhalten.«

Arvid lacht heiser auf. »Nicht nur das. Der Kerl hat mir heute früh um acht schon eine Nachricht geschickt und ganz beiläufig nachgefragt, ob sie heute Schicht hat.«

Ryan hebt überrascht die Brauen. »Echt jetzt? Typisch Malu, die lässt sich natürlich kein Wort entlocken.«

»Dann sollten wir vielleicht ein bisschen nachhelfen«, frotzelt Arvid und nimmt einen großen Bissen.

»Lass die beiden mal machen«, lacht sie und schüttelt den Kopf. »Wenn da was läuft, erfahren wir es noch früh genug.«

In der vertrauten Gemütlichkeit der Küche lassen sie die Eröffnung Revue passieren – die überraschten Gesichter der Gäste, Davids theatralische Einlagen und die Magie, als die ersten Akkorde von Ryans Song erklangen.

Ryan stellt ihre Tasse ab und blickt ihn intensiv an. »Dieses Lied … es war perfekt.«

Arvid greift über den Küchentisch, umfasst ihre Hand und streicht mit dem Daumen über ihren Handrücken. Seine Züge werden vollkommen weich. »Ich meinte jede einzelne Zeile genauso, wie ich sie gesungen habe.«

Ryan hält seinem Blick stand. Die Wärme, die sie durchströmt, fegt die letzten Schatten hinweg. Sie hat die richtige Wahl getroffen.