Fake Life
In einer Kleinstadt mit achttausend Einwohnern ist Perfektion die einzige Währung, die zählt.
Mit 28 Jahren spielt Rose die Rolle ihres Lebens. Wenn sie mit ihrer Elite-Clique in den schicken Cafés der Stadt sitzt, sieht jeder nur die attraktive Frau mit den langen, tiefschwarzen Wellen und den sinnlichen Lippen. Niemand ahnt, wie hart sie für ihre Modelfigur trainiert oder dass ihr Job als Architektin eine reine Erfindung ist, um dazuzugehören. In Wahrheit ist Rose die Frau am Telefon, die Termine für andere koordiniert. Den Namen Rosalie - der nach ihrer Kindheit und der klugen Eule aus dem Märchen klingt - hat sie tief in sich vergraben.
Doch dann tritt Vaughn in ihr Leben. Der 32-jährige Lehrer ist das genaue Gegenteil der glatten Welt, in der Rose sich bewegt. Mit seinen dunkelblauen Augen, dem ewigen Dreitagesbart und den leicht zerzausten Haaren wirkt er fast schon arrogant gleichgültig gegenüber den Regeln der Stadt. Er trägt keine Designeranzüge, sondern schlichte schwarze Hemden und Jeans, die seine sportliche Figur betonen, ohne dass er es darauf anlegt.
Vaughn ist bodenständig, direkt und unerträglich aufmerksam. Er ist der Erste, der bemerkt, dass Roses Lächeln ihre Augen nie erreicht. Während ihre falschen Freunde sie weiter in ein Netz aus Oberflächlichkeit drängen, beginnt Vaughn, an der Fassade zu kratzen. Er fordert die Frau heraus, die sich hinter „Rose“ versteckt - doch Rosalie zu offenbaren, könnte bedeuten, die einzige Welt zu verlieren, die sie sich mühsam erkämpft hat.