Kapitel 38 - Dann lass uns leben
Nach einer unvergesslichen Nacht im September verschwimmen die Grenzen zwischen Ryans Freunden und Arvids Band endgültig. Zwischen Gelächter, neuen Verbindungen und einem letzten gemeinsamen Aufräumen fühlt sich alles plötzlich erstaunlich selbstverständlich an. Doch auf dem Heimweg wartet der wichtigste Moment des Abends: Ryan offenbart Arvid eine Entscheidung, die ihrer beider Zukunft verändern wird. Sie will nicht länger zwischen zwei Welten pendeln – sie will ihr Leben mit ihm teilen. Ganz. Egal, wohin es sie führt.
Die letzten weichen Akkorde verklingen in der samtigen Sommernacht.
Die Zeiger stehen längst weit nach Mitternacht, doch die euphorische Energie im Garten des September will einfach nicht abreißen. Ganze fünf Zugaben hat das Publikum ihnen abgetrotzt – und wäre es nach den Gästen gegangen, hätten sie bis zum Morgengrauen weitergespielt.
Ryan balanciert ein voll beladenes Tablett mit zischend kalten Flaschen zu der kleinen Holzbühne, wo Arvid, Finjan, Damian, Constantin und Jaron völlig durchgeschwitzt, aber mit glückseligen Gesichtern auf dem Bühnenrand hocken.
»Ihr wart absolut phänomenal«, lobt sie mit strahlenden Augen und streckt ihnen das Tablett entgegen.
Die Bandmitglieder greifen lachend zu, Kronkorken ploppen im Sekundentakt.
»Nicht der Rede wert, Schöne«, grinst Damian breit und hebt die Flasche zur Begrüßung.
Arvid schmunzelt erschöpft, zieht sich das kühle Glas an die Lippen und nimmt einen langen, gierigen Schluck, während seine Augen Ryan fixieren.
»Ehrlich, danke euch allen. Das war die beste Überraschung des Jahrhunderts.«
Finjan winkt mit einer beiläufigen Handbewegung ab, als wäre ein exklusives Privatkonzert die normalste Sache der Welt. »Für dich legen wir jederzeit 'ne Sonderschicht ein, Ryan«, sagt er, prostet ihr zu und zwinkert ihr amüsiert zu.
Ryan lässt den Blick durch die Runde wandern, und eine tiefe, warme Gewissheit durchströmt sie: Sie gehört genau hierher. An Arvids Seite, zu diesen Jungs, in dieses turbulente Leben.
Ganz gemächlich beginnen die fünf Musiker, ihr Equipment abzubauen. Gitarren wandern in samtgefütterte Koffer, Kabelstränge werden sauber aufgewickelt. Doch an Feierabend ist noch nicht zu denken – im Nu hat sich eine geduldige Schlange aus Gästen formiert. Arvid und seine Jungs signieren Bierdeckel, T-Shirts und Notizblöcke, wechseln warme Worte und posieren für Erinnerungsfotos.
Mittendrin: David.
»Heilige Mutter Gottes!«, gluckst Malu Ryan ins Ohr und stößt sie leicht an. »Schau dir diesen Jammerlappen an – der zittert ja förmlich vor Ehrfurcht!«
Ryan hält sich kichernd die Hand vor den Mund. David, der sonst vor lauter Selbstbewusstsein kaum durch eine Flügeltür passt, trippelt wie ein nervöser Teenager von einem Bein aufs andere.
Als er endlich an der Reihe ist, zieht er natürlich die ganz große Oper ab: Er sinkt mit theatralisch erhobenen Händen fast auf die Knie und deklamiert mit bebender Stimme: »Oh erhabene Götter des Rock-Olymps! Ich bin eures göttlichen Angesichts nicht würdig!«
Die Jungs biegen sich vor Lachen. Finjan schlingt ihm kameradschaftlich den Arm um den Hals und zieht ihn schwungvoll an sich. »Ganz ehrlich, David? Du gehörst eigentlich fest in unsere Bühnenshow.«
»Mein Reden! Seit Jahren versuche ich, diesen Banausen hier genau das begreiflich zu machen!«, triumphiert David und wirft sich mit übertriebener Model-Pose vor Damians Handylinse.
Malu und Ryan tauschen belustigte Blicke und schütteln synchron den Kopf. Das ist eben ihr unverbesserlicher David.
Nach und nach leert sich das Areal. Die letzten Gäste verabschieden sich mit euphorischen Dankesworten in die milde Nacht; die Eröffnung war ein triumphales Meisterstück.
Kaum fällt das Hoftor mit einem satten Klacken ins Schloss, sackt Malu auf den nächstbesten Holzstuhl und lässt den Kopf mit einem tiefen, erlösten Stöhnen nach hinten fallen.
»Heiliger Strohsack … das war absolut irre«, lacht sie matt.
»Allerdings«, stimmt Ryan aus tiefstem Herzen zu und lässt sich erschöpft auf die Bank gleiten – Schulter an Schulter, Hand in Hand mit Arvid.
Tasja hat den Grill noch einmal kräftig angefeuert, sodass bald der Duft von brutzelndem Fleisch, geröstetem Brot und frischen Kräutern über die Terrasse zieht. Sascha wuchtet ein gewaltiges Tablett mit frisch gezapften, schäumenden Gläsern mitten auf die lange Holztafel und lässt sich mit einem tiefen Seufzer auf die Bank fallen.
Ryan schmiegt sich eng an Arvids Seite. Sein Arm liegt schwer und beschützend um ihre Schulter, seine Finger streichen mit sanften, gleichmäßigen Bewegungen über ihren Oberarm. Als sie für einen Moment den Kopf hebt und in seine Augen blickt, braucht es keine Silbe – die Erleichterung und das tiefe Glück dieses Abends sprechen aus jeder Faser.
David bricht die andächtige Ruhe natürlich als Erster.
»Also, ich denke, wir müssen das Kind beim Namen nennen: Die eigentliche Sensation des heutigen Abends war zweifelsohne meine Wenigkeit.«
Arvid bricht in heiseres Lachen aus, während Malu die Augen mit maximalem Drama gen Himmel verdreht. Finjan schaufelt sich seelenruhig eine gewaltige Portion Nudelsalat auf den Teller und erwidert trocken: »Aber sowas von, David. Deine expressiven Ausdruckstänze am Zapfhahn haben unsere gesamte musikalische Darbietung mühelos an die Wand gespielt.«
»Ganz genau mein Reden!«, triumphiert David mit blitzenden Augen, während die gesamte Tafel in schallendes Gelächter ausbricht. Unbeirrt setzt er zur epischen Nacherzählung an, in der er jede noch so banale Szene zur Sternstunde der Gastro-Geschichte verklärt: »Wie ich die Massen dirigiert habe! Diese Aura, diese unnachahmliche Gastfreundschaft – ohne mein Charisma wäre die Hütte schon um zehn Uhr leer gewesen!«
Ryan lacht herzhaft mit und vergräbt das Gesicht kurz an Arvids Hals.
Die Nacht schreitet unaufhaltsam voran, doch an Aufbruch verschwendet niemand einen Gedanken. Die Sommerluft kühlt kaum ab, die Grillkohle glimmt in sanftem Orangerot vor sich hin, und der Tisch ist übersät mit abgeräumten Tellern, Krümeln und halb geleerten Bierkrügen. Eine wohlige, satte Trunkenheit der Zufriedenheit liegt über der Runde.
David fuchtelt bei seiner nächsten Anekdote wild mit einer Grillzange in der Luft herum. »Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist: Hätte ich geahnt, wer heute aufkreuzt, ich hätte mir eine vierzigminütige Eröffnungsrede zurechtgelegt!«
»Um Himmels willen, verschone die Menschheit«, stöhnt Malu, verzieht das Gesicht und nimmt einen tiefen Schluck Bier. »Dein gigantisches Ego sprengt doch jetzt schon jede Baustatik.«
»Pff, das ist gelebte Unterhaltungskunst!«, verteidigt er sich empört und klopft sich auf die Brust. »Das Volk giert nach mir!«
»Komisch nur, dass noch kein Plattenvertrag im Briefkasten lag«, wirft Sascha mit stoischer Grabesstimme ein, woraufhin die Bandkollegen prustend mit den Fäusten auf den Tisch trommeln.
Arvid lehnt sich entspannt zurück und lässt die heitere Kakophonie über sich hinwegspülen. Seine Augen suchen immer wieder Ryans Gesicht. Sie nippt an ihrem Glas, lauscht mit warmem Schmunzeln den Neckereien und wirkt so gelöst wie seit Wochen nicht mehr. Die Lichterketten fangen feine Goldtöne in ihrem Haar ein; jedes Mal, wenn sie zu ihm herübersieht, liegt dieses unerschütterliche Leuchten auf ihren Lippen.
Er legt seine Hand auf ihr Knie, die rauen Fingerkuppen streichen sachte über den zarten Stoff ihres Kleides. Ryan spürt die Berührung sofort, löst den Blick von der Runde und fängt seine Hand ein. Ihre Finger verflechten sich lautlos, fest und vertraut.
Kein Wort durchbricht ihren stillen Dialog, doch in ihren Augen spiegelt sich die ganze Wahrheit: Der Weg ist vorgezeichnet. Sie gehört zu ihm – jetzt und für alles, was noch vor ihnen liegt.
Nur ein paar Plätze weiter tauchen Finjan und Malu immer tiefer in ihre eigene kleine Welt ab. Was mit flüchtigen Neckereien und beiläufigen Kommentaren begann, ist längst zu einem intensiven Schlagabtausch geworden. Sie diskutieren leidenschaftlich über obskure Bands, das Tourleben und die absurdesten Festival-Pannen. Malu stützt das Kinn in die Hand, ihre Augen funkeln im Schein der Lichterketten, während Finjan jedes ihrer Worte mit aufmerksamem Blick aufsaugt, schief grinst und ihre Geschichten mit eigenen Tour-Anekdoten überbietet.
»Erinnerst du dich noch an das Desaster in Madrid?«, wendet sich Finjan plötzlich mit blitzenden Augen an Arvid und Damian. »Als uns mitten im Set die Hauptleitung abgeraucht ist und zwanzig Minuten lang stockfinstere Nacht in der Arena herrschte?«
Damian prustet los und schlägt mit der Handfläche auf das Holz. »Du meine Güte, ja! Du hast dir einfach Jarons Sticks gekrallt und auf allem herumgeprügelt, was nicht bei drei auf den Bäumen war, während Arvid sich vom Sicherheitsdienst ein völlig verzerrtes Megafon geschnappt hat!«
»Ich habe lediglich Schadensbegrenzung betrieben«, verteidigt sich Arvid grinsend und hebt mit gespielter Unschuld beide Hände. »Irgendwie mussten wir die fünfundzwanzigtausend Leute davon abhalten, das Mobiliar in handliche Stücke zu zerlegen.«
»Und wie das geklappt hat«, klinkt sich Constantin ein, ehe er die Flasche ansetzt. »Die Menge hat jeden Ton ohne Musik mitgebrüllt. Am Ende war das einer der stärksten Gigs der gesamten Tour.«
Gelächter brandet auf, alte Erinnerungen an Pannen, Adrenalin und das pure Chaos auf Tourneen werden hin- und hergeworfen, während die Stunden wie im Flug verstreichen. Die Vertrautheit am Tisch ist greifbar; die Grenze zwischen Rockstars und Pub-Crew existiert schlichtweg nicht mehr.
Erst als die Kühle der heraufziehenden Morgendämmerung die Sommerhitze verdrängt, lässt die Euphorie Raum für eine bleierne, wohlige Erschöpfung.
»Also gut, Bande«, mahnt Sascha und stemmt sich ächzend hoch, um die ersten Krüge zusammenzutragen. »Bevor uns hier kollektiv die Augen zufallen: Einmal Großreinemachen im Schnelldurchlauf.«
»Unbedingt, sonst holt uns das Grauen morgen Mittag doppelt ein«, pflichtet Malu bei und schichtet routiniert Teller auf ihr Tablett.
Die fünf Musiker fackeln nicht lange. Ohne eine Sekunde des Zögerns packen sie mit an: Damian und Constantin wuchten schwere Holzbänke beiseite, Jaron räumt Besteck ab, während Finjan sich ein Tuch schnappt und mit erstaunlicher Gründlichkeit die Holzplatten trockenreibt.
»Ganz ehrlich, Leute«, spottet David und zieht mit zwei Fingern feinsäuberlich die Papierstrohhalme aus den Longdrinkgläsern, »für internationale Rock-Giganten seid ihr mir fast schon verdächtig brav und stubenrein.«
»Wir können die Bude auch stilecht zerlegen, wenn dir der Sinn nach Rock'n'Roll steht«, frotzelt Jaron amüsiert zurück. »Zehn Minuten, und das Areal hier sieht aus wie Wacken nach drei Tagen Dauerregen.«
»Untersteht euch!«, quietscht Tasja entsetzt und fuchtelt mit einer gewaltigen Grillzange drohend in seine Richtung. »Ich habe heute Kilometergeld verdient, ich putze hier keinen einzigen Krümel mehr zusätzlich weg!«
Erneutes Lachen hallt durch den stillen Innenhof. Zwischen klirrendem Glas, polierten Tischen und dem leisen Zischen der verglühenden Kohlen verfliegen alle Sorgen, Zukunftsfragen und der Druck der Außenwelt. Es zählt nur dieser Moment – die reine, ungetrübte Zufriedenheit nach einer perfekten Nacht.
Ryan beobachtet Arvid aus dem Augenwinkel, wie er sich ohne langes Zögern eine schwere Kiste voller Leergut schnappt und sie mit federndem Schritt ins Lager wuchtet. Ein warmes Lächeln stiehlt sich auf ihre Lippen. Es ist völlig gleichgültig, vor wie vielen zehntausend Menschen er sonst auf den größten Bühnen steht – in Momenten wie diesen ist er einfach nur Arvid. Geerdet, anpackend und vollkommen echt.
Wenig später ist das Werk vollbracht: Die Stühle stehen akkurat an den Tischen, die Holzplatten sind blank gewischt und die Glut im Grill ist restlos erloschen.
»Damit ist der Laden offiziell dicht, Feierabend!«, verkündet Sascha mit einem zufriedenen Nicken und klopft sich die Hände an der Schürze ab.
»Vielen Dank für eure Hilfe, Jungs«, wendet sich Ryan an die Band.
Damian streckt die Arme gen Himmel und lässt die Gelenke knacken. »War doch Ehrensache, Schöne. Hat verdammt gutgetan.«
Finjans Blick wandert derweil zu Malu, die mit den Händen auf einer Tischkante abgestützt in die Stille des leeren Hofs schaut. »Und jetzt?«, fragt er mit gespielter Beiläufigkeit. »Gehen wir noch 'ne Runde um den Block? Ich muss mir die Beine vertreten.«
Malu hebt überrascht eine Braue, ehe ein feines Schmunzeln ihre Züge erhellt. »Warum eigentlich nicht?«
Ryan und Arvid wechseln einen vielsagenden Blick. Die Funken zwischen den beiden sind mit Händen zu greifen.
»Viel Vergnügen euch zwei«, frotzelt Arvid und zieht Ryan dichter an seine Flanke.
»Wir brauchen kein Vergnügen, wir machen lediglich einen Spaziergang«, gibt Malu mit betont unschuldiger Miene zurück, während Finjan sich vergeblich ein Grinsen verbeißt.
»Jaja, ganz sicher«, spottet Ryan amüsiert, belässt es aber dabei und kuschelt sich enger an Arvids Brust.
Draußen empfängt sie die tiefe, friedliche Ruhe der Stadt. Das matte Gelb der Straßenlaternen wirft lange Schatten auf das Pflaster, während ihre Schritte synchron durch die menschenleeren Gassen hallen. Kein Blitzlichtgewitter, keine lauernden Reporter – nur die Kühle der Nacht und die unerschütterliche Geborgenheit in seinen Armen.
Ryan bettet den Kopf an Arvids Schulter, atmet seinen vertrauten Duft nach Holz, Tabak und Sommernacht ein. Als die Melodie seines Songs wieder in ihrem Kopf aufklingt, bricht sich die überwältigende Wucht der Emotionen erneut Bahn. Lautlos rinnen heiße Tränen über ihre Wangen.
»Dieses Lied … war das Schönste, was mir je passiert ist«, flüstert sie mit heiserer Stimme und krallt die Finger fest in den Stoff seines Shirts.
Arvid bleibt mitten im Laternenlicht stehen. Er wendet sie sanft zu sich herum, hebt die Hand und streicht ihr mit der rauen Kuppe seines Daumens die Feuchtigkeit von der Haut. Seine braunen Augen glühen vor unendlicher Tiefe.
»Es sind schlicht meine Gefühle«, sagt er leise, aber mit einer Bestimmtheit, die jeden Zweifel im Keim erstickt. »Alles, was ich in mir trage, sobald ich dich ansehe.«
Ryan hebt den Blick, das zitternde Licht spiegelt sich in ihren feuchten Augen. »Mir geht es genauso«, gesteht sie ihm mit belegter Stimme. »Und ich habe meine Entscheidung getroffen.«
Arvid legt die Stirn in feine Falten, seine Brauen ziehen sich überrascht zusammen. »Welche?«
Ryan holt tief Luft, lässt die Anspannung der letzten Wochen mit einem einzigen Atemzug los und blickt ihm fest in die Augen. Ein befreites Lächeln umspielt ihre Lippen.
»Ich komme mit dir auf Tour. Ich komme mit dir nach Hause. Ich komme mit dir, wohin du willst.«
Arvid blinzelt, völlig überrumpelt von der plötzlichen Wucht ihrer Worte. Er erstarrt förmlich auf dem nachtstillen Pflaster, als könne sein Verstand die Silben nicht schnell genug verarbeiten.
»Was?«, haucht er. Seine tiefe Stimme ist mit einem Mal seltsam brüchig, fast vorsichtig, als fürchte er, der leiseste Windstoß könnte diesen flüchtigen Moment als bloße Einbildung enttarnen.
Ryan nickt, und jede letzte, feine Spur von Zweifel, die sie in den vergangenen Wochen noch zurückgehalten hat, fällt in diesem Augenblick endgültig von ihr ab. »Ich habe mir so unendlich viele Gedanken gemacht. Aber die Antwort ist eigentlich ganz einfach.« Sie tritt noch einen halben Schritt näher, bis sie seine Körperwärme wie ein schützendes Feld um sich spürt. »Ich will mein Leben mit dir teilen, Arvid. Nicht nur hier und da ein gestohlener Nachmittag in einem Hotelzimmer. Nicht nur am Telefon oder durch schnelle Nachrichten zwischen zwei Flügen. Sondern richtig. Mit allem, was dazugehört. Ich komme mit dir auf Tour.«
Arvids Brustkorb hebt und senkt sich schwer. Langsam, beinahe wie in Zeitlupe, weicht die fassungslose Anspannung aus seinen Zügen und macht einem ungläubigen, strahlenden Lächeln Platz, das die dunklen Schatten unter seinen Augen vertreibt. Er hebt beide Hände, bettet ihr Gesicht sanft in seine warmen, rauen Handflächen und fixiert sie mit einem Blick, der bis auf den Grund ihrer Seele reicht.
»Ryan …«, murmelt er, während sein Daumen fast andächtig über ihre Wange streicht. »Meinst du das vollkommener Ernst?«
Sie nickt, ohne auch nur den Bruchteil einer Sekunde zu zögern. »Ich liebe dich. Und mir ist völlig klar, dass das kein gemütlicher Spaziergang wird. Das ständige Reisen, die Paparazzi, der gnadenlose Wahnsinn deiner Welt – das wird uns beiden unglaublich viel abverlangen.« Sie legt ihre Hände schützend über seine und hält seinem brennenden Blick stand. »Aber das ist mir egal. All das verliert seine Bedrohung, wenn du bei mir bist. Ich will dich. Egal wo auf dieser verfluchten Welt. Egal wie.«
Ein tiefes, raues Lachen bricht aus Arvids Kehle – ein Klang aus purer Erleichterung, grenzenlosem Glück und einer unbändigen Liebe. Mit einer fließenden, besitzergreifenden Bewegung reißt er sie an sich und presst seine Lippen auf ihre. Der Kuss ist berauschend, fordernd und so voller bedingungsloser Hingabe, dass Ryans Herzschlag sich augenblicklich verdoppelt und die menschenleere Straße um sie herum zu einem einzigen, flirrenden Rauschen verschwimmt.
»Du hast gerade absolut alles verändert«, raunt er atemlos gegen ihre Lippen, während seine Arme sie wie ein eiserner, sicherer Anker umschließen.
»Gut«, flüstert Ryan mit einem selbstbewussten Lächeln zurück, reckt sich auf die Zehenspitzen und schlingt ihre Hände noch ein Stück fester um seinen Nacken, bereit für den ganzen, wilden Sturm, der vor ihnen liegt. »Dann lass uns verdammt noch mal anfangen, unser Leben zu leben. Zusammen.«