Ash & Jinx - Music


Jinx und Ash - Eine Geschichte in Songs



Jinx und Ash waren einmal dieses Paar, bei dem zwei Katastrophen erstaunlich gut zusammenpassten.

Dann waren sie es plötzlich nicht mehr.

Warum ihre Beziehung zerbrach, können vermutlich nicht einmal die beiden selbst wirklich erklären. Seitdem versuchen sie weiterzumachen – mit neuen Menschen, neuen Nächten und der festen Überzeugung, längst über den anderen hinweg zu sein.

Das funktioniert ungefähr so gut, wie man erwarten würde.

Zwischen Eifersucht, Whiskey, schlechten Entscheidungen, neuen Beziehungen und Erinnerungen, die einfach nicht verschwinden wollen, erzählen Jinx und Ash ihre Geschichte abwechselnd in ihren Songs. Mal frech und provokant, mal wütend, manchmal überraschend ehrlich – auch wenn beide Letzteres selbstverständlich abstreiten würden.

Ob ihre Geschichte wirklich vorbei ist?

Das wissen Jinx und Ash vermutlich selbst noch nicht.

Und genau deshalb geht sie weiter.


Rauschen Zwischen Uns - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Vielleicht ist es nie gestorben.

Wir schliefen mit dem Schweigen im Bett,
zwei geladene Waffen in unseren Köpfen.
Du sagtest „Bleib“ – ich hörte „Geh“,
ich sagte „Schon gut“ – du hörtest „Ich brauche dich nicht“.

Du griffst nach mir, ich wandte mich ab,
und dann hasste ich dich dafür, dass du dasselbe tatest.

Sag mir, wann das Signal abriss,
wann Liebe zu unserem privaten Witz wurde.

Da ist Rauschen zwischen uns,
Lärm dort, wo einmal Wahrheit war.
Ich schwöre, ich liebe dich nicht –
Gott, was für eine wunderschöne Lüge.

Da ist Gift zwischen uns,
Stolz dort, wo die Wunde war.
Jede Nacht sage ich mir selbst:
Ich vermisse dich nicht.
Tu ich nicht.

Du wolltest Antworten, ich gab dir Rauch,
du konntest nicht hören, was ich niemals aussprach.
Zwei perfekte Fremde, Seite an Seite,
die etwas töten, das noch immer lebt.

Vielleicht erstarrte ich, wenn du mir zu nahe kamst,
vielleicht warst du fort, noch bevor du gingst.

Frag mich nicht, wovor ich davonlaufe.
Zwing mich nicht zu sagen, was aus uns geworden ist.

Da ist Rauschen zwischen uns,
Lärm dort, wo einmal Wahrheit war.
Ich schwöre, ich liebe dich nicht –
Gott, was für eine wunderschöne Lüge.

Da ist Gift zwischen uns,
Stolz dort, wo die Wunde war.
Jede Nacht sage ich mir selbst:
Ich vermisse dich nicht.
Tu ich nicht.

Ich will dich nicht.
Ich brauche dich nicht.
Ich träume nicht von dir.

Glaubst du mir?

Ich auch nicht.

Da ist Rauschen zwischen uns,
Blut in der Stille.
Ich schwöre, ich liebe dich nicht –
sag es oft genug, dann wird es wahr.

Da ist nichts zwischen uns ...

Nichts außer all den Dingen,
die ich dir niemals gesagt habe.

Vielleicht ist es nie gestorben.

Wer von uns beide ging? - Jinx 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Na sieh mal einer an …
Jetzt sind wir also Geschichte.
Komisch.
Ich kann mich nur nicht erinnern,
wer von uns das beschlossen hat.


Dein Glas steht noch auf meinem Tisch,
dein Schatten klebt noch an der Wand.
Ich trag dein Shirt, ganz sicherlich
nur weil ich meins heut nicht mehr fand.

Du sagst, ich hätte dich verlassen,
ich sag, du wärst einfach gegangen.
Irgendwo zwischen Tür und Schweigen
hat wohl das Ende angefangen.


War es mein „Dann geh doch!“?
War es dein „Ist mir egal!“?
War das schon unser letzter Kuss
oder nur ein schlechter Abend mal?

Wie peinlich, Liebling, sieh uns an:
Zwei Herzen, viel zu stolz zum Fragen.
Wir wissen beide, dass es wehtut -
doch keiner kann den Grund noch sagen.


Du denkst, ich hab Schluss gemacht,
ich dachte, du wärst einfach weg.
Was für ein wunderschönes Chaos -
fast perfekt.

Du sagst: „Du wolltest mich nicht mehr.“
Ich sag: „Du kamst doch nicht zurück.“
Und irgendwo dazwischen
liegt unser kleines Stück vom Glück.

Also Prost auf uns zwei Idioten,
auf Liebe, Stolz und Untergang.
Ich lach, als wär's mir scheißegal —
nur leider nicht besonders lang.

Denn wenn heut Nacht mein Lächeln bricht,
dann sag ich morgen: „War doch nichts.“
Du kennst mich doch, mein Süßer —
The Naughty Girl weint nicht.

…zumindest nicht bei Licht.


Ich geh noch aus, ich trag mein Schwarz,
die Stiefel laut, die Lippen frech.
Wenn jemand fragt: „Vermisst du ihn?“
Sag ich: „Vielleicht. Der Sex war nicht schlecht.“

Ha!

Doch irgendwann um kurz nach drei,
wenn selbst die Stadt die Klappe hält,
liegt deine Seite viel zu leer
in meiner ach so tollen Welt.

Dann hasse ich dein leeres Kissen,
weil es verdammt nach gestern riecht.
Und hasse mich ein kleines bisschen,
weil meine große Klappe schweigt.


Wer ging?
Du?

Wer blieb?
Ich?

Wer sagte:
„Das war's“?

…Keiner?

Vielleicht hast du auf meinen Anruf gewartet.
Ich auf deinen.

Du dachtest:
„Wenn sie mich liebt, kommt sie zurück.“

Ich dachte:
„Wenn er mich liebt, kommt er zurück.“

Sehr clever.

Wirklich.

Zwei Genies.

Und ja …
vielleicht vermiss ich dich.

Mach jetzt kein Drama draus.

Vielleicht wach ich manchmal auf
und greif nach dir —

und finde nichts.

Doch bevor du eingebildet wirst:

Ich komm auch ohne dich zurecht.

Ich wollte nur …

lieber mit dir zurechtkommen.


Du denkst, ich hab Schluss gemacht,
ich dachte, du wärst einfach weg.
Wir haben uns aus Stolz verloren - 
wie perfekt.

Du wartetest vielleicht auf mich,
während ich auf dich gewartet hab.
Und keiner machte einen Schritt,
bis es uns beide nicht mehr gab.

Also Prost auf uns zwei Idioten,
auf jeden ungesagten Satz.
Auf jedes „Ist mir doch egal“,
obwohl das Herz was anderes sagt.

Und wenn du irgendwann noch fragst,
ob ich dich liebte —

Frechheit.

Natürlich.

Vielleicht tu ich's noch.

 

Du dachtest, ich ging.

Ich dachte, du gingst.

Und vielleicht …

ging am Ende
keiner von uns.

Wir sind nur beide
nicht geblieben.


Noch eine Lüge bis zum Morgen - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Ich trinke, bis die Schatten Namen tragen,
küsse fremde Münder gegen deinen Geschmack.
Jede Nacht ein anderes Gesicht,
doch im Dunkeln werden alle zu dir.

Whiskey auf der Zunge, Blut im Blick,
ich spiele den König dieses Untergangs.
Sie flüstert: „Bleib.“
Ich lächle nur.
Diesen Fehler mach ich kein zweites Mal.

Ich hab dich begraben,
so tief ich nur konnte.
Warum hör ich dich noch atmen?

Da ist Rauschen in meinem Kopf,
deine Stimme unter meiner Haut.
Ich schwöre, ich liebe dich nicht –
Gott, was für eine wunderschöne Lüge.

Noch ein Glas.
Noch eine Nacht.
Noch jemand, den ich morgen vergesse.
Ich vermisse dich nicht.

Ich vermisse dich nicht.


Parfüm und Rauch in schwarzen Zimmern,
Nägel ziehen Spuren über meine Haut.
Ich nenne sie „Schatz“, vergesse ihren Namen,
und hasse mich, wenn morgens keiner deiner ist.

Vielleicht warst du fort, bevor du gingst.
Vielleicht ging ich, obwohl ich blieb.
Wir waren zwei geladene Waffen –
zu stolz, um zuerst zu verbluten.


Ich will dich nicht.
Ich brauche dich nicht.
Ich träume nicht von dir.

... Glaubst du mir?

Gut.

Ich auch nicht.


Da ist Rauschen in meinem Kopf,
deine Stimme unter meiner Haut.
Ich schwöre, ich liebe dich nicht –
sag es oft genug, dann wird es wahr.

Noch ein Glas.
Noch ein Kuss.
Noch eine Lüge bis zum Morgen.

Da ist nichts mehr zwischen uns ...

Warum fühlt es sich dann
noch immer wie Liebe an?

Vielleicht ist es nie gestorben.

Sie trägt jetzt mein Lächeln - Jinx

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Oh...

Das ist sie also?

Süß.

Wirklich.

Ich sah euch gestern vor der Bar,
deine Hand dort, wo mal meine war.
Sie lachte über irgendeinen Scheiß,
und du sahst sie an auf diese Art.

Keine Sorge, Baby, alles gut,
ich hab schließlich Stolz genug.
Bin einfach weiter, Kopf nach oben –
und hab euch beide nicht mehr angesehen.

Na ja...

fast nicht.

Sag ihr ruhig, ich wär Geschichte,
sag ihr, du denkst nie an mich.
Du warst schon immer ziemlich gut
in Dingen, die du selbst nicht glaubst.

Hey Baby, fick dich – ganz charmant,
ich komm schon klar, wie allerhand.
Küss sie ruhig, zieh sie an dich,
ist mir scheißegal...

offensichtlich.

Gib ihr alles, was ich wollte,
spiel den Mann, der's plötzlich kann.
Und wenn sie fragt, wer ich gewesen bin:

Sag einfach:
„Niemand.“

Mal sehen, ob du's sagen kannst.

Ist sie leiser? Ist sie leichter?
Nickt sie hübsch, wenn du nichts sagst?
Muss sie deine halben Sätze
nicht erraten jede Nacht?

Vielleicht passt sie besser zu dir.
Scheiße, vielleicht stimmt das sogar.
Vielleicht tut genau der Gedanke
deshalb so verdammt weh.

Vergiss den letzten Satz.

Ich brauch kein Mitleid, keine Rosen,
keinen betrunkenen Anruf um drei.
Doch falls du meinen Namen flüsterst,
hoff ich, sie liegt direkt dabei.

Hey Baby, fick dich – ganz charmant,
ich komm schon klar, wie allerhand.
Küss sie ruhig, zieh sie an dich,
ist mir scheißegal...

offensichtlich.

Gib ihr alles, was ich wollte,
spiel den Mann, der's plötzlich kann.
Und wenn sie fragt, wer ich gewesen bin:

Sag einfach:
„Niemand.“

Na komm.

Sag's.

 

Ich hoffe, sie macht dich glücklich.

Ehrlich.

Ich hoffe, sie kennt deine Narben,
deine Macken, deinen verdammten Kaffee.
Ich hoffe, sie weiß, wann du lügst,
wenn du sagst: „Mir geht's okay.“

Ich hoffe...

 

Ach, scheiß drauf.

Ich hoffe, sie klaut dir nachts die Decke.

Hey Baby, fick dich – mit Gefühl,
ich bin nicht kaputt, nur etwas kühl.
Und ja, ich sah, wie du sie küsstest –
hab nur kurz vergessen, wie man atmet.

Doch ich steh noch. Siehst du mich?
Immer noch laut. Immer noch ich.
Also lieb sie ruhig, wenn du kannst...

Aber erzähl mir nicht,
dass das mit uns
gar nichts war.

Und Baby?

Falls sie mein Parfum trägt...

Dann haben wir ein Problem.


Was du gesehen hast - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Ich weiß, du hast uns gesehen.
Ihre Hand an meinem Arm,
mein Lächeln etwas zu vertraut,
als hätte sie dort einen Platz.

Du bist einfach weitergegangen.
Vielleicht war das klüger so.
Ich hätte deinen Namen sagen können.
Hab ich nicht.


Und jetzt kennst du eine Geschichte,
die ich dir nie erzählt hab.
Das Schlimmste daran ist –
ich weiß genau, wie sie aussieht.


Glaub ruhig, sie gehört zu mir,
wenn es leichter ist als die Wahrheit.
Glaub, ich hätte dich ersetzt,
als wär das etwas, das man kann.

Ich werde dich nicht korrigieren.
Was gäbe mir das Recht?
Aber wenn sie wirklich meine wäre –
warum denke ich jetzt an dich?


Sie kennt nicht meine stillen Stellen,
nicht den Blick, den du sofort verstandst.
Sie weiß nicht, warum ich manchmal schweige,
wenn jemand fragt, wo ich nachts noch bin.

Und nein, sie trägt nicht deinen Duft.
Sie spricht nicht einmal wie du.
Seltsam, welche Dinge einem auffallen,
wenn sie einem gleichgültig sein sollten.


Vielleicht hoffte ein Teil von mir,
du würdest dich noch einmal umdrehen.
Vielleicht bin ich froh,
dass du es nicht getan hast.


Glaub ruhig, sie gehört zu mir,
wenn es leichter ist als die Wahrheit.
Glaub, ich hätte dich ersetzt,
als wär das etwas, das man kann.

Ich werde dich nicht korrigieren.
Was gäbe mir das Recht?
Aber wenn sie wirklich meine wäre –
warum denke ich jetzt an dich?


Du würdest lachen,
wenn du mich jetzt hören könntest.

Ich war immer besser darin,
die Wahrheit zu sagen,
wenn niemand mehr da ist,
der sie hören soll.

Und falls du dich fragst ...

Nein.

Lass es.


Glaub ruhig, sie gehört zu mir.
Vielleicht hab ich diesen Irrtum verdient.
Vielleicht ist es besser, wenn du glaubst,
dass hier nichts mehr von dir geblieben ist.

Ich werde dich nicht korrigieren.
Ich werde dich nicht zurückrufen.

Doch heute Nacht
hätte ich gern gewusst,
ob du dich umgedreht hast,

als ich es nicht sehen konnte.

Wann waren wir vorbei? - Jinx

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Ich hab noch mal nachgedacht.

Ja, passiert mir auch mal.

War es der Abend auf dem Sofa,
als wir beide gar nichts sagten?
Oder einer dieser Morgen,
an denen wir nicht mehr zusammen lachten?

War es dein „Ist schon okay“,
obwohl überhaupt nichts okay war?
Oder mein verdammter Stolz,
der wie immer etwas lauter war?

Ich such den Riss in alten Bildern,
als könnte ich ihn darauf sehen.
Diesen einen kleinen Augenblick,
an dem wir aufgehört haben, uns zu verstehen.

Vielleicht gab es keinen großen Knall,
kein letztes Wort, keinen Verrat.
Vielleicht wurde es nur leiser,
bis uns nichts mehr übrig blieb.

Wann waren wir vorbei?
Sag, hab ich's nur nicht gemerkt?
Wann wurde aus „für immer“
dieses „Hat wohl nicht geklappt“?

Ich könnte sagen: „Fick dich, Baby“,
doch selbst das klingt nicht mehr richtig.
Ich bin nicht mehr wütend auf dich.

Nur manchmal noch
verdammt traurig.

Deine Sachen sind verschwunden,
nur dein Schatten kennt den Weg.
Und nein, ich riech nicht an deinem Shirt –

Das wär erbärmlich.

...hab's längst weggelegt.

Ich könnte dir noch hundert Dinge
vor die schöne Fresse knallen.
Doch was bringt der beste letzte Satz,
wenn keine Antworten mehr fallen?

Vielleicht warst du nicht der Böse.
Scheiße, vielleicht ich auch nicht.
Vielleicht waren wir zwei Idioten,
die Liebe mit Gedankenlesen verwechselten.

Wann waren wir vorbei?
Sag, hab ich's nur nicht gemerkt?
Wann wurde aus „für immer“
dieses „Hat wohl nicht geklappt“?

Ich könnte sagen: „Fick dich, Baby“,
doch selbst das klingt nicht mehr richtig.
Ich bin nicht mehr wütend auf dich.

Nur manchmal noch
verdammt traurig.

 

Vielleicht muss ich's nicht verstehen.

Vielleicht gibt's keinen Punkt,
den ich finden kann.

Kein Datum.
Keine letzte Nacht.
Keinen Schuldigen.

Nur dich.

Nur mich.

Und irgendwann
kein Uns mehr.

Also waren wir vorbei.

Vielleicht reicht mir das jetzt.

Nicht weil du mir nichts bedeutest,
sondern weil du's immer noch tust.

Und falls ich dich irgendwann sehe,
werd ich lächeln und weitergehen.

Na gut...

Vielleicht seh ich noch einmal zurück.

Ich bin schließlich Jinx,
nicht Jesus.

Mach's gut, Baby.

Diesmal mein ich's so.

Arschloch.

Arschloch. 


Die Stadt kennt deinen Namen - Ash

Dark Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Wochen sind vergangen.

Mir geht's gut.

Frag die Frau in meinem Bett.

 

Ich komm noch immer an der Bar vorbei,
dritter Tisch, ganz hinten links.
Da hast du meinen Drink geklaut
und behauptet, meiner schmeckt besser als deiner.

Verdammt, du warst anstrengend.

Heute sitzt dort irgendwer,
ich kenn nicht mal ihr Gesicht.
Und für drei Sekunden seh ich dich –

Dann eben nicht.

 

Ich hab nie herausgefunden,
wann aus Feuer Asche fiel.
Vielleicht haben wir zu viel geredet
und uns dabei nie wirklich zugehört.

 

Diese Stadt kennt deinen Namen,
jede Straße weiß zu viel.
Jede verdammte Ecke zeigt mir,
wo dein Körper neben meinem schlief.

Doch keine Angst, ich komm schon klar.
Ich hab Gesellschaft, wenn ich will.
Andere Lippen schmecken anders –

aber küssen
kann ich immer noch.

 

Letzte Woche war sie blond,
gestern Nacht hatte sie dein Parfum.
Hab sie trotzdem mitgenommen.

Man muss ja nicht gleich abergläubisch werden.

Sie fragte, warum ich manchmal grinse,
wenn sie irgendetwas sagt.
Ich sagte: „Du erinnerst mich an niemanden.“

Das war fast wahr.

 

Vielleicht war ich zu stolz zum Bleiben.
Vielleicht du zu stolz zum Fragen.
Vielleicht gingen wir längst auseinander,
bevor einer von uns wirklich ging.

 

Diese Stadt kennt deinen Namen,
jede Straße weiß zu viel.
Jede verdammte Ecke zeigt mir,
wo dein Körper neben meinem schlief.

Doch keine Angst, ich komm schon klar.
Mein Bett bleibt selten lange kühl.
Andere Lippen schmecken anders –

und manche
sogar ziemlich gut.

 

Will ich dich zurück?

Nein.

Würde ich dich noch einmal küssen?

...

Das war nicht die Frage.

Ich will nur wissen,
wann wir aufgehört haben, wir zu sein.

Vielleicht würde ich dann verstehen,
warum ich an manchen Nächten
noch den langen Weg nach Hause nehme.

 

Diese Stadt kennt deinen Namen,
doch ich sag ihn längst nicht mehr.
Unsere Nächte hängen an den Wänden
wie der Rauch von ungefähr.

Und ja, Baby, ich bin weiter.
Weiter als du vielleicht glaubst.
Ich brauch dich nicht zurück –

ich hätte nur verdammt gern gewusst,
wann wir beide beschlossen haben,
uns nicht mehr zu brauchen.

 

Na ja.

Die Stadt ist groß.

Und die Nacht noch jung.

Rein zufällig - Jinx

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Neue Haare.
Neue Bar.
Neuer Heimweg.

Was?

Man wird sich ja wohl
mal verändern dürfen.

 

Hab meine Haare abgeschnitten,
einfach so, mir war danach.
Jetzt seh ich morgens anders aus
und irgendwie gefällt mir das.

Ich nehm jetzt meistens andre Straßen,
kenn Ecken, die ich vorher nicht kannte.
Deine Straße liegt halt ungünstig.

Rein zufällig.

Interessante Stadtplanung.

 

Ich hab die Möbel umgestellt,
dein Glas ist irgendwann verschwunden.
Und deine Nummer?

Hab ich noch.

Nur damit ich weiß,
bei wem ich nicht rangehe.

[Refrain]

Ich mach jetzt alles anders, Baby,
und nichts davon hat mit dir zu tun.
Neue Nächte, neue Namen,
neue Lippen – ziemlich gut.

Ich geh dahin, wo keiner fragt,
warum ich plötzlich woanders bin.
Und falls ich deine Kneipe meide –

Ach komm.

Der Gin dort war sowieso beschissen.

 

Ich kenn jetzt eine kleine Bar,
zwei Straßen weiter Richtung West.
Der Barkeeper kennt meinen Drink
und fragt zum Glück nicht nach dem Rest.

Da tanzt man auf den Tischen,
wenn die Nacht genügend sündigt.
Und keiner sagt: „Hey, ist das nicht Ash
da hinten mit der...“

 

Siehst du?

Genau deshalb gefällt's mir hier.

 

Ich hab gehört, dir geht es prächtig.
Freut mich wirklich. Ganz enorm.
Und mit wem du nachts nach Hause gehst,
ist mir vollkommen ...

Hey!

Noch einen Doppelten.

 

Ich mach jetzt alles anders, Baby,
und nichts davon hat mit dir zu tun.
Neue Nächte, neue Namen,
neue Lippen – ziemlich gut.

Ich geh dahin, wo keiner fragt,
warum ich plötzlich woanders bin.
Und falls ich deine Straßen meide –

Ich nenn das
effiziente Navigation.

 

Kurze Haare?
Stehen mir besser.

Neue Kneipen?
Bessere Drinks.

Andere Straßen?
Mehr zu sehen.

Dich nicht treffen?

...

Netter Nebeneffekt.

 

Ich mach jetzt alles anders, Baby,
vielleicht war's höchste Zeit dafür.
Neue Nächte, neue Fehler –

und keiner davon bist mehr du.

Ich muss nicht sehen, wen du küsst,
um zu wissen, dass ich weiter bin.
Und nein, ich lauf nicht vor dir weg.

Ich lauf nur...

sehr konsequent
woanders hin.

 

Also...

Falls wir uns doch mal begegnen:

Sei nicht komisch.

Ich bin's bestimmt nicht.

 

Und sag nichts über die Haare.

Ich weiß, dass sie geil aussehen.


Fünf Monate - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Fünf Monate.
Dreiundzwanzig Tage.
Elf Stunden.

Ungefähr.

 

Was?

 

Kathedralenlicht auf schwarzem Stein,
Champagner, Samt und Heiligenschein.
Ich war gerade ziemlich gut darin,
nicht mehr an dich zu denken.

Dann hörte ich dein Lachen.

Verdammt.

Kurze Haare, schwarzes Kleid,
dieser Blick noch ganz derselbe.
Und neben dir ein schöner Mann,
maßgeschneidert bis zur Fresse.

 

Seine Hand liegt an deinem Rücken.
Sehr vertraut.

Sehr elegant.

Ich überlege nur ganz sachlich,
wie gut Blut zu seinem Hemd passt.

 

Nein, Baby, ich bin nicht eifersüchtig.
Du kannst küssen, wen du willst.
Kannst ihn anlächeln, näher kommen,
bis du seinen Atem fühlst.

Es geht mich einen Scheißdreck an,
wer heute Nacht dein Bett verdient.

Ich frag mich nur, warum mein Glas
in meiner Hand
gerade Risse kriegt.

 

Du hast mich schließlich auch gesehen.
Nur eine Sekunde – vielleicht zwei.
Dein Lächeln stockte einen Herzschlag lang.

Oder ich bilde mir das ein.

Dann flüsterte er dir etwas zu,
du lachtest wieder viel zu schön.
Und plötzlich fand ich seine Zähne
bemerkenswert vollständig.

Nicht falsch verstehen.

Ich gönn dir Glück.

Ich gönn ihm nur
nicht unbedingt dasselbe.

 

Fünf Monate, dreiundzwanzig Tage –
nicht, dass ich so etwas zähl.

Elf Stunden.

Vielleicht zwölf.

Scheißegal.

 

Nein, Baby, ich bin nicht eifersüchtig.
Du kannst anfassen, wen du willst.
Kannst dich an seinen Körper lehnen,
wenn dir meiner nicht mehr fehlt.

Es geht mich einen Scheißdreck an,
wer deinen Namen nachts noch stöhnt.

Ich versteh nur nicht, warum ich
seine Hände
an dir so wenig schön find.

 

Er sieht gut aus.

Geb ich zu.

Teurer Anzug.
Perfektes Lächeln.
Saubere Hände.

 

Ich könnte das ändern.

[Kurzes Lachen]

Entspann dich.

War ein Witz.

...

Größtenteils.

 

Nein, Baby, ich bin nicht eifersüchtig!

Tanz mit ihm, als wär ich Luft.
Lach noch lauter, komm ihm näher,
trag an deiner Haut seinen Duft.

Ich hab genug andere Frauen,
genug Nächte ohne dich.

Also erklär mir, warum zum Teufel
von hundert Menschen hier im Garten

ich nur sehe,
wie er dich ansieht.

 

Und wie du
zurückschaust.

 

Fünf Monate.
Dreiundzwanzig Tage.
Elf Stunden.

 

Ungefähr.

Arschloch.

Ich komm so - Jinx 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Er ist schön.
Wirklich schön.

Guter Anzug.
Gute Manieren.
Verdammt gute Hände.

Nur manchmal...

redet er ein bisschen zu viel.

 

Er sagt: „Das Schwarze wär eleganter.“
Ich trag trotzdem Violett.
„Der Rock ist vielleicht etwas kurz.“

Baby...

Genau deshalb ist er perfekt.

Er mag mich frech, nur nicht zu laut,
sexy, aber mit Niveau.
Ich soll ruhig ganz ich selber sein –

nur vielleicht
ein bisschen weniger so.

 

Komisch.

Da war mal einer, der hat nie gefragt,
warum meine Stiefel auf dem Tisch stehen.

Er hat nur seinen Drink weggenommen.

Er kannte mich eben.

 

Ich komm so, wie ich bin, Baby,
mit zu viel Mund und zu wenig Scham.
Mit kurzen Röcken, schwarzen Nägeln
und einem ziemlich schlechten Plan.

Du musst mich nicht verbessern,
ich bin kein verdammtes Projekt.
Wenn du Jinx haben willst, dann ganz –

nicht hübsch gemacht
und korrekt.

 

Du bestellst den Wein für uns beide,
weil du weißt, was „besser passt“.
Ich bestell danach noch einen Whiskey,

nur weil du das Gesicht verziehst.

Du sagst, ich flirte mit dem Kellner.

Stimmt.

Der Mann hat Augen.
Was soll ich machen?

Und irgendwo in meinem Kopf
hör ich ein dreckiges Lachen.

 

Scheiße.

Den Gedanken mochte ich nicht.

 

Der hätte meine Hand genommen,
wenn ich barfuß durch die Straßen zog.
Nicht gefragt: „Was sollen die Leute denken?“

Eher:

„Lauf schneller, die Polizei kommt.“

 

Ich komm so, wie ich bin, Baby,
mit zu viel Mund und zu wenig Scham.
Mit kurzen Röcken, schwarzen Nägeln
und einem ziemlich schlechten Plan.

Du musst mich nicht verbessern,
ich bin kein verdammtes Projekt.
Wenn du Jinx haben willst, dann ganz –

mit jedem kleinen
Defekt.

 

Du bist charmant.
Du bist höflich.
Du siehst unverschämt gut aus.

Und im Bett...

 

Keine Beschwerden.

Aber hör auf, mir zu erklären,
welche Version von mir
dir am besten gefällt.

Ich hatte mal einen Mann,
der kannte jede davon.

 

Oh.

Das klang jetzt gefährlich sentimental.

Vergiss es.

 

Ich komm so, wie ich bin, Baby,
und wenn dir das zu viel erscheint,
such dir eine brave kleine Schönheit,
die beim Essen nicht über Sex spricht.

Ich werd mein Kleid nicht länger machen,
meine Stimme sicher nicht.

Und wenn du mich wirklich haben willst –

dann lieb nicht nur
mein bestes Licht.

Denn einer kannte meine Schatten
und ließ sie einfach neben sich.

 

Verdammt.

Schon wieder er.

 

Also...

Violettes Kleid.

Hohe Stiefel.

Und wir gehen in meine Bar.

 

Du darfst gern mitkommen.


Nicht gesendet - Ash 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

„Hey.“

„Ich wollte nur—“

Ach, fick dich.

Zwei Uhr siebzehn, viel zu wach,
dein Name leuchtet mich noch an.
Nicht, dass ich dir schreiben wollte,
ich räum nur meine Kontakte auf.

Seit einer Stunde.

Sehr gründlich.

Ich hör, du bist noch mit ihm zusammen.
Schön für dich. Ehrlich gemeint.
Er trägt diese lächerlich guten Anzüge.

Hab ich erwähnt,
dass ich ihn nicht leiden kann?

„Hey, lange nichts gehört...“

Nein.

Klingt verzweifelt.

„Na, alles gut bei dir?“

Noch schlimmer.

Scheiße.

Ich schreib dir nichts, Baby,
hab dir nichts mehr zu erklär'n.
Du kannst mit deinem neuen Prinzen
durch deine neuen Nächte geh'n.

Mir ist egal, wer dich jetzt küsst,
wer deine verdammte Tür aufschließt.

Warum steht dann seit zwanzig Minuten:

„Manchmal fehlst du—“

Nichts.

Da stand nichts.

Ich könnte irgendeine anrufen,
Nummern hätte ich genug.
Eine Blonde schreibt seit gestern,
eine Rothaarige wär auch noch wach.

Doch ich sitz hier mit dem Whiskey
und diskutiere mit einem Display.

Beeindruckend, Ash.

Wirklich souverän.

Ich tipp: „Ich hab nachgedacht...“

Als ob das je was Gutes brachte.

Vielleicht würdest du antworten.

Vielleicht auch nicht.

Und warum zum Teufel interessiert mich,
ob du gerade neben ihm liegst?

Rein hypothetisch.

Ich schreib dir nichts, Baby,
hab dir nichts mehr zu erklär'n.
Du kannst dich an seinen Körper legen,
kann mir scheißegal sein, wer.

Ich hab dich längst aus meinem Kopf.

Zumindest meistens.

Fast.

Warum weiß ich dann noch immer,
wann du morgens online bist?

Okay.

Eine Nachricht.

Nur eine.

„Jinx...

ich weiß nicht, was damals passiert ist.

Ich weiß nicht, wann wir aufgehört haben—

Nein.

„Jinx...

falls du mit ihm glücklich bist“

Verdammt!

Ich gönn's dir.

Natürlich gönn ich's dir.

Ich würd ihm nur gern
dieses perfekte Lächeln
aus dem Gesicht

...lassen wir das.

Ich schreib dir nichts, Baby!
Nicht heute und auch morgen nicht.
Ich brauch kein altes verdammtes Feuer,
nur weil dein Name mich noch trifft.

Geh mit ihm. Küss ihn. Schlaf bei ihm.
Mach, was immer du jetzt willst.

Ich bin nicht eifersüchtig.

Ich bin nur...

Ach, scheiß drauf.

„Ich hoffe, es geht dir gut.“

Senden?

...

Nein.

Gute Nacht, Jinx.

Du hättest gelacht 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Er sagt, der Mantel sei zu dünn.

Hat er wahrscheinlich recht.

Du hättest gesagt:

„Dann frier halt sexy.“

Idiot.

Der erste Schnee liegt auf den Dächern,
meine Stiefel sind komplett durchnässt.
Er fragt, warum ich keine trage,
die vernünftig für den Winter sind.

Ich sag: „Weil die hier geiler aussehen.“

Er verdreht die Augen.

Du hättest gelacht
und wärst mit mir durch jede Pfütze.

Scheiße.

Schon wieder du.

[Pre-Chorus]

Er meint es gut.

Das sag ich mir.

Nur meint er ziemlich oft,
ich könnte etwas anders machen.

Und langsam frag ich mich,
warum ich bei dir nie darüber nachdachte,
ob ich richtig bin.

 

Du hättest gelacht, Baby,
über jeden meiner Fehler.
Über zu viel Gin, zu wenig Anstand,
meine Stiefel auf den Ledersitzen.

Du hast nie gesagt:
„Sei doch ein bisschen weniger Jinx.“

Du hast höchstens gesagt:

„Mach, was du willst...

aber wenn wir fliehen müssen,
lauf diesmal schneller.“

 

Gestern waren wir eingeladen,
Kerzenlicht und guter Wein.
Er sagte, ich soll nicht so fluchen.

Beim Essen.

Vor seinen Freunden.

Also lächelte ich ganz höflich
und sagte drei Minuten nichts.

Persönlicher Rekord.

Dann fragte jemand nach meinem Tattoo.

Ich zeigte mehr als nötig.

Sein Blick?

Unbezahlbar.

 

Auf dem Heimweg sagte er leise,
ich müsste nicht immer provozieren.

Und plötzlich wusste ich genau,
was du gesagt hättest:

„Doch.

Muss sie.“

 

Verdammt.

Du hättest gelacht, Baby,
über jeden meiner Fehler.
Über meinen Mund, meine kurzen Röcke,
meine großartigen schlechten Ideen.

Du wolltest nie
eine bessere Version von mir.

Nur mich.

Und damals hielt ich das
für selbstverständlich.

War wohl ziemlich dumm.

Sag's bloß keinem.

 

Er hält meine Hand.

Er küsst mich.

Er ist schön.

Und manchmal bin ich glücklich.

Wirklich.

Nur manchmal lieg ich neben ihm
und denke an jemanden,
bei dem ich nie überlegen musste,
wie viel von mir gerade zu viel ist.

 

Das ist kein Vermissen.

...

Okay.

Vielleicht ein kleines.

Winziges.

Halt die Klappe.

Du hättest gelacht, Baby,
wenn du mich jetzt sehen könntest.
Immer noch laut, immer noch schwierig,
immer noch viel zu schlecht erzogen.

Nur etwas älter.

Etwas klüger.

Na gut...

darüber können wir streiten.

Und vielleicht war unser größter Fehler,
dass wir niemals verstanden haben,
wie verdammt gut wir zusammen waren,

solange wir es waren.

 

Der Schnee wird stärker.

Ich trag trotzdem diese Stiefel.

...

Du hättest gelacht.

Arschloch.


Morgen weiss ich nichts mehr - Ash 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Schnee.

Whiskey.

Mitternacht.

Perfekt.

Fehlt nur noch eine schlechte Entscheidung.

 

Die Stadt liegt schwarz unter dem Fenster,
weiße Flocken auf Neonlicht.
Ich seh die Straßen tief da unten
und natürlich denk ich nicht an dich.

 

Verdammt guter Whiskey.

Ich hab gehört, du bist noch bei ihm.
Hab nicht gefragt – nur aufgeschnappt.
Und nein, es stört mich nicht die Bohne.

Darum trink ich wohl
direkt aus der Flasche.

 

Ich hatte genug andere Körper,
genug Namen, die ich längst vergaß.
Hat hervorragend funktioniert.

Bis gerade eben.

Was für ein Spaß.

 

Fick dich, Jinx, ich lieb dich noch.
Da – jetzt ist es endlich raus.
Ich will dich wieder in meinem Bett,
deine Stiefel in meinem Haus.

Ich will dein Fluchen, deinen Wahnsinn,
deinen Mund, der niemals schweigt.
Und ich hasse mich dafür,
dass selbst nach all den anderen

nur eine
in meinem Kopf noch bleibt.

 

Noch ein Schluck auf gute Entscheidungen.

 

Davon hatte ich ja viele.

Blond im März, im Mai die Rothaarige,
im Sommer... keine Ahnung mehr.
Schöne Augen, schöne Nächte.

Morgens war mein Bett
trotzdem irgendwie leer.

Das klingt erbärmlich.

Streich das.

Ich hatte Spaß.

Sehr viel sogar.

Nur warum zum Teufel war keine davon
jemals laut genug wie du?

 

Und falls ich morgen bei dir klingel—

Nein.

Mach ich nicht.

Falls ich dir schreibe—

Auch nicht.

 

Wo ist mein Handy?

 

Fick dich, Jinx, ich lieb dich noch.
Und langsam macht mich das aggressiv.
Du bist bei ihm, ich bin hier oben,
und der Whiskey hört mir wenigstens zu.

Ich will dein Lachen in der Küche,
deinen Lippenstift an meinem Glas.
Ich will sogar diese Scheißdiskussionen,

bei denen keiner von uns wusste,
worüber wir eigentlich stritten.

 

Gott, waren wir bescheuert.

 

Vielleicht hab ich's versaut.

Vielleicht du.

Wahrscheinlich wir beide.

Aber ich hab andere Frauen geküsst,
als könnte ich dich damit
aus meinem verdammten Mund bekommen.

Hat nicht funktioniert.

 

Überraschung.

Und jetzt soll ich zu dir gehen und sagen:

„Hey, Jinx.

Ich hab mit halb dieser Stadt geschlafen...

aber eigentlich wollte ich dich.“

 

Ja.

Das wird bestimmt großartig.

 

Fick dich, Jinx!

Ich liebe dich noch!

Ich will dich zurück –
zufrieden?!

Ich will fünf Monate zurücknehmen,
jede Nacht, jeden verdammten Fehler.
Will noch einmal vor dir stehen
und diesmal nicht so tun,

als wär mir scheißegal,
ob du gehst.

Denn das war's nie.

 

Das war's...

nie.

 

Morgen weiß ich hiervon nichts mehr.

Morgen bin ich wieder vernünftig.

Arrogant.

Charmant.

Ganz der Alte.

 

Also...

nur für heute Nacht:

 

Ich liebe dich, Jinx.

Und morgen...

halt ich wieder die Fresse

Frohe Weihnachten Verdammt -Jinx

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Nein.

Der gerade Baum ist hässlich.

Ich will den da.

Ja, den Krummen.

Nein, ich scherze nicht.

Er hat drei Äste viel zu wenig,
und die Spitze hängt nach links.
Du sagst: „Der sieht doch furchtbar aus.“

Ich sag:

„Der sieht aus wie ich.“

Also perfekt.

Du willst Kugeln, Gold und Schleifen,
alles hübsch und schön sortiert.
Ich will Totenköpfe, schwarze Engel
und Lametta völlig ungeniert.

Dann sag ich: „Jetzt kommt er an die Decke.“

Du lachst.

Ich nicht.

Baby, wir kennen uns
offenbar noch nicht lang genug.

Ich will Weihnachten verdreht,
ein bisschen schief und wunderschön.
Den Baum kopfüber an der Decke,
weil normale Leute langweilig sind.

Schenk mir keinen perfekten Abend,
Perfektion steht mir sowieso nicht.

Gib mir Chaos, Wein und Kerzen –

und verdammt noch mal,
häng den Baum auf!

Du stehst da mit diesem Blick,
als hätte ich den Papst beleidigt.

„Warum muss der Baum denn hängen?“

Weil er's kann?

Reicht das nicht?

Du sagst, das sei komplett bescheuert,
und ich soll einmal vernünftig sein.

Und dann sag ich, ohne nachzudenken:

„Ash hat das immer
für mich gemacht.“

Oh.

Scheiße.

Nein, so war das nicht gemeint.

Hör auf, mich so anzusehen.

Es ging nur um den Baum.

Nur um

Ja.

Ich weiß, was ich gesagt hab.

Ich will Weihnachten verdreht,
ein bisschen schief und wunderschön.
Und nein, das hat nichts mit ihm zu tun.

Jetzt mach nicht so ein Ding daraus!

Er hat mich eben machen lassen,
auch wenn's völlig irre war.

Nein.

Das war jetzt auch nicht besser.

Kannst du bitte aufhören,
jedes Wort von mir zu analysieren?

„Dann geh doch zu Ash.“

Oh, komm schon.

Wie alt sind wir? Zwölf?

Ich will nicht zu Ash.

Ich will einen beschissenen Weihnachtsbaum
kopfüber an der Decke!

Und jemanden,
dem ich nicht erklären muss,
warum mir das gefällt.

...

Fuck.

Ich will Weihnachten verdreht,
laut und schief und nicht perfekt.
Will mich nicht jedes Mal erklären,
nur weil dir irgendwas nicht gefällt.

Vielleicht bin ich anstrengend, Baby.

Überraschung!

Das stand schon auf der Verpackung.

Und wenn du mich wirklich liebst,
dann lieb auch den verdammten Wahnsinn,

nicht nur mich,
wenn ich dir gerade passe.

Also...

Der Baum bleibt.

Kopfüber.

Ich hol das Seil.

Und wegen Ash...

Tut mir leid.

Das ist mir einfach rausgerutscht.

Frohe Weihnachten?


Frohes Fest Prinzessin - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Weihnachten.

Schnee.
Lichter.
Glückliche Paare.

Widerlich.

Der Schnee steht hoch an meinen Stiefeln,
die ganze Stadt trägt Heiligenschein.
Aus jedem Fenster dieses Glitzern –
als müsste heute jeder glücklich sein.

Ich brauch 'ne Bar, 'nen guten Whiskey,
und später vielleicht Gesellschaft dazu.
Blond, brünett – ich bin nicht schwierig.

Nur bitte
weniger reden als du.

Scheiße.

Da bist du wieder.

Ich seh vor mir den krummen Baum,
den keiner freiwillig genommen hat.
Und natürlich hing das Scheißding kopfüber.

Weil du gesagt hast:

„Normal kann jeder, Ash.“

Frohe Weihnachten, Baby,
wo immer du heut Abend bist.
Ich hoffe, dein Baum hängt von der Decke,
weil alles andere langweilig ist.

Ich hoffe, du trägst viel zu wenig,
fluchst beim Essen, trinkst zu viel.

Und nein – ich vermisse dich nicht.

Ich erinner mich nur
verdammt detailliert.

Dann heb ich meinen Blick –

und da steht er.

Mitten im Schnee.

Dein schöner neuer Gentleman,
als hätte ihn jemand frisch poliert.

Schwarzer Mantel, perfekte Haare,
kein verdammtes Körnchen Schnee im Gesicht.

Wir bleiben beide einfach stehen.

Er sagt nichts.

Ich auch nicht.

Interessant.

Wie viele Cremes benutzt der Mann?

Morgens zwei?
Abends drei?

Ist seine Haut am ganzen Körper
weich wie ein verdammter Babypopo?

Nicht, dass mich das interessiert.

Ich überlege nur,
wie viel Pflege nötig ist,
um so unerträglich hübsch auszusehen.

Frohe Weihnachten, Prinzessin,
ja, diesmal mein ich leider ihn.
Dieser maßgeschneiderte Albtraum
steht da wie aus einem Magazin.

Ich könnte freundlich „Abend“ sagen.
Könnte lächeln, weitergehen.

Oder seiner hübschen Visage

Nein.

Weihnachten.

Nächstenliebe.

Hab ich fast vergessen.

Er sieht mich an.

Ich seh ihn an.

Kein Wort.

Und plötzlich frag ich mich:

Weiß er von dem Baum?

Weiß er, dass du beim Schmücken fluchst?

Dass du die hässlichsten Kugeln
immer ganz nach vorne hängst?

Weiß er, warum du dabei lachst?

Warum zum Teufel
will ich wissen, was er von dir weiß?

Scheiß drauf.

Frohe Weihnachten, Baby,
jetzt geh mir endlich aus dem Kopf.
Ich wollte heute irgendeine küssen,
nicht hier stehen wegen deinem neuen Gott.

Er kann dich haben – hab ich beschlossen.

Klingt großzügig.

Find ich auch.

Nur warum ballt sich meine Faust,
wenn dieser schöne Bastard
einfach nur vor mir steht?

Eifersucht?

Nein.

Allergie.

Ganz eindeutig.

Er nickt.

Ich nicke.

Wir gehen aneinander vorbei.

Sehr erwachsen.

Sehr zivilisiert.

...Babypopo.

Frohe Weihnachten, Arschloch.

Falsche Party - Jinx 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Champagner.

Kristallgläser.

Kaviar.

Und irgendein Typ erklärt mir gerade
den Unterschied zwischen zwei Sorten Gin.

...

Ich will nach Hause.

Schwarzer Samt und teure Namen,
jeder sieht verdammt gut aus.
Man küsst Wangen, zeigt die Zähne,
kennt hier irgendwen, der irgendwen kennt.

Mein Kleid kostet viel zu viel,
mein Glas wird ungefragt gefüllt.
Er legt die Hand an meinen Rücken:

„Lächel doch mal.“

Baby...

Ich lächle, wenn's was zu lachen gibt.

Vielleicht sollte ich das mögen.
Vielleicht ist das jetzt meine Welt.

Aber wenn ich ehrlich bin...

Was für ein beschissener Gedanke.

Bin ich glücklich hier?
Keine Ahnung.
Ich seh zumindest ziemlich glücklich aus.

Teurer Sekt und schöne Menschen,
doch ich würd verdammt gern hier raus.

Mir fehlt der Dreck, mir fehlt das Lachen,
mir fehlt ein Abend ohne Plan.

Und vielleicht fehlt mir jemand,
bei dem ich niemals
jemand anderes sein musste.

Scheiße.

Kurz vor elf, die Party glänzt,
ein Kellner bringt den nächsten Wein.
Und plötzlich seh ich unser Sofa
irgendwo in meinem Kopf wieder erscheinen.

Keine Gäste. Keine Kleider.
Keine Ahnung, welcher Wochentag.
Wir vertrieben uns die Stunden,
bis Mitternacht endlich vor uns lag.

Dann standen wir da – splitternackt,
mit Whiskey statt Champagnerglas.
Du sagtest: „Auf ein besseres Jahr.“

Ich sagte:

„Das letzte war doch gar nicht schlecht.“

War es auch nicht.

Wir hatten nie den besten Whiskey.
Nie den schönsten Ausblick der Stadt.

Aber verdammt...

wir hatten Spaß.

Bin ich glücklich hier?
Keine Ahnung.
Frag mich morgen noch einmal.

Hier schmeckt jeder Drink nach Luxus
und irgendwie auch scheißegal.

Mir fehlt das Fluchen, fehlt das Lachen,
dieses Chaos ohne Plan.

Und vielleicht fehlt mir der Idiot,
mit dem selbst gar nichts tun
sich nach verdammt viel anfühlte.

Zehn...

Alle rücken näher.

Neun...

Er nimmt meine Hand.

Acht...

Ich sollte ihn ansehen.

Sieben...

Warum seh ich unser Sofa?

Sechs...

Whiskey.

Fünf...

Dein dämliches Grinsen.

Vier...

Ach, fick dich, Ash.

Drei...

Nicht heute.

Zwei...

Bitte nicht heute.

Eins.

Frohes neues Jahr.

Vielleicht bin ich nicht glücklich hier.
Da. Ich hab's gesagt. Na und?

Vielleicht passt mein schönes Kleid
nicht zu dem Mädchen darunter.

Ich will wieder viel zu laut sein,
will lachen, bis mir alles wehtut.
Will keinen Mann, der mich präsentiert –

ich will einen,
der mit mir lebt.

Und nein, das heißt nicht automatisch Ash.

...

Das klären wir nächstes Jahr.

Er küsst mich.

Alle jubeln.

Feuerwerk.

Champagner.

Perfekt.

Ich hätte jetzt gern einen Whiskey.

Doppelten.


Nur weil ich's noch weiß - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Fünfzehnter Februar.

Sechsundzwanzig.

Nein, ich hab nicht nachgesehen.

Manche nutzlosen Informationen
bleiben einfach hängen.

Ich steh im Laden vor den Flaschen,
eigentlich brauch ich nur Zigaretten.
Dann seh ich diesen Gin im Regal,
den du immer viel zu großzügig eingeschenkt hast.

Daneben Schokoküsse.

Natürlich.

Diese klebrigen Dinger,
für die du jeden vernünftigen Nachtisch
stehen lassen würdest.

Ich nehm 'ne Packung.

Und den Gin.

Zufall.

Halt die Fresse.

Ich könnte beides selber brauchen,
Gin sowieso, den Zucker eher nicht.

Und dass heute dein Geburtstag ist,
ändert daran...

offensichtlich nichts.

Nur weil ich's noch weiß,
heißt das gar nichts, Baby.
Nur weil ich noch weiß,
was du trinkst und was du liebst.

Nur weil ich nachts durch deine Straße fahr
und zufällig vor deinem Haus steh –

heißt das nicht, dass du mir fehlst.

Es heißt nur...

mein Gedächtnis ist hervorragend.

Schnee liegt grau auf deinem Gehweg,
mein Atem hängt weiß in der Nacht.
Ich stell die Tüte vor die Haustür,
als wär das alles so geplant.

Kein Name.

Keine Karte.

Wozu auch?

Du wirst schon wissen,
welcher Idiot Gin und Schokoküsse
für eine angemessene Kombination hält.

Meine Hand geht Richtung Klingel.

Bleibt kurz davor stehen.

Nein.

So sentimental bin ich nicht.

Also steh ich vor der geschlossenen Tür
und sage leise:

„Alles Gute, Jinx.“

Sechsundzwanzig.

Glückwunsch.

Werd bloß nicht vernünftig.

Nur weil ich's noch weiß,
heißt das gar nichts, Baby.
Nur weil ich vor deiner Tür
deinen Geburtstag nicht vergess.

Vielleicht wollte ich nur sichergehen,
dass du wenigstens vernünftigen Gin hast.

Und die Schokoküsse?

Keine Ahnung.

Die haben mich praktisch angefleht.

Du hättest den Witz besser gemacht.

Dann seh ich Licht hinter den Vorhängen.

Kerzen.

Natürlich Kerzen.

Du mochtest Geburtstage nie besonders groß.
Lieber Sofa, Licht aus,
irgendwas Starkes im Glas.

Und mich.

Damals.

Ich weiß noch, wie du dich an mich gelehnt hast,
Beine über meinen Schoß,
und irgendwann haben wir vergessen,
dass draußen überhaupt noch jemand existiert.

Heute sitzt da vermutlich er.

Der schöne Prinz.

Perfekte Haare.

Perfekte Haut.

Hoffentlich verträgt er Gin.

Vielleicht sitzt du gerade auf dem Sofa.

Vielleicht liegst du an seiner Brust.

Vielleicht lachst du so,
wie du früher bei mir gelacht hast.

Vielleicht küsst er dich
zwischen zwei Kerzen aus.

...

Geht mich nichts an.

Hat es nie.

Nicht mehr.

Und trotzdem steh ich hier
wie ein verdammter Anfänger
und frage mich,

ob du glücklich bist.

Nicht mit ihm.

Einfach...

glücklich.

Nur weil ich's noch weiß,
heißt das gar nichts, Jinx.
Sechsundzwanzig Jahre –
und ein paar davon gehörten mir.

War ganz nett.

Meistens.

Wenn man die Katastrophen abzieht.

[Kurzes Lachen]

Okay.

War verdammt gut.

Aber bild dir darauf bloß nichts ein.

Ich stell dir nur dein Lieblingszeug vor die Tür,
wünsch dir alles Gute
und verschwinde wieder.

Wie ein erwachsener Mann.

Sehr souverän.

Sehr entspannt.

Sehr beschissen im Loslassen.

Ich geh ein paar Schritte.

Dreh mich nicht um.

...

Na gut.

Einmal.

Das Kerzenlicht brennt noch.

Alles Gute, Baby.

Ich hoffe, er bringt dich zum Lachen.

Aber nicht besser als ich.

Man muss ja realistisch bleiben.

Sag bloss du bist eifersüchtig - Jinx 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Schokoküsse?

Vor meiner Tür?

Und Gin?

Oh.

Oh, du verdammtes Arschloch.

Keine Karte, keinen Namen,
natürlich machst du's mir nicht leicht.
Als ob ich nicht sofort erkennen würde,
welcher Idiot mir so was reicht.

Sechsundzwanzig, vielen Dank,
und offenbar weißt du es noch.
Ich sollte das vermutlich albern finden –

tu ich aber nicht.

Scheiße.

Ich grinse doch.

Ich schnapp die Tüte, geh nach oben,
Gin unterm Arm, Zucker dabei.

Und nein, mein Herz macht keinen Hüpfer.

Das war...

die Treppe.

Zweiter Stock.

Ist doch nur 'ne Flasche Gin.
Ist doch nur ein bisschen Schokolade.

Ist doch nur mein Ex, der noch genau weiß,
was ich an meinem Geburtstag mag.

Völlig bedeutungslos.

Offensichtlich.

Sag bloß, du bist eifersüchtig, Baby,
wegen Schokoküssen und Gin?
Ich hab ihn nicht mal gesehen,
also wo ist das Problem darin?

Er hat an meinen Geburtstag gedacht 
ja, okay, ich find das irgendwie süß.

Was?

Soll ich jetzt lügen?

Du weißt doch längst,
dass ich das nicht besonders gut kann.

Ich komm rein 

und da stehst du.

Jogginghose, freier Oberkörper.

Okay.

Verdammt.

Man kann dir vieles vorwerfen, Baby,
aber schlechte Argumente hast du nicht.

Also zumindest optisch.

Du siehst mich an,
dann auf die Tüte:

„Von wem ist das?“

Ich stell den Gin auf den Tisch.

„Ash.“

Oh.

Das Gesicht kenn ich noch nicht.

[Pre-Chorus]

„Er war hier?“

Nein.

„Hast du ihn gesehen?“

Nein.

„Warum schenkt er dir dann was?“

Keine Ahnung.

Vielleicht weil ich Geburtstag habe?

Revolutionäres Konzept.

Sag bloß, du bist eifersüchtig, Baby,
wegen Schokoküssen und Gin?
Du stehst halb nackt in meiner Wohnung –
eigentlich solltest du im Vorteil sein.

Ja, ich hab mich darüber gefreut.
Was soll ich sagen? Es ist nun mal wahr.

Aber wenn ein Lächeln schon Verrat ist,
wird dieser Abend ziemlich lang.

Und stell den Gin wieder hin.

Der kann nichts dafür.

Du sagst, es geht nicht um die Flasche.
Nicht um Zucker vor der Tür.

Es geht darum, wie ich geguckt hab,
als ich sagte:

„Das ist von ihm.“

Ach.

Scheiße.

War's so offensichtlich?

Du fragst, warum er immer noch weiß,
was ich liebe, was ich trink.

Und ich will einen Witz darüber machen –

doch mein Kopf ist plötzlich still.

Denn die Antwort ist beschissen einfach:

Weil Ash mich kannte.

Sehr gut sogar.

„Denkst du noch an ihn?“

Was für 'ne Frage.

Natürlich denk ich manchmal an ihn.

Wir waren zusammen,
ich hab keine Gehirnwäsche machen lassen.

„Vermisst du ihn?“

...

Hey, guck nicht so.

Das war nicht dieselbe Frage.

Du sagst, ich verteidige ihn.

Ich sag, du übertreibst.

Du sagst, ich grinse immer noch.

Ich sage:

„Das ist mein Gesicht!“

Okay.

Das war gelogen.

Sag bloß, du bist eifersüchtig, Baby,
ich dachte, das wär eher mein Revier.
Und verdammt, du siehst gerade heiß aus –

nur leider steht mein Kopf nicht ganz bei dir.

Ja, ich freu mich über Schokoküsse.
Ja, ich freu mich über diesen Gin.

Vielleicht auch ein kleines bisschen darüber,
dass ich ihm nicht vollkommen egal bin.

Fuck.

Das hätte ich nicht sagen sollen.

Nein, komm zurück.

So war das nicht

Okay.

Vielleicht genau so.

Aber anders gemeint!

Super.

Geburtstag.

Gin.

Schokoküsse.

Streit.

Weißt du was?

Ich bin jetzt sechsundzwanzig.

Ich darf schlechte Entscheidungen treffen.

Nein.

Damit meinte ich den Gin.

...

Baby?

Scheiße.

Aber er hat's noch gewusst.

Arschloch.


Lila im April - Ash 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

April.

Siebzehn Grad.

Die halbe Stadt benimmt sich,
als hätte sie den Winter persönlich besiegt.

Menschen sind leicht zu beeindrucken.

Stiefmütterchen vor den Häusern,
Tische stehen wieder auf dem Gehweg.
Sonnenbrillen, nackte Schultern,
jeder zweite hält sich für den Frühling selbst.

Ich sitz draußen mit 'nem Kaffee,
schwarz – Überraschung – ohne Scheißsirup.

Und mein Blick geht durch die Menge.

Einmal.

Zweimal.

Völlig beiläufig.

Nein.

Ich suche niemanden.

Monate nichts gehört von dir.
Monate dich nicht gesehen.

Eigentlich erstaunlich,
wie groß so eine verdammte Stadt sein kann.

Und vielleicht dachte ich kurz:

Heute.

Vielleicht.

Hab ich aber nicht.

Ist nur April, Baby,
der erste warme Tag im Jahr.
Vielleicht macht die Sonne Menschen dämlich,
vielleicht war ich kurz nicht ganz klar.

Denn bei jedem schwarzen Haarschopf
schaut mein Blick ein bisschen zu genau.

Nicht weil ich hoffe, dich zu sehen.

Ich...

beobachte meine Umgebung.

Sehr aufmerksam.

Dann seh ich sie.

Andere Straßenseite.

Lange schwarze Haare,
eine lila Strähne fällt ihr ins Gesicht.

Hübsch.

Nicht dieses höfliche „ganz nett“.

Nein.

Verdammt hübsch.

Sie lacht über irgendwas,
schiebt die Haare hinter ihr Ohr.

Und ich

...

vergesse zu atmen.

Nur kurz.

Wahrscheinlich Pollen.

Sie sieht nicht aus wie du.

Nicht wirklich.

Vielleicht ist es nur das Schwarz.
Vielleicht dieses Lila.

Vielleicht dieses Grinsen,
als wäre Ärger eine Freizeitbeschäftigung.

Okay.

Das war jetzt auffällig spezifisch.

Ist nur April, Baby,
und plötzlich seh ich jemand andern an.
Sollte eigentlich ein Fortschritt sein.

Glückwunsch, Ash.

Gut gemacht.

Ich könnte aufstehen, rübergehen,
ihr irgendeinen guten Spruch servieren.

Normalerweise reichen drei Minuten,
um herauszufinden,
wo wir heute Nacht verschwinden.

Ich bleib sitzen.

Interessant.

Sie bestellt irgendwas beim Kellner,
zieht die Jacke von den Schultern.

Mein Kaffee wird langsam kalt.

Und ich überlege ganz sachlich,
warum ich nicht längst bei ihr steh.

Zu jung?

Nein.

Zu hübsch?

Bitte.

Als hätte mich das je gestört.

Vielleicht hab ich einfach keine Lust.

...

Das klingt sogar für mich beschissen.

Denn für eine Sekunde
hab ich nicht sie gesehen.

Ich hab nur dieses Gefühl erkannt.

Dieses kurze:

Da.

Da bist du.

Und dann dreht sie den Kopf 

und natürlich bist du's nicht.

Scheiße.

Ich dachte, wir wären damit durch.

Na gut.

Ich dachte, ich wäre damit durch.

Von dir weiß ich schließlich gar nichts mehr.

Ist nur April, Baby,
der Winter ist endlich vorbei.
Die Stadt wird wieder laut und warm,
und offensichtlich werd ich sentimental dabei.

Vielleicht wollte ich dich heute sehen.

Einmal.

Nur um festzustellen,
dass es mir inzwischen scheißegal ist.

Ja.

Genau deshalb.

Und diese Frau mit schwarzem Haar
und dieser verdammten lila Strähne?

Ich hätte hingehen können.

Hab ich nicht.

Nicht aus Angst.

Nicht wegen dir.

Ich hatte einfach...

kalten Kaffee.

Sie steht auf.

Geht die Straße runter.

Ich seh ihr nach.

Hübsche Frau.

Wirklich.

Und für ungefähr drei Sekunden
hab ich nicht an dich gedacht.

...

Fortschritt.

Man muss die kleinen Erfolge feiern.

Meine Wohnung hasst dich - Jinx

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

„Willst du mit mir zusammenziehen?“

...

Was?

Also...

zusammen-zusammen?

Mit Möbeln?

Und Zahnbürsten?

Dauerhaft?

Baby, das ist wirklich süß von dir,
nur logistisch wird das kompliziert.
Du hast gesehen, wie viel Schuhe ich hab?

Das ist praktisch schon möbliert.

Und du brauchst morgens dieses Badezimmer,
ich brauch morgens meine Ruh.
Du faltest sogar deine Unterwäsche –

Ganz ehrlich, das macht mir Angst bei dir.

Du lachst und sagst: „Das kriegen wir hin.“

Ja.

Bestimmt.

Natürlich.

Scheiße.

Warum krieg ich keine Luft?

Es ist doch nur 'ne Wohnung.
Vier Wände, Fenster, eine Tür.

Also warum klingt „zieh zu mir“
gerade ein bisschen wie:

„Lass alles hier“?

Ich mag meine Wohnung, Baby,
sie kennt mich ziemlich gut.
Kennt meine schlechten Angewohnheiten,
meine Nächte, meinen Übermut.

Hier darf Geschirr bis morgen warten,
hier liegt mein Leben kreuz und quer.

Zusammenziehen klingt romantisch –

aber...

wer gießt dann meine Pflanzen hier?

Ich hab keine Pflanzen.

Fuck.

Nächste Ausrede.

Du sagst, wir könnten meine Sachen mitnehmen.

Ach?

Auch den kaputten Küchentisch?
Die Kerbe hinten an der Tür?
Den Fleck im Flur, der niemals rausgeht?

„Jinx, du kannst doch neue Möbel kaufen.“

Ja.

Könnte ich.

Will ich aber nicht.

Denn auf dem Sofa hab ich gelacht,
bis mir der Bauch wehtat.

In der Küche um drei Uhr morgens getanzt,
betrunken, barfuß, viel zu laut.

Und

Ach, egal.

Du fragst: „Mit wem?“

Niemand.

Freunde.

Menschen.

Vergangenheit.

Bitte frag jetzt nicht genauer.

Ich mag meine Wohnung, Baby,
auch wenn sie viel zu klein für zwei ist.
Auch wenn du sagst, dass deine größer,
schöner und vernünftiger ist.

Hier kleben Jahre an den Wänden,
jeder Kratzer kennt 'ne Geschichte.

Und manche davon brauch ich nicht mehr.

Aber wegwerfen will ich sie auch nicht.

Da ist die Stelle neben dem Fenster,
wo Ash immer morgens stand.

Scheiße.

Hab ich das laut gesagt?

Da ist das Sofa,
auf dem wir ganze Sonntage verloren.

Der Küchentresen, wo wir Whiskey tranken
und uns über Nachbarn lustig machten.

Die Wand, gegen die er

Nein.

Diese Erinnerung gehört definitiv
nicht in diese Diskussion.

Du siehst mich jetzt so komisch an.

„Geht es hier eigentlich um Ash?“

Nein.

Natürlich nicht.

Es geht um meine Wohnung.

Meine Freiheit.

Meine Sachen.

Meine

Erinnerungen.

Fuck.

Du fragst, ob ich immer noch an ihm hänge.

Ich hänge nicht an ihm.

Ich hänge vielleicht an dem Mädchen,
das ich hier mit ihm gewesen bin.

Die nie überlegt hat,
ob sie gerade zu laut ist.

Die ihre Stiefel auf den Tisch gelegt hat
und dafür einen zweiten Fuß daneben bekam.

Die nicht erklären musste,
warum sie Dinge behalten will,
die objektiv kompletter Müll sind.

Das war jetzt...

unangenehm ehrlich.

Ich mag meine Wohnung, Baby,
und vielleicht ist das mehr als nur Beton.
Vielleicht wohnen hier ein paar Gespenster,
die ich noch nicht vertreiben konnt.

Vielleicht hab ich Angst vorm Zusammenziehen,
weil „wir“ dann plötzlich ernsthaft klingt.

Und vielleicht hab ich noch nicht entschieden,
welches alte „Wir“ ich dafür
aus meinen Kisten schmeiß.

Das heißt nicht, dass ich dich nicht will.

Es heißt nur:

Ich weiß gerade nicht,
ob ich schon irgendwo anders
zu Hause sein kann.

Wow.

Das war erwachsen.

Eklig.

Also...

muss ich heute antworten?

Nein?

Gut.

Dann brauche ich Gin.

Und vielleicht drei bis fünf Werktage.

Und falls du nochmal sagst,
wir könnten das Sofa wegwerfen:

Dann lautet die Antwort definitiv nein.

...

Zum Sofa.

Ich meinte zum Sofa.

Baby?

Scheiße.


Nur ein Schluck - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Freitagabend.

Eine Hauswand.

Eine Flasche Whiskey.

Und genug Menschen,
die freiwillig Material liefern.

Manchmal liebe ich diese Stadt.

Ich lehn am Stein, die Sonne sinkt,
die Straße schiebt sich an mir vorbei.
Kein Ziel für heute, keine Eile,
nur Whiskey und ein bisschen Zeit.

Da drüben läuft ein Pärchen,
sie drei Meter vor ihm her.

Sie redet nicht.

Er sieht aus,
als hätte er gerade verstanden,
dass Schweigen schlimmer sein kann als Geschrei.

Meine Theorie?

Er hat ihrer Mutter gesagt,
der Kartoffelsalat schmeckt wie Tapetenkleister.

Sie hat ihm verziehen.

Dann hat er nachgenommen.

Anfänger.

Ich steh nur hier und seh euch zu,
die ganze Stadt spielt Theater.
Liebe, Lügen, kleine Dramen –

und Whiskey macht die Handlung besser.

Ich brauch heut nichts,
ich such heut nichts,
mir geht's hervorragend allein.

Ja.

Ich weiß.

Das sag ich verdächtig oft.

Dann bleibt jemand vor mir stehen.

Schwarze Stiefel.

Schwarze Jeans.

Mein Blick geht langsam höher.

Lange schwarze Haare.

Und dazwischen

Lila.

Ach.

Du.

Sie grinst.

„Redest du öfter mit dir selbst?“

Ich seh sie an.

„Nur wenn das Niveau der Umgebung
keine Alternative bietet.“

Sie lacht.

Verdammt.

Das gefällt mir.

„Wir kennen uns.“

Sagt sie.

Ich heb die Braue.

„Tun wir das?“

„Café. Vor ein paar Wochen.“

Natürlich weiß ich das.

Ich hab nur Stil genug,
nicht zuzugeben, dass ich mich erinnere.

Ich steh nur hier und seh dich an,
und plötzlich wird die Stadt unwichtig.
Schwarzes Haar und diese lila Strähne –

ja, okay.

Du bist ziemlich hübsch.

Sie fragt: „Ist das dein bester Spruch?“

Nein, Prinzessin.

Mein bester Spruch
würde diesen Song unnötig kurz machen.

Sie bleibt trotzdem stehen.

Interessant.

Wir reden über nichts Besonderes.

Die Stadt.

Das Wetter.

Die beschissene Musik
aus der Bar gegenüber.

Sie zeigt auf meine Flasche.

„Guter Whiskey?“

Ich seh auf das Etikett.

Dann zu ihr.

„Willst du die höfliche
oder die ehrliche Antwort?“

„Ehrliche.“

Ich reich sie rüber.

„Probier.“

Sie nimmt einen Schluck.

Direkt aus der Flasche.

Kein Zögern.

Kein angewidertes Gesicht.

Nur:

„Geht besser.“

Oh.

Ich glaub, ich mag dich.

„Dann kauf nächstes Mal besseren.“

Nächstes Mal?

Ich grinse.

Sie merkt's.

„Bild dir nichts drauf ein.“

Zu spät.

Das ist praktisch mein Hobby.

Nur ein Schluck, nur ein Gespräch,
nur zwei Fremde an 'ner Wand.
Kein verdammtes Schicksal, Baby,
nur Whiskey wandert Hand zu Hand.

Du trinkst, ich trink, du lachst zu laut,
und ich vergess für einen Moment,

dass ich normalerweise jeden guten Abend
mit irgendeiner Erinnerung ruinier.

Hm.

Das war fast tiefgründig.

Widerlich.

Sie fragt:

„Worüber hast du vorhin gelacht?“

Ich zeig auf das Paar.

Er hat jetzt Blumen gekauft.

„Schlechtes Gewissen“, sagt sie.

„Kartoffelsalat“, sag ich.

Sie sieht mich an.

Dann lacht sie so laut,
dass zwei Leute sich umdrehen.

Und verdammt

diesmal denke ich nicht daran,
wie jemand anderes gelacht hätte.

Nur an sie.

Na sieh mal einer an.

Nur ein Schluck, nur ein Gespräch,
und vielleicht noch einer hinterher.
Du bist hübsch, du bist gefährlich 

und Bescheidenheit liegt mir nicht sehr.

Also sag ich:

„Da vorne ist 'ne Bar.“

Sie sagt:

„Der Whiskey dort ist besser.“

„Dann solltest du mich retten.“

Sie grinst:

„Du wirkst nicht, als wärst du zu retten.“

Baby...

endlich sagt's mal eine richtig.

Sie gibt mir die Flasche zurück.

Fast leer.

Frech.

Ich mag frech.

Wir gehen los.

Nach ein paar Metern fragt sie:

„Und wie heißt du eigentlich?“

„Ash.“

Sie nennt ihren Namen.

Ich nicke.

...

Nein.

Den verrat ich euch noch nicht.

Man muss ja ein bisschen Spannung behalten.

Passt nicht in Kartons - Jinx 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Küche.

Bad.

Klamotten.

Bücher.

Vergangenheit.

...

Welche Kiste nimmt man dafür?

Zwölf Kartons in meinem Wohnzimmer,
Klebeband klebt schon in meinem Haar.
Auf jeder Kiste steht ganz ordentlich,
was früher mal mein Leben war.

„Küche“, „Schuhe“, „Bad“, „Diverses“ –
er hätte gern ein klares System.

Baby, ich zieh mit meinem ganzen Chaos um.

Das ist mein System.

Ich sag mir: Das wird richtig gut.
Mehr Platz, große Fenster, schönes Haus.

Er will mich bei sich haben.

Ich will hier raus.

Moment.

Das klang falsch.

Ich zieh nicht weg wegen dir, Ash.

Natürlich nicht.

Ich zieh zu meinem Freund.

Das ist ein Unterschied.

Ein großer.

Verdammt großer.

...

Warum erklär ich das eigentlich dir?

Also rein in die Kiste,
Deckel drauf, Klebeband!
Neues Leben, neue Wohnung –
seht mich an, ich bin erwachsen, verdammt!

Ich lass vier Wände hinter mir,
nicht mein Herz, nicht meinen Verstand.

Denn Erinnerungen bleiben schließlich hier.

Oder?

Fuck.

Die passen nicht in Kartons.

Ganz unten liegt ein Fotoalbum.

Natürlich.

Warum auch nicht?

Der Tag lief bisher viel zu gut.

Ich setz mich zwischen meine Kisten,
schlag es auf 

und da bist du.

Du mit Whiskey auf meinem Sofa.
Ich mit den Beinen auf dir drauf.

Du küsst mich auf irgendeinem Bild,
auf dem nächsten lachen wir uns aus.

Da ist Weihnachten.

Der Baum hängt kopfüber.

Natürlich tut er das.

Und da sind wir in meiner Küche,
barfuß, besoffen, glücklich.

Scheiße.

Nur Fotos.

Papier.

Tinte.

Vergangenheit.

Kein Grund, jetzt sentimental zu werden.

Also hör auf damit.

Rein in die Kiste!
Deckel drauf!
Kleb den ganzen Scheiß einfach zu!

Ich brauch diese Bilder nicht zu sehen,
ich weiß auch so noch viel zu gut—

Nein!

Genau darum geht's doch!

Ich will nicht mehr wissen,
wie du morgens Kaffee trinkst,
wie du lachst, wie du mich ansiehst—

Fick dich!

Raus aus meinem Kopf!

Ich steh auf, pack weiter Sachen,
plötzlich fliegt mehr, als dass ich pack.

Eine Tasse knallt gegen den Karton.

Gut.

Die war sowieso hässlich.

War meine Lieblingstasse.

Scheißegal.

Ich zieh zu einem verdammt heißen Mann,
der mich liebt und bei sich haben will.

Das ist gut.

Das ist vernünftig.

Das ist Zukunft.

Also warum fühlt es sich an,
als würde ich vor einem Geist davonrennen,
der nicht mal hier ist?

Da.

Zufrieden?

Ich sag's.

Ich zieh aus, weil du noch hier bist.

In diesem Sofa.

In dieser Küche.

In jeder beschissenen Ecke.

Ich zieh aus,
weil ich morgens manchmal aufwache
und für eine halbe Sekunde glaube,
du stehst noch am Fenster.

Ich zieh aus,
weil ich dachte:

Neue Wohnung.

Neues Leben.

Neuer Mann.

Kein Ash.

Was für ein genialer Plan.

Nur ein winziges Problem:

Du wohnst nicht in meiner Wohnung, Arschloch!

Du wohnst in meinem verdammten Kopf!

Also rein in die Kisten,
alles zu, ich zieh hier aus!
Nehm die Kleider, nehm die Bilder,
nehm mein ganzes Chaos mit hinaus.

Ich kann die Schlüssel morgen abgeben,
kann die Tür für immer schließen.

Doch wenn ich ehrlich bin,
versuch ich nicht, diese Wohnung zu verlassen.

Ich versuch seit Monaten,
dich zu verlassen.

Und offenbar bin ich
beschissen schlecht darin!

Aber ich zieh trotzdem.

Hörst du?

Ich zieh trotzdem!

Vielleicht funktioniert es.

Vielleicht auch nicht.

Aber irgendwas muss sich ändern.

Und wenn du schon nicht
aus meinem Schädel verschwindest—

dann verschwinde wenigstens
ich von hier.

Das Album kommt mit.

...

Was?

Ich werf doch keine Fotos weg.

Bin ja nicht bescheuert.

„Erinnerungen.“

Nein.

Zu dramatisch.

„Diverses.“

Perfekt.

Fick dich, Ash.

Und hilf mir gefälligst nicht beim Tragen.

...

Als ob du hier wärst.

Scheiße.


drei Wochen waren doch nett - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Drei Wochen.

Drei.

Das ist beeindruckend.

Normalerweise dauert es länger,
bis jemand versucht, mich zu verbessern.

Du bist effizient.

Am Anfang war's doch ziemlich einfach:
Du warst hübsch, ich war offensichtlich ich.
Ein paar Drinks, ein paar lange Nächte,
keine Fragen nach dem Morgenlicht.

Keine Pläne, keine großen Worte,
keiner wollte irgendwas benennen.

Genau mein Niveau von Romantik:

Wir mussten uns nicht mal
besonders gut kennen.

Dann kam:

„Wo warst du gestern?“

„Warum hast du nicht geschrieben?“

Und mein persönlicher Favorit:

„Ash, musst du wirklich
schon wieder Whiskey trinken?“

Müssen?

Nein.

Aber jetzt will ich.

Du stellst mein Glas auf den Tisch.

Ich stell es wieder vor mich hin.

Du seufzt.

Ich trink.

Ich finde, unsere Kommunikation
funktioniert hervorragend.

Drei Wochen waren doch nett, Baby,
warum machen wir jetzt Arbeit daraus?
Ich wollte Nächte, keine Zukunft,
keine Zahnbürste in meinem Haus.

Du wolltest locker.

Hab ich auch gehört.

Jetzt klingt „locker“ verdächtig nach „wir“.

Und glaub mir:

Wenn ich Beziehung gewollt hätte,
hättest du's gemerkt.

Ich bin schwer zu übersehen.

Du sagst, ich trinke viel zu viel.

Interessant.

Mein Arzt trägt plötzlich schwarzes Haar
und diese verdammte lila Strähne.

Du fragst, ob mir irgendwas fehlt.

Nein.

Eis.

Im Glas.

Danke.

Du verschränkst die Arme,
ich kenn inzwischen diesen Blick.

Dieser Blick bedeutet:

Wir führen gleich ein Gespräch,
das ich nicht bestellt hab.

Kann man das zurückschicken?

Und plötzlich denk ich an Jinx.

Natürlich.

Perfektes Timing, Gehirn.

Die hätte mir den Whiskey weggenommen—

um selbst davon zu trinken.

Verdammt.

Drei Wochen waren doch nett, Baby,
bevor aus Spaß ein Stundenplan entstand.
Ich brauch niemanden, der mitzählt,
wie viele Gläser ich heute in der Hand hab.

Du sagst, du machst dir eben Sorgen.

Süß.

Wirklich.

Nur hab ich nie darum gebeten,
dass aus meinem Chaos
dein Projekt wird.

Mit Jinx war alles unkompliziert.

Nein.

Das ist objektiv gelogen.

Die Frau konnte aus einem Frühstück
einen internationalen Zwischenfall machen.

Sie war laut, absurd, unmöglich,
hat meine Shirts geklaut und nie zurückgebracht.

Einmal hat sie—

Egal.

Der Punkt ist:

Bei ihr musste ich nie erklären,
warum ich so bin.

Sie wollte mich nicht reparieren.

Ich sie auch nicht.

Wir waren zwei Katastrophen,
die erstaunlich gut nebeneinander funktionierten.

Bis wir's nicht mehr taten.

Du fragst:

„Denkst du gerade an sie?“

...

Beeindruckend.

Jetzt kannst du Gedanken lesen.

Das macht die Sache
bestimmt entspannter.

Nein.

Ich sag dir nicht,
dass ich mich gerade daran erinnere,
wie Jinx neben mir auf dem Sofa lag,

mein Glas nahm,

einen Schluck trank

und sagte:

„Billiger Whiskey, Ash.“

Sie hatte recht.

Meistens leider.

Scheiße.

Ich vermisse sogar ihre Beschwerden.

Das bleibt unter uns.

Drei Wochen waren doch nett, Baby,
und vielleicht lassen wir's dabei.
Du willst inzwischen etwas Festes.

Ich will morgen noch frei sein.

Das macht dich nicht falsch,
mich ganz sicher auch nicht.

Wir wollten nur offenbar
zwei verschiedene Arten von nichts.

Und bevor du fragst:

Nein, ich lauf nicht zurück zu Jinx.

Sie wohnt schließlich inzwischen
schon mietfrei in meinem Kopf.

Reicht vollkommen.

Du gehst.

Tür fällt zu.

Ruhe.

Endlich.

Ich heb mein Glas.

...

„Zu viel“, hm?

Ich seh auf die Flasche.

Dann aufs leere Sofa.

Jinx hätte wenigstens
besseren Whiskey mitgebracht.

Arrogant von mir?

Natürlich.

Irgendwer muss schließlich
meine Standards halten.

Noch zwei Tage - Jinx

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Kaffee.

Schwarze Küche.

Schwarze Schränke.

Schwarzer Marmor.

Eigentlich perfekt.

...

Warum sieht's dann aus wie ein Möbelkatalog?

Ich sitz barfuß auf dem Küchenstuhl,
mein Kaffee dampft, das Haus ist still.
Kein Glas vom gestern auf der Platte,
kein Shirt, das irgendwo liegen will.

Keine Krümel auf dem Boden,
keine Jacke überm Stuhl.

Alles hat hier seinen Platz.

Unheimlich.

Ich war schon hundertmal in dieser Küche,
kenn jede Tür und jeden Schrank.

Jetzt wohn ich hier.

Zumindest offiziell.

Komisch, dass sich „wohnen“
so wenig nach Zuhause anfühlen kann.

Vielleicht brauch ich einfach Zeit.

Oder mehr Dreck.

Ein umgekipptes Glas wär schon ein Anfang.

Ich könnte helfen.

Alles schön hier, alles richtig,
alles sauber, alles fein.
Meine Kisten sind längst ausgepackt –

also müsste ich doch angekommen sein.

Ich bin nicht traurig, Baby.

Nein.

Mir fehlt nur manchmal dieses Chaos,
bei dem ich nie darüber nachgedacht hab,
ob ich irgendwo reinpass.

Ich greif nach meinem Handy.

27.06.2026.

Hm.

Oh.

Noch zwei Tage.

Am neunundzwanzigsten wären's fünf Jahre.

Fünf.

Verdammte.

Jahre.

Okay, technisch gesehen nicht.

Jahrestage nach Trennungen
sind vermutlich ungültig.

Gibt bestimmt Regeln dafür.

Und plötzlich seh ich wieder
dieses alte Friedhofstor.

Mitternacht.

Vollmond.

Und mich.

Natürlich auf der falschen Seite
des Gesetzes.

Ein Bein schon auf dem Eisen,
Rock irgendwo viel zu hoch gerutscht.

Und hinter mir diese tiefe Stimme:

„Der Teufel holt dich,
wenn du da einbrichst.“

Ich dachte:

Was für ein arrogantes Arschloch.

War sofort sympathisch.

Noch zwei Tage bis zu etwas,
das es längst nicht mehr gibt.
Kein Grund für große Gefühle –

nur lustig, was im Kopf so liegen blieb.

Du standst da unter diesem Vollmond,
als wär der Friedhof dein Revier.

Und ich sagte:

„Wenn der Teufel mich holen will,
muss er erstmal schneller klettern als ich.“

Du hast gelacht.

Und bist mir hinterher.

Du hättest mich aufhalten können.

Vernünftig wär das wohl gewesen.

Stattdessen standst du zehn Sekunden später
selbst oben auf diesem Tor.

„Wenn wir erwischt werden, war's deine Idee.“

Natürlich.

Feigling.

Wir liefen zwischen alten Gräbern,
teilten Whiskey auf irgendeiner Bank.

Erzählten uns beschissene Geschichten
über Leute, die seit hundert Jahren tot waren.

Und irgendwann wurde aus:

„Wer zum Teufel bist du eigentlich?“

ein Wir.

Schon ziemlich kitschig.

Zum Glück war ein Friedhof dabei.

Fünf Jahre.

Fast.

Ich frag mich manchmal,
ob du das Datum noch weißt.

Nein.

Eigentlich frag ich mich das nicht.

...

Okay.

Ein bisschen.

Nicht weil ich zurückwill.

Nicht weil ich hier unglücklich bin.

Es ist nur

Manche Erinnerungen
passen verdammt gut zu einem.

Und wenn man sie lange genug hatte,
merkt man erst beim Weggehen,
wie viel Platz sie eingenommen haben.

Scheiße.

Zu philosophisch vor dem zweiten Kaffee.

Noch zwei Tage bis zu etwas,
das einmal uns gehört hat.

Fünf Jahre seit zwei Idioten
nachts über dieses Friedhofstor geklettert sind.

Heute sitz ich in 'ner perfekten Küche,
du bist irgendwo und ich bin hier.

Und nein 

ich wünsch mir damals nicht zurück.

Ich lächle nur gern darüber.

Denn vielleicht war nicht alles für immer.

Vielleicht musste es das auch nie sein.

Aber für eine verdammt gute Weile
warst du mein Lieblingsmensch
für schlechte Ideen.

Ich seh mich nochmal um.

Alles sauber.

Alles ordentlich.

Alles an seinem Platz.

Nein.

So geht das nicht.

Ich lass die Kaffeetasse auf der Arbeitsplatte stehen.

Absichtlich.

Rebellion.

Klein anfangen.

Und Ash?

Falls du den 29. noch weißt...

Bild dir bloß nichts drauf ein.

Ich weiß ihn schließlich auch.

Arschloch.


Keine Versprechen - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

 

  1. Juni.

Natürlich weiß ich, welcher Tag ist.

Fünf Jahre.

Wären es gewesen.

Bedeutet nichts.

Deshalb ist heute vermutlich
auch ein hervorragender Abend,
um nicht allein zu sein.

Und jetzt stehst du wieder vor meiner Tür,
schwarzes Haar, lila Strähne, hübsches Gesicht.
Ich könnte vernünftig sein und dich wegschicken.

Könnte ich.

Mach ich nicht.

Komm rein, Baby,
aber hör diesmal verdammt genau hin.

Ich will deine Nächte,
deine Haut in meinem Bett,
deine Schuhe morgens auf meinem Boden –

mehr nicht.

Kein Wir.

Kein irgendwann.

Kein verdammtes Happy End.

Ich weiß längst, was du für mich fühlst.

Ich bin arrogant, Baby,
nicht bescheuert.

Also mach aus meiner offenen Tür
bloß kein Versprechen.

Wenn du bleibst, dann kenn die Regeln,
ich versprech dir keinen Scheiß.
Keine Liebe, keine Zukunft,
nur zwei Körper gegen Einsamkeit.

Kein „für immer“, kein „vielleicht“,
keine Hoffnung auf ein Wir.

Wenn dir das zu wenig ist –

die Tür ist direkt hinter dir.

Noch stehst du da.

Natürlich.

Und Regel Nummer zwei ist einfach:

Finger weg von meinem Whiskey.

Nicht von der Flasche.

Bedien dich ruhig.

Ich meine dieses besorgte Gesicht,
sobald mein Glas zum dritten Mal voll ist.

Ich weiß, wie viel ich trinke.

Meistens jedenfalls.

Und ich brauch ganz sicher niemanden,
der aus meinem Abend eine Intervention macht.

Du kannst meine schlechte Entscheidung sein.

Sehr gern sogar.

Aber nicht mein Gewissen.

Das ist eine beschissene Position
mit miserabler Bezahlung.

Ich werd mich nicht für dich ändern.

Werd morgens nicht plötzlich romantisch.

Und nur weil ich dich nachts näher ziehe,
heißt das nicht,
dass du mir morgens gehörst.

Hart?

Vielleicht.

Unklar?

Ganz sicher nicht.

Wenn du bleibst, dann kenn die Regeln,
keine Märchen in mein Bett.
Keine Liebe zwischen Whiskey,
schwarzen Laken und Zigaretten.

Du kannst mich wollen –
verständlich.

Ich seh schließlich jeden Morgen
denselben Mann im Spiegel.

Aber erwarte nicht mein Herz.

Das Ding hat heute geschlossen.

  1. Juni.

Da ist dieses Datum wieder.

Und plötzlich schwarzes Eisen,
alter Stein und kaltes Mondlicht.

Ein Mädchen halb auf einem Friedhofstor,
Rock zu kurz, Grinsen viel zu breit.

Ich hätte sie aufhalten sollen.

Stattdessen hab ich ihr erzählt,
der Teufel würde sie holen.

Zehn Sekunden später
bin ich selbst über das Tor geklettert.

Fünf Jahre.

Fast.

Verdammte Scheiße.

Jetzt weiß ich wenigstens,
warum ich dich heute reingelassen hab.

[Male Bridge – low, restrained]

Nicht wegen Liebe.

Nicht wegen Hoffnung.

Nicht weil ich plötzlich glaube,
aus uns könnte irgendwas werden.

Ich wollte nur nicht hier sitzen,

allein,

mit einer Flasche

und genug Ruhe,
um mich zu fragen,

ob Jinx heute auch daran denkt.

Tut sie nicht.

Bestimmt nicht.

Hat wahrscheinlich Besseres zu tun.

Sollte sie zumindest.

Also heute keine Stille.

Keine Erinnerungen.

Keine Gefühle.

Nur meine Regeln.

Und du kannst jederzeit gehen.

Wenn du bleibst, dann kenn die Regeln,
ich mach sie dir ein letztes Mal klar.
Keine Liebe, keine Zukunft,
kein gemeinsames nächstes Jahr.

Keine Fragen nach Gefühlen,
keine Hand an meinem Glas.

Willst du mehr als meine Nächte,

Baby,

dann bist du hier falsch.

Ich zwing dich nicht zu bleiben.

Hab ich nie.

Und trotzdem fällt hinter dir
gerade meine Haustür ins Schloss.

Von innen.

Na also.

Später wird die Wohnung nicht leer sein.

Das Bett auch nicht.

Und ich werde nicht
auf die Uhr sehen.

Nicht an fünf Jahre denken.

Nicht an einen Friedhof.

Nicht an Vollmond.

Nicht an Jinx.

Zumindest nicht die ganze Nacht.

Keine Versprechen, Baby.

Hab ich doch gesagt.

Nur ein kleiner Ausflug - Jinx 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

22 Uhr.

Er schläft schon.

An einem Samstag.

Das ist entweder beneidenswert gesund
oder erschreckend langweilig.

Okay, Jinx.

Sei nett.

Ich steh barfuß vor dem Kleiderschrank,
zieh das schwarze Kleid heraus.
Das, bei dem er immer findet:

„Ein bisschen länger sähe eleganter aus.“

Deshalb genau das.

Viel zu kurz,
viel zu schwarz,
viel zu ich.

Stiefel an.

Gin geschnappt.

Tür ganz leise hinter mir zu.

Ich geh nur kurz spazieren.

Mit Alkohol.

Nachts.

Im Minikleid.

Völlig normales Erwachsenenverhalten.

Ich weiß längst, wohin ich laufe.

Tu aber noch fünf Minuten so,
als wär's spontan.

Man muss sich schließlich
ein bisschen Würde bewahren.

Nur ein kleiner Ausflug, Baby,
nur ein bisschen Nacht für mich.
Keine Flucht und keine Krise,

und ganz bestimmt nicht wegen dir.

Ich will nur wieder etwas fühlen,
das nicht vorher abgesprochen war.

Will einmal tun, was mir gefällt,
ohne zu hören:

„Ich fänd's anders besser.“

Scheiße.

Das saß.

Die Straßen werden langsam leerer,
der Gin schlägt gegen meinen Oberschenkel.
Und mit jedem Schritt wird's leichter,
mich an all den Unsinn zu erinnern.

Ash und ich um drei Uhr morgens:

„Was wäre, wenn wir jetzt“

Mehr brauchten wir meistens nicht.

Die Hälfte unserer besten Ideen
hätte vermutlich mit einer Geldstrafe geendet.

Die andere Hälfte

Okay.

Auch.

Aber wir haben gelacht.

Gott, haben wir gelacht.

So dieses hässliche, echte Lachen,
bei dem keine Sau mehr attraktiv aussieht.

Das fehlt mir.

Nicht er.

Das Lachen.

Nicht Ash.

Das Gefühl.

Nicht

Ach, fick dich doch.

Wen versuch ich hier eigentlich zu überzeugen?

Nur ein kleiner Ausflug, Baby,
nur zurück zu einem alten Ort.
Wo mir keiner meine Sätze glättet,
keiner sagt, was besser zu mir passt.

Ash hat nie mein Kleid verlängert,
nie entschieden, was ich brauch.

Wenn ich irgendeinen Schwachsinn wollte,
sagte er höchstens:

„Warte. Ich komm auch.“

Verdammtes Arschloch.

Warum klingt das heute
so beschissen schön?

Dann steht es vor mir.

Altes Eisen.

Hohe Spitzen.

Der Friedhof dahinter schwarz und still.

Hallo, alter Freund.

Fünf Jahre zuvor hing ich genau hier
mit einem Bein über diesem Tor.

Und irgendein arrogantes Arschloch
stand plötzlich hinter mir.

„Der Teufel holt dich.“

Ja, Ash.

Hat hervorragend funktioniert.

Ich stell den Fuß ins alte Eisen,
zieh mich hoch wie damals.

Das Kleid rutscht viel zu weit.

Tradition muss gepflegt werden.

Oben bleib ich einen Moment sitzen.

Und verdammt

ich wünschte plötzlich,
ich würde deine Stimme hinter mir hören.

Aber da ist nichts.

Nur Nacht.

Nur ich.

Und eine Flasche Gin.

Ich spring auf die andere Seite.

Kenn den Weg noch.

Links an den alten Engeln vorbei,
durch die schmale Reihe,

bis zu dieser Bank.

Unserer Bank.

Nein.

Nicht unserer.

Eine Bank gehört niemandem.

Halt die Klappe.

Ich setz mich.

Genau hier hast du mich
zum ersten Mal geküsst.

Oder ich dich.

Darüber haben wir fünf Jahre gestritten.

Scheiße.

Es war wohl doch kein kleiner Ausflug, Baby.

Na schön.

Erwischt.

Ich sitz auf einer kalten Bank
und trink auf etwas, das nicht mehr existiert.

Auf fünf Jahre, die es niemals wurden.

Auf zwei Idioten hinter diesem Tor.

Auf jeden völlig kranken Einfall,

auf jedes:

„Komm, wir machen's einfach.“

Und auf den einzigen Mann,
bei dem ich niemals kleiner werden musste,
damit neben mir noch Platz für ihn war.

Fuck.

Das tut weh.

Ich nehm einen Schluck Gin.

Dann noch einen.

Happy Anniversary, Ash.

Nein.

Das ist bescheuert.

Wir haben keinen Jahrestag mehr.

...

Trotzdem.

Auf uns.

Auf das, was wir waren.

Und auf die beschissene Tatsache,
dass ich dich offenbar
immer noch nicht vergessen hab.

Arschloch.


Vor Mitternacht - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Kurz nach elf.

Scheiße.

Nein.

Nicht wegen des Datums.

Ich hab nur noch was vor.

Eben lag noch jemand auf meinem Sofa,
Lippen an meinem Hals,
Finger schon an meinem Hemd.

Eigentlich ein ziemlich guter Abend.

Eigentlich.

Dann fällt mein Blick auf die Uhr.

Kurz nach elf.

Und plötzlich hab ich keine Lust mehr.

Nicht auf Küsse.
Nicht auf Hände.
Nicht auf Gesellschaft.

Also beende ich die Sache.

Kalt.

Schnell.

Effizient.

Ich hab noch was vor.

Mehr Erklärung gibt's nicht.

Zwei Minuten später
fliegen Schuhe über meinen Boden.

Jacke.

Tasche.

Wütender Blick.

Dann knallt meine Haustür.

Dramatisch.

Aber wenigstens deutlich.

Ich muss noch raus vor Mitternacht,
frag nicht wohin, geht niemanden was an.
Nur frische Luft und alter Whiskey,
nichts, worüber man reden kann.

Kein Grund, kein Plan, kein scheiß Gefühl,
ich fahr nur irgendwohin.

Und dass heute der neunundzwanzigste ist—

reiner Zufall.

Ganz bestimmt.

Noch nicht halb zwölf.

Reicht locker.

Ich knöpf mein Hemd wieder zu,
schwarze Jacke drüber.

Schlüssel.

Whiskey.

Zigaretten.

Mehr braucht ein Mann nicht.

Vor allem keiner,
der absolut nicht gerade
zu einem Friedhof fährt,

weil dort vor fünf Jahren
ein völlig wahnsinniges Mädchen
über ein Eisentor geklettert ist.

Das wäre nämlich erbärmlich.

Also nennen wir es Spaziergang.

Mit Whiskey.

Nachts.

Zum Friedhof.

Am neunundzwanzigsten Juni.

Okay.

Wenn man es so formuliert,
klingt es tatsächlich beschissen.

Ich muss noch raus vor Mitternacht,
nur ein Weg durch diese Stadt.
Kein verdammtes Jubiläum,
weil man ohne Beziehung keins mehr hat.

Fünf Jahre wären's heute gewesen.

Na und?

Ich kann mich eben erinnern.

Mehr ist das nicht.

Und falls ich schneller gehe

liegt das nur daran,
dass ich ungern Zeit verschwende.

Die Straßen werden langsam leerer.

Die Flasche offen in meiner Hand.

Und mit jedem verdammten Schritt
macht mein Kopf genau das,
was er nicht machen soll.

Altes Eisen.

Vollmond.

Grabsteine.

Diese Bank.

Und Jinx.

Natürlich.

Vielleicht hat sie den Tag vergessen.

Gut.

Soll sie.

Vielleicht liegt sie längst bei ihm.

Noch besser.

Vielleicht ist sie glücklich.

[Kurze Pause]

...

Darüber denken wir jetzt
besser nicht genauer nach.

Die Nacht läuft mir davon.

Wenn ich mich nicht vertrödel,
bin ich vor Mitternacht dort.

Nicht weil ich jemanden treffen will.

Nicht weil ich hoffe,
dass sie denselben bescheuerten Gedanken hatte.

Ich will einfach

Scheiße.

Mir fällt nicht mal mehr
eine gute Ausrede ein.

Trotzdem seh ich sie schon vor mir.

Auf dieser alten Bank.

Gin in der Hand.

Irgendein schwarzes Kleid,
viel zu kurz für einen Friedhof.

Als hätte sie jemals interessiert,
was irgendwo angemessen ist.

Vielleicht ist sie wirklich dort.

Vielleicht auch nicht.

Und selbstverständlich
ist mir beides vollkommen egal.

Deshalb beeile ich mich ja auch.

Logisch.

Verdammt.

Nicht mehr lange bis Mitternacht.

Schneller.

Ich bin nicht wegen dir hier draußen, Baby,
red dir bloß nichts darauf ein.
Ich wollte Whiskey, Nacht und Ruhe,
und zufällig muss es dieser Friedhof sein.

Kein Jahrestag, kein alter Funke,
kein Wunsch, dich wiederzusehen.

Doch wenn du heute dort nicht sitzt—

dann werd ich eben wieder gehen.

Ganz einfach.

Ist mir egal.

Vollkommen.

Also sei verdammt noch mal da.

Da vorne ist das Tor.

Noch ein paar Minuten.

Geschafft.

Natürlich.

Jetzt kletter ich da rüber.

Setz mich kurz auf die Bank.

Trink meinen Whiskey.

Mehr nicht.

Und wenn du da bist...

war's Zufall.

Wenn du nicht da bist...

...auch

Frohen fünften Jahrestag, Jinx.

Scheiße.

Das hab ich nicht gesagt.

Du bist spät - Jinx 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Noch ein Schluck.

Dann geh ich.

Wirklich.

Vielleicht zwei.

Gin verdunstet schließlich.

Irgendwie.

Ich sitz noch immer auf der alten Bank,
Beine hoch, Flasche in der Hand.
Hab gerade beschlossen, dass Nostalgie
eine ausgesprochen dumme Erfindung ist.

Da hör ich Schritte.

Langsam.

Schwer.

Vertraut genug,
dass mein Körper sie erkennt,
bevor mein Kopf es tut.

Ich seh hoch.

...

Oh.

Scheiße.

Ash.

Und natürlich siehst du gut aus.

Natürlich.

Wär ja auch zu viel verlangt,
wenn du nach all den Monaten
aussehen würdest wie ein überfahrener Waschbär.

Deine Haare sind kürzer.

Andere Jacke.

Anderes Hemd.

Irgendwie härter.

Erwachsener vielleicht.

Nein.

Das wäre jetzt wirklich übertrieben.

Du bist spät, Baby.

Mehr fällt mir nicht ein.

Fünf Monate ohne dich vor mir
und mein Gehirn stellt einfach den Betrieb ein.

Du grinst mich schief an.

Dieses verdammte Grinsen.

Und für ungefähr drei Sekunden
vergess ich atmen, denken, sprechen.

Sehr beeindruckend, Jinx.

Wirklich souverän.

Also heb ich nur den Gin und sag:

„Du bist spät.“

Gerettet.

Du setzt dich neben mich.

Nicht zu nah.

Nicht weit genug.

Dein Whiskey landet zwischen deinen Knien,
mein Gin bleibt sicher bei mir.

Wir sagen erstmal gar nichts.

Was irgendwie lustig ist.

Früher konnten wir beide
nicht mal fünf Sekunden die Fresse halten.

Jetzt sitzen wir hier wie zwei Idioten,
die plötzlich Manieren entdeckt haben.

Ich trink.

Du trinkst.

Ich schau geradeaus.

Du vermutlich auch.

Zumindest bis ich rübersehe.

Und du schon guckst.

Arschloch.

Ich halte deinen Blick.

Natürlich.

Wer zuerst wegschaut, verliert.

Das war nie offiziell eine Regel.

Ist es jetzt.

Eine Sekunde.

Zwei.

Drei.

Vier

Warum guckst du mich so an?

Nein.

Nicht antworten.

Bitte nicht antworten.

Du bist spät, Baby,
aber leider noch rechtzeitig.
Kurz vor Mitternacht auf unserer—

Auf dieser Bank.

Rein zufällig.

Offensichtlich.

Du mit Whiskey, ich mit Gin,
beide vollkommen unverdächtig hier.

Am neunundzwanzigsten Juni.

Gott, wir sind so beschissen im Lügen.

Und trotzdem sagt keiner:

„Ich hab gehofft, du wärst hier.“

Also trinken wir lieber.

Sehr erwachsen.

Ich schiel wieder zu dir rüber.

Nur wissenschaftlich.

Menschen verändern sich schließlich.

Muss dokumentiert werden.

Die Haare stehen dir.

Leider.

Die Jacke auch.

Noch leiderer.

Und dieses bisschen mehr Bart

Okay.

Genug Wissenschaft.

Ich nehm einen großen Schluck Gin.

Falsche Entscheidung.

Jetzt bist du immer noch attraktiv,
aber ich hab weniger Filter.

Fantastisch.

Und plötzlich erinner ich mich,
wie sich deine Hand in meiner anfühlte.

Wie du gelacht hast,
wenn meine Ideen besonders bescheuert waren.

Wie du nie gefragt hast:

„Musst du das wirklich machen?“

Sondern eher:

„Brauchen wir dafür Werkzeug?“

Scheiße, Ash.

Das hab ich vermisst.

Nicht nur dich.

Uns.

Dieses leichte.

Dieses dumme.

Dieses:

Die Welt hält uns für bekloppt,
aber wenigstens haben wir Spaß.

Dann seh ich dich wieder an.

Und diesmal schaust du nicht weg.

Ich auch nicht.

Deine Schulter fast an meiner.

Nur ein paar Zentimeter.

Lächerlich wenig.

Plötzlich fühlt sich diese Bank
viel zu klein an.

Mein Herz macht irgendeinen Scheiß.

Ignorieren.

Gin.

Sehr gutes Konzept.

Du hast dich verändert.

Ich übrigens auch.

Vielleicht ist genau das
das verdammte Problem.

Du bist spät, Baby,
aber ich bin noch hier.
Und vielleicht sagt das mehr über uns,
als gerade gut wäre für mich.

Du mit deinem schiefen Grinsen,
ich mit meinem viel zu kurzen Kleid.

Fünf Jahre nach unserem ersten Abend—

fast Mitternacht.

Fast vorbei.

Und wir sitzen wieder nebeneinander,
als hätte diese Bank nur gewartet.

Kein Streit.

Keine Antworten.

Kein „Was ist damals passiert?“

Nur Gin.

Whiskey.

Und zwei Blicke,
die eindeutig länger dauern,
als sie sollten.

Hör auf, so gut auszusehen.

Das ist manipulativ.

Mitternacht.

Na toll.

Jetzt wären es fünf Jahre.

Ich heb meinen Gin.

Du deinen Whiskey.

Keiner sagt, worauf.

Müssen wir auch nicht.

Ich seh dich an.

Du grinst wieder.

Und mein Gehirn

Ja.

Schon wieder weg.

Fick dich, Ash.

...

Schön, dich zu sehen.


Kleine Anmerkung hinter den Kulissen:
Ab diesem Song hat Suno sein Musikmodell geändert. Deshalb klingen Jinx und Ash stellenweise etwas anders als zuvor. Keine Sorge - es sind immer noch dieselben zwei Katastrophen. Nur Suno hat ihnen ungefragt ein kleines Stimm-Makeover verpasst. 😉


Fast wie früher - Ash 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Erst sitzen wir da wie zwei Fremde,
Whiskey bei mir, Gin bei dir.
Fünf Minuten später beleidigst du mein Hemd.

Na endlich.

Ich erklär dir sachlich,
dein Kleid sei kaum als Kleidung anerkannt.

Du grinst.
Ich grins zurück.

Und plötzlich streiten wir darüber,
wer damals zuerst wen geküsst hat.

Du liegst falsch.

Wie meistens.

Ja, Baby.

Genau das hab ich vermisst.

Ein Schluck Gin.
Ein Schluck Whiskey.
Noch ein dummer Kommentar.

Und neun Monate Abstand
sind plötzlich verdammt weit weg.

Fast wie früher, Baby,
nur dass keiner es so nennt.
Du lachst wieder über meinen Schwachsinn,
bis dein ganzes Gesicht brennt.

Ich ärger dich, du schlägst zurück,
und alles geht erschreckend leicht.

Scheiße.

Ich hatte fast vergessen,
wie gut sich dein Lachen mit meinem verträgt.

Fast wie früher.

Gefährlicher Satz.

Wir erfinden Geschichten über Grabsteine.

Natürlich tun wir das.

Der Typ dort war Geheimagent.
Die Frau daneben hat ihn vergiftet.

Du machst daraus eine Domina
mit drei Ehemännern.

Da ist sie wieder.

Meine

Nein.

Nicht meine.

Jinx.

Einfach Jinx.

Du klaust meinen Whiskey,
ich dafür deinen Gin.

Schmeckt nach Parfum
mit schlechten Entscheidungen.

Und wir lachen so laut,
dass selbst die Toten ihre Ruhe wollen.

Fast wie früher, Baby,
dieselbe Bank, derselbe Mist.
Als wär nie irgendwas passiert,
als hätten wir uns nie vermisst.

Kein vorsichtiges Kennenlernen,
kein Überlegen, was man sagen darf.

Nur du.
Nur ich.

Und dieser leichte Scheiß,
den ich bei niemand anderem mehr hatte.

Das war ehrlicher als geplant.

Irgendwann werden die Witze weniger.

Nicht unangenehm.

Das ist das Problem.

Unsere Schultern berühren sich.

Keiner rückt weg.

Dein Knie liegt an meinem.

Auch das bleibt.

Plötzlich hör ich deinen Atem,
das Klirren der Flaschen,
jedes kleine Geräusch.

Neun Monate.

Und mein Körper weiß noch immer,
wie nah du dich anfühlst.

Scheiße.

Dann siehst du mich an.

Nicht frech diesmal.

Meine Hand neben deiner.

Ein paar Zentimeter.

Dann weniger.

Dein Blick fällt auf meinen Mund.

Oh.

Schlechter Zug, Baby.

Weil ich dasselbe tue.

Ich beug mich zu dir.

Langsam.

Du weichst nicht zurück.

Dein Atem an meinen Lippen.

Fast.

Verdammt nah.

Keine anderen Frauen.

Kein anderer Mann.

Keine neun Monate.

Nur wir.

Dann weichst du zurück.

Natürlich.

Du stehst auf,
glättest dein viel zu kurzes Kleid.

Du musst nach Hause.

Nach Hause.

Ich nicke.

Kein Spruch.
Kein Drama.

Ich frag nicht, ob du bleiben willst.

Ich halt dich nicht fest.

Denn ich weiß,
wer dort auf dich wartet.

In diesem schwarzen, sauberen Haus.

Also geh.

Bevor ich doch noch etwas Dummes tue.

Fast wie früher, Baby,
aber eben nur fast.
Für ein paar Stunden warst du wieder hier,
bis die Wirklichkeit dazwischenpasst.

Wir haben gelacht wie zwei Idioten,
und beinahe hätte ich vergessen,
dass du inzwischen bei ihm bist.

Du gehörst ihm nicht.

Du gehörst niemandem.

Das wusste ich wenigstens immer.

Aber du gehst zu ihm.

Und verdammt

das reicht schon.

Ich seh dir nach,
bis du hinter dem Tor verschwindest.

Warte, bis du weit genug weg bist.

Dann fliegt die Whiskeyflasche
gegen die Friedhofsmauer.

Scheiße!

Neun verdammte Monate.

Andere Frauen.
Andere Nächte.
Andere Betten.

Und ein Abend mit dir reicht.

Dein Lachen.
Dein Knie an meinem.
Beinahe ein Kuss.

Und ich steh wieder hier
wie der letzte Idiot.

Er wartet auf dich.

Du gehst zu ihm.

Und ich hab dich nicht aufgehalten.

Sehr erwachsen.

Ich hasse es.

Neun Monate, Jinx.

Und ein paar Stunden reichen,
um mich daran zu erinnern,

warum keine von ihnen du war.

Fast wie früher.

Was für ein beschissener Witz.

Gute Nacht, Jinx.

...

Fick dich.

Und ihn gleich mit.

Im Regen sieht's keiner - Jinx

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Nicht umdrehen.

 

Einfach weitergehen.

 

Ganz normal.

 

Scheiße.

 

Ich hätte ihn gern geküsst.

 

Meine Schritte sind viel zu langsam,

der Friedhof längst hinter mir.

Und meine Lippen erinnern sich an etwas,

das überhaupt nicht passiert ist.

 

Noch ein Zentimeter.

 

Vielleicht zwei.

 

Dann wär's passiert.

 

Und verdammt, ich wollte es.

 

Aber ich hab einen Freund.

 

Und Jinx betrügt nicht.

 

Glückwunsch.

 

Moralisch einwandfrei.

 

Fühlt sich trotzdem beschissen an.

 

Dann zerreißt ein Blitz den Himmel.

 

Donner direkt hinterher.

 

Oh, komm schon.

 

Muss das so dramatisch sein?

 

Ja, ich hab's verstanden!

 

Sehr subtil!

 

Im Regen sieht's keiner, Baby,

also lass ihn ruhig runtergehen.

Mach mein Kleid schwer, ruinier mein Make-up,

hier ist sowieso niemand, der's sieht.

 

Vielleicht ist es Regen auf meinen Wangen.

 

Vielleicht auch nicht.

 

Und wenn der Allmächtige heute urteilt

 

stell dich hinten an.

 

Ich bin schon dabei.

Nach fünf Minuten bin ich klitschnass.

 

Haare im Gesicht,

Stiefel voller Wasser.

 

Sexy.

 

Wirklich.

 

Und trotzdem muss ich grinsen,

weil ich wieder an die Bank denke.

 

An Ashs beschissenes Hemd.

 

An seinen Whiskey.

 

An dieses schiefe Grinsen,

das offenbar immer noch problemlos

mein Gehirn ausschalten kann.

 

Wir haben gelacht.

 

Richtig gelacht.

 

Nicht höflich.

 

Nicht passend.

 

Nicht leise genug.

 

Einfach wir.

 

Gott, das hat gefehlt.

 

Im Regen sieht's keiner, Baby,

wenn das Grinsen plötzlich bricht.

Wenn aus „war doch nur ein schöner Abend“

etwas wird, das verdammt nach Vermissen klingt.

 

Ich hätte ihn fast geküsst.

 

Nein.

 

Falsch.

 

Ich hätte ihn geküsst.

 

Ich hab nur rechtzeitig aufgehört.

 

Das ist ein Unterschied.

 

Leider.

 

Mit jedem Schritt Richtung Zuhause

wird mein Magen etwas schwerer.

 

Denn dort wartet ein Mann auf mich,

der nichts hiervon verdient hat.

 

Nicht die Bank.

 

Nicht Ash.

 

Nicht diesen Fast-Kuss.

 

Und ganz sicher nicht die Tatsache,

dass ich gerade durch ein Gewitter laufe

und wegen meines Ex heule.

 

Fantastisch, Jinx.

 

Wirklich hervorragend gelöst.

 

Ich hasse Lügen.

 

Schon immer.

 

Lügen brauchen Planung.

 

Details.

 

Ein gutes Gedächtnis.

 

Viel zu anstrengend.

 

Aber die Wahrheit?

 

Die kann ich ihm nicht geben.

 

Das Haus kommt in Sicht.

 

Schwarz.

 

Modern.

 

Sauber.

 

Licht im Wohnzimmer.

 

Natürlich.

 

Vielleicht schläft er.

 

Bitte schlaf.

 

Bitte

 

Nein.

 

Da steht er.

 

Arme verschränkt.

 

Oh, Scheiße.

 

Ich öffne die Tür.

 

Wasser tropft von meinem Kleid

auf seinen perfekten Boden.

 

Und bevor mein Gewissen

mich noch aufhalten kann,

 

kommt die Geschichte einfach raus.

 

Einer Freundin ging's schlecht.

 

Sie brauchte mich.

 

Wir haben geredet.

 

Ich hab die Zeit vergessen.

 

Wow.

 

Ich hasse jedes einzelne Wort.

 

Im Regen sieht's keiner, Baby,

doch hier drinnen gibt's kein Versteck.

Draußen konnte ich noch ehrlich weinen,

hier lächle ich und lüge alles weg.

 

Ich sag, es tut mir leid.

 

Das stimmt sogar.

 

Nur leider nicht für das,

wofür er es gerade hält.

 

Ich hab Ash nicht geküsst.

 

Ich bin treu geblieben.

 

Also warum fühlt es sich an,

als hätte ich trotzdem etwas verraten?

 

Vielleicht weil meine Lippen nein gesagt haben

 

und der ganze Rest von mir

verdammte Scheiße ja.

 

Er holt mir ein Handtuch.

 

Ich steh da und friere.

 

Er glaubt mir.

 

Das ist irgendwie das Schlimmste daran.

 

Ich hätte Ash gern geküsst.

 

Hab ich aber nicht.

 

Darauf kann ich stolz sein.

 

Bestimmt.

 

Ich geh nach oben.

 

Zieh mein nasses Kleid aus.

 

Und denke schon wieder

an dieses verdammte schiefe Grinsen.

 

Neun Monate.

 

Und ein Abend.

 

Mehr hat's nicht gebraucht.

 

Scheiße.


Dein Zuhause - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Tür zu.

Jacke weg.

Whiskey.

 

Was für ein beschissener Abend.

...

Nein.

War er nicht.

Das ist ja das Problem.

 

Der erste Stuhl kann nichts dafür.

Weiß ich.

Fliegt trotzdem um.

Der Tisch steht im Weg.

Jetzt nicht mehr.

Ein Glas zerbricht an der Wand,
und erstaunlicherweise
geht's mir kein Stück besser.

Interessant.

Ich dachte, dafür wär Gewalt gegen Möbel da.

 

Wieder was gelernt.

Denn ich seh immer noch diese Bank.

Dein Knie an meinem.

Deine Augen auf meinem Mund.

Und dann diese vier Worte:

Du musst nach Hause.

 

Ja.

Zu ihm.

 

Also tritt der nächste Stuhl
seinen Dienst als unschuldiges Opfer an.

Besser er als—

 

Lassen wir das.

Ich bin schließlich vernünftig.

Offensichtlich.

 

Ich würd ihm gern eine reinhauen,
nur einmal mitten ins perfekte Gesicht.
Nicht weil ich eifersüchtig wäre—

Baby, so erbärmlich bin ich nicht.

Nur weil er jetzt dort auf dich wartet,
wo ich verdammt noch mal nicht mehr bin.

Weil du „nach Hause“ sagst
und dabei sein Haus meinst.

 

Das ist alles.

Kein Gefühl.

Nur ein kleiner sprachlicher Einwand.

 

Das Sofakissen fliegt.

Unbefriedigend.

Die Lampe macht mehr Eindruck.

Scheiße.

Die war teuer.

Na ja.

Jetzt ist sie moderner.

Minimalistisch.

In ungefähr zwölf Einzelteilen.

Ich öffne den Whiskey.

Kein Glas mehr nötig.

Effizienz.

Und leider bist du immer noch da.

Nicht wirklich.

Das wär einfacher.

Nur dein Lachen in meinem Kopf.

Dein Gin auf deinen Lippen.

Dieser eine verdammte Moment,
in dem du nicht zurückgewichen bist.

Fast.

Fast hätte ich dich geküsst.

Fast hättest du mich gelassen.

 

Nein.

Du hättest mich gelassen.

Du hast nur rechtzeitig aufgehört.

 

Ich würd ihm gern eine reinhauen,
für jedes Mal, das er dich jetzt berührt.
Für jeden Morgen neben dir,
den dieser schöne Bastard kassiert.

Nicht weil ich dich zurückwill.

 

Scheiße.

Schlechter Satz.

Streichen.

Ich bin nur angepisst,
weil neun Monate offenbar nicht reichen,
wenn du mich einmal so ansiehst.

Mehr nicht.

 

Jetzt sieht mein Wohnzimmer aus,
wie mein Abend sich anfühlt.

Sofa schief.

Glas am Boden.

Stuhl umgekippt.

Lampe tot.

 

Eigentlich ziemlich stimmig.

Ich sollte aufhören.

Tu ich auch.

Für ungefähr zehn Sekunden.

Dann seh ich vor mir,
wie du durch seine Haustür gehst.

Klitschnass vielleicht.

Dieses kurze Kleid.

Und er darf fragen, wo du warst.

Er darf dir ein Handtuch geben.

Er darf neben dir einschlafen.

 

Und ich

 

Ich hab dich gehen lassen.

 

Weil ich dich nicht festhalte.

Hab ich nie.

Du wolltest gehen.

Also bist du gegangen.

So funktioniert das.

Ganz einfach.

Sehr vernünftig.

Sehr erwachsen.

 

Sehr beschissen.

Neun Monate lang
hab ich andere Frauen geküsst,
andere Namen vergessen,
andere Körper neben mir gehabt.

Hat funktioniert.

Meistens.

Dann sitzt du eine Nacht neben mir,
lachst über denselben alten Mist,

und plötzlich

 

Nein.

Vergiss es.

 

Wo ist noch irgendwas,
das nicht schon kaputt ist?

 

Ich würd ihm gern eine reinhauen,
aber eigentlich kann er nichts dafür.

Er hat dich mir nicht weggenommen.

 

Scheiße.

Ich weiß.

Du warst nie etwas,
das irgendjemand nehmen konnte.

Du hast ihn gewählt.

Und heute Nacht

bist du wieder zu ihm gegangen.

Das ist schlimmer.

Viel schlimmer.

Denn gegen einen Dieb
könnte ich wenigstens kämpfen.

Aber gegen deine Entscheidung?

 

Da wird's schwierig, Baby.

[Male Outro – gesprochen]

Ich steh mitten im Wohnzimmer.

Sieht aus wie Krieg.

 

Bisschen übertrieben.

War vermutlich die Lampe.

Whiskey?

Fast leer.

Hände?

Tun weh.

Herz?

Funktioniert.

Leider.

Ich räum morgen auf.

Oder kauf neue Möbel.

Ist mir scheißegal.

Du bist jetzt bei ihm.

...

Und ich bin nicht traurig.

Nur damit das klar ist.

[Pause]

Ich bin stinksauer.

Das ist was völlig anderes.

Völlig.

...

Scheiße, Jinx.

Ich denk drüber nach - Jinx

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Electro

Lyrics

Eine Woche.

Sieben Tage.

Und ich denke überhaupt nicht mehr daran.

...

Also nicht ständig.

Nur morgens.

Und abends.

Und manchmal dazwischen.

 

Ich hätte dich geküsst.

Das ist inzwischen leider
wissenschaftlich ausreichend belegt.

Noch eine Sekunde länger,
noch ein bisschen weniger Gewissen,

und ich hätte vergessen,
dass irgendwo jemand auf mich wartet.

Aber ich bin gegangen.

Richtige Entscheidung.

Haken dran.

Erledigt.

 

Warum zum Teufel
denke ich dann noch an deinen Mund?

Ich schau zur Seite.

Da sitzt er.

Mein Freund.

Sieht mich an
und lächelt.

Dieses ruhige Lächeln.

Und Scheiße

er ahnt was.

Ich weiß es.

Er weiß, dass ich weiß,
dass er was ahnt.

Sehr erwachsen, was wir hier machen.

 

Also lächle ich zurück.

Er fragt nichts.

Ich sage nichts.

Und zwischen uns sitzt eine Wahrheit,
die verdammt viel Platz braucht.

 

Ich denk drüber nach, Baby,
mehr kann ich gerade nicht versprechen.

Nicht ja.

Nicht nein.

Nur dieses beschissene Dazwischen,
in dem ich seit einer Woche stecke.

Du lächelst mich an,
als wär noch alles leicht.

Und ich lächle zurück,
als wär in meinem Kopf nicht immer noch

fast ein Kuss passiert.

Fast.

Verdammt gefährliches Wort.

 

Dann sagst du plötzlich:

Urlaub.

Nur wir beide.

Irgendwo weit weg.

Abgelegen.

Ruhe.

Keine Stadt.

Keine Termine.

Keine anderen Leute.

 

Keine Friedhöfe vermutlich auch.

Perfekt.

Romantisch.

Ganz genau das,
worüber jede Frau sich freuen sollte.

Mein Gehirn dagegen schreit:

Ausrede!

Sofort!

Irgendeine!

Arbeit?

Nein.

Familie?

Noch schlechter.

Ich muss meine

 

Was?

Pflanzen gießen?

Ich besitze nicht mal welche.

Scheiße.

 

Ich denk drüber nach, Baby,
weil mir kein vernünftiges Nein einfällt.

Und vielleicht such ich gerade eins,
obwohl ich eigentlich Ja sagen sollte.

Nur du und ich.

Ein paar Tage verschwinden.

Vielleicht wär das sogar gut.

Vielleicht würde ich dort endlich aufhören,
an einen Mann zu denken,

den ich nicht geküsst habe.

 

Obwohl ich wollte.

 

Du erzählst von irgendeinem Haus.

Wald.

Ruhe.

Vielleicht ein See.

Ich hör dir zu.

Wirklich.

Zumindest meistens.

Doch dann seh ich wieder
eine Friedhofsbank.

Whiskey.

Dieses schiefe Grinsen.

Ash, wie er näher kommt.

Mich, wie ich nicht zurückweiche.

Bis ich es doch tue.

[Pause]

Und plötzlich hasse ich mich ein bisschen dafür,
dass ein Teil von mir wissen will,

wie sich die nächste Sekunde
angefühlt hätte.

Ich sehe wieder zu dir.

Du lächelst nicht mehr ganz so sehr.

Da ist sie wieder.

Diese Frage in deinem Gesicht.

Du stellst sie trotzdem nicht.

Danke.

Oder fick dich.

Ich weiß gerade selbst nicht, was davon.

 

Vielleicht sollten wir wegfahren.

Vielleicht brauchen wir Zeit.

Vielleicht braucht es ein fremdes Bett,
einen fremden Himmel,

ein paar hundert Kilometer Abstand
zwischen mir und dieser verdammten Bank.

Vielleicht sitze ich dann morgens neben dir
und denke endlich wieder nur an dich.

 

Und vielleicht ist genau dieser Gedanke
das größte Problem daran.

Denn wenn ich mit dir wegfahren muss,
um einen anderen Mann zu vergessen—

Scheiße.

Nein.

Den Satz beenden wir nicht.

 

Ich denk drüber nach, Baby.

Das sag ich schließlich laut.

Du nickst nur langsam,
als hättest du mit mehr gerechnet.

Vielleicht mit Freude.

Vielleicht mit einem Ja.

Vielleicht nur damit,
dass deine Freundin nicht aussieht,

als hätte man ihr gerade
eine verdammt schwere Frage gestellt.

Dabei ist es doch nur Urlaub.

Nur du und ich.

Ein bisschen Ruhe.

Ein bisschen Abstand.

Ein bisschen Zeit, um herauszufinden,

warum ich vor einer Woche
den richtigen Mann nicht betrogen habe—

und mich trotzdem frage,
wie es gewesen wäre.

„Ich denk drüber nach.“

Mehr krieg ich nicht raus.

Du sagst, das reicht erstmal.

Nein.

Tut es nicht.

Das wissen wir beide.

Aber wir lächeln trotzdem.

Natürlich.

Wir sind inzwischen richtig gut darin,
Dinge nicht auszusprechen.

Kommt mir irgendwie bekannt vor.

...

Scheiße.


Nicht wegen dir - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Eine Woche.

Sieben beschissene Tage.

Mir geht's hervorragend.

Falls jemand fragt.

 

Ich schlafe wenig,
trinke etwas mehr als sonst.

Also praktisch gar keine Veränderung.

Das Wohnzimmer ist wieder halbwegs heil,
die neue Lampe steht sogar gerade.

Ich weniger.

Aber das sieht keiner.

Und immer wenn ich die Augen schließe,
sitzt du wieder neben mir.

Dein Knie an meinem.
Dein Blick auf meinem Mund.

Fast.

Dieses verdammte Fast
verfolgt mich inzwischen zuverlässiger
als jede Frau, die ich je loswerden wollte.

Ich vermisse dich nicht.

Ich komm nur gerade
ungewöhnlich schlecht ohne dich zurecht.

Völlig anderer Sachverhalt.

 

Also zieh ich meine Jacke an.

Nicht weil ich zu dir will.

Wir müssen nur reden.

Erwachsene Menschen machen sowas.

Hab ich gehört.

 

Ich geh nicht wegen dir, Baby,
ich hab nur ein paar Dinge zu klären.

Warum du noch in meinem Kopf wohnst,
obwohl ich dir längst gekündigt hab.

Warum neun Monate nichts ändern
und eine Nacht alles wieder aufreißt.

Ich will dich nicht zurück.

Ich will nur wissen—

Scheiße.

Vielleicht sollte ich diesen Satz
vor deiner Haustür fertigdenken.

 

Dein Haus sieht genauso aus,
wie ich es in Erinnerung hatte.

Schwarz. Modern. Perfekt.

Ich hasse es.

Rein objektiv natürlich.

Ich lauf einmal am Tor vorbei.

Dann zurück.

Dann wieder vorbei.

Sehr souverän, Ash.

Vielleicht klingel ich.

Vielleicht auch nicht.

Ich brauch nur den richtigen Moment.

Seit ungefähr zwanzig Minuten.

Dann geht die Tür auf.

Und natürlich bist es nicht du.

Er.

Der Mann, zu dem du
vor einer Woche zurückgegangen bist.

Na wunderbar.

 

Ich bin nicht wegen ihm hier, Baby,
und ganz sicher nicht aus Eifersucht.

Ich wollte mit dir reden,
nicht seinen verdammten Blick ertragen.

Er steht da vor deinem Haus,
als würde allein das irgendwas bedeuten.

Ruhig bleiben.

Einfach lächeln.

Ich kann sehr freundlich sein.

Theoretisch.

 

Er fragt, was ich hier will.

Ganz normale Frage.

Trotzdem gefällt mir sein Ton nicht.

Ich sag, ich will mit Jinx reden.

Er sagt, das wäre keine gute Idee.

Interessant.

Seit wann entscheidet er das?

Ich frage, ob du das auch so siehst.

Darauf hat er keine Antwort.

Nur diesen Blick.

Diesen ruhigen, sicheren Blick,
der mir sagt, dass er längst etwas ahnt.

Vom Friedhof.

Von dir.

Von mir.

Von diesem Fast.

Und plötzlich steht er
einen Schritt näher.

Oder ich.

Details.

 

Ein falscher Satz.

Mehr braucht es nicht.

Meine Hand hat seinen Kragen,
bevor mein Verstand abstimmen darf.

Jetzt ist sein perfektes Hemd
nicht mehr ganz so perfekt.

Wenigstens etwas.

Er sieht mich an.

Ich seh ihn an.

Und Gott

ich würde ihm so verdammt gern
eine reinhauen.

Nur einmal.

Für sein Haus.

Für sein Bett.

Für jeden Morgen mit dir.

Für die Tatsache,
dass ich vor deiner Tür stehe

und er dahinter leben darf.

Meine Faust spannt sich an.

Dann seh ich plötzlich dich vor mir.

Nicht hier.

Nur in meinem Kopf.

Deinen Blick, wenn du erfahren würdest,
dass ich ihn deinetwegen geschlagen hab.

Scheiße.

Ich lasse los.

 

Nicht wegen dir, Baby.

Natürlich nicht wegen dir.

Ich steh nur nachts vor deinem Haus,
pack deinen Freund am Kragen

und muss mich daran erinnern,
dass du mich dafür hassen könntest.

Alles völlig normal.

Alles unter Kontrolle.

Ich wollte nur mit dir reden.

Nur einmal ehrlich sein.

Dir sagen, dass diese neun Monate—

Nein.

Vergiss es.

Er kann dir ausrichten,
dass ich hier war.

Oder besser nicht.

Ist mir egal.

 

Ich geh.

Nicht ruhig.

Aber ich geh.

Hinter mir bleibt dein Haus.

Er bleibt auch.

Leider.

Meine Hände zittern ein bisschen.

Adrenalin.

Offensichtlich.

Hat nichts damit zu tun,
dass ich dich nicht gesehen hab.

Ich wollte reden.

Mehr nicht.

Vielleicht sagen,
dass ich seit einer Woche kaum schlafe.

Dass ich jede Nacht wieder
auf dieser verdammten Bank sitze.

Dass ich mich frage,
ob du den Kuss auch wolltest.

Dass ich

Nein.

Das hätte ich natürlich alles nicht gesagt.

Ich bin ja nicht bescheuert.

Ich steck die Hände in die Taschen
und lauf schneller.

Bloß weg von deinem Haus.

Bloß weg von ihm.

Bloß nicht stehen bleiben.

Denn wenn ich stehen bleibe,
müsste ich mir vielleicht eingestehen,

dass ich gerade nicht wütend bin.

Nicht wirklich.

 

Scheiße.

Wut war einfacher.

Ich hab nichts gemacht - Jinx

Gothic Rock, Industrial, Dark Electro

Lyrics

Okay.

Bevor wir anfangen:

Ich hab nichts gemacht.

Das ist diesmal sogar wahr.

Was irgendwie praktisch wäre,
wenn du mir glauben würdest.

 

Du wartest im Wohnzimmer.

Arme verschränkt.

Schon wieder.

Langsam wird das wirklich
deine Lieblingsposition.

Ich komm rein,
seh dein Gesicht
und weiß sofort:

Ah.

Scheiße.

Du sagst, Ash war hier.

Ich sage:

Interessant.

Du sagst, er wollte mich sehen.

Ich sage:

Noch interessanter.

Du sagst, du hast mit ihm geredet.

Und ich frage mich kurz,
ob ein spontaner Stromausfall
nicht langsam angemessen wäre.

 

Dann erzählst du vom Kragen.

Von seiner Hand an deinem Hemd.

Davon, dass er beinahe—

Ja.

Das klingt nach Ash.

Leider.

Sehr nach Ash.

 

Aber ich hab nichts gemacht, Baby,
ich war nicht mal dabei.

Ich kann schlecht verantwortlich sein
für Männer vor unserer Haustür.

Vielleicht hatte er Fragen.

Vielleicht war er betrunken.

Vielleicht hat er sich verlaufen.

Ja, ich weiß, wo er wohnt.

War nur ein Vorschlag.

Du siehst mich an,
als wär ich komplett bescheuert.

Unhöflich.

Ich geb mir hier wirklich Mühe.

 

Ich frag, was genau passiert ist.

Du sagst, er wollte mich sprechen.

Nur mich.

Aha.

Keine Ahnung, warum.

Vielleicht hatte er Langeweile.

Vielleicht vermisst er meine
außergewöhnlich angenehme Gesellschaft.

Du findest das nicht lustig.

Schade.

Dann erzählst du vom Kragen.

Dass er dich gepackt hat.

Dass du dachtest,
er schlägt gleich zu.

Aber er hat losgelassen.

Ich atme aus.

Ein bisschen zu erleichtert vielleicht.

Du bemerkst es.

Natürlich bemerkst du es.

Scheiße.

 

Ich hab nichts gemacht, Baby,
ich war nicht mal dabei.

Ich kann schlecht verantwortlich sein
für Ash vor unserer Haustür.

Ich hab ihn nicht eingeladen.

Nicht angerufen.

Nicht herbestellt.

Ich wusste nicht mal,
dass er kommen würde.

Alles wahr.

Siehst du?

Heute bin ich praktisch
die verdammte Ehrlichkeit in Person.

Nur dass Wahrheit ziemlich praktisch ist,
wenn man die wichtigen Teile weglässt.

Den letzten Satz
behalte ich lieber für mich.

 

Du fragst, wann ich Ash
zuletzt gesehen habe.

Oh.

Andere Frage vielleicht?

Nein?

Okay.

Ich zucke mit den Schultern.

Irgendwann.

Du kennst die Stadt.

Man läuft sich über den Weg.

Passiert.

Du fragst:

Wann?

Vor einer Woche.

Verdammt.

Das kam zu schnell.

Jetzt ist dieser Blick wieder da.

Wo?

Draußen.

Was heißt draußen?

Na draußen eben.

Luft. Himmel. Straßen.

Das übliche Zeug.

Wir haben geredet.

Mehr nicht.

Das ist nicht mal gelogen.

Nur sehr kreativ unvollständig.

Du fragst, warum ich dir
nichts davon erzählt habe.

Weil es unwichtig war.

Und noch während ich es sage,
weiß ich:

Das glaubst nicht mal du.

 

Du wirst plötzlich ganz ruhig.

Keine Vorwürfe mehr.

Keine Fragen nach Ashs Besuch.

Nur dieser Blick.

Dann sagst du meinen Namen.

Jinx.

Oh nein.

Wenn jemand meinen Namen so sagt,
kommt danach nie etwas Gutes.

 

„Liebst du Ash noch?“

Scheiße.

Ich könnte Nein sagen.

Vier Buchstaben.

Nicht besonders kompliziert.

Nein.

Siehst du?

Kann ich sogar denken.

Also los.

Sag es.

Du wartest.

Ich sehe dich an.

Dann auf den Tisch.

Dann zur Tür.

Irgendwohin,
nur nicht mehr zu dir.

Eine Sekunde.

Noch eine.

Und noch eine.

Viel zu viele.

Bis wir beide wissen,
dass mein Schweigen längst
eine Antwort geworden ist.

Also räuspere ich mich.

Und sage:

„Wollen wir nicht lieber
über den Urlaub reden?“

Genial, Jinx.

Wirklich verdammt genial.

 

Du siehst mich noch einen Moment an.

Dann stehst du auf.

Einfach so.

Ich frag, wohin du gehst.

Keine Antwort.

Hey.

Jetzt komm schon.

Wir können doch

Die Tür fällt ins Schloss.

Okay.

Das lief schlechter als geplant.

Wobei ich keinen Plan hatte.

Vielleicht lag es daran.


Zu eng - Ash

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Regen.

Seit Stunden.

Passt zur Stadt.

Geht mir genauso auf den Sack.

 

Ich steh am Fenster,
Kippe zwischen den Fingern,
und seh dem Regen dabei zu,
wie er dieselbe Pfütze
immer wieder zusammenschlägt.

Tropfen rein.
Kreise raus.
Verschwinden.

Klingt vernünftig.

Sollte ich vielleicht auch versuchen.

Mitte Juli
und diese beschissene Stadt
fühlt sich plötzlich kleiner an
als mein Wohnzimmer.

Zu viele Straßen.

Zu viele Erinnerungen.

Zu viele verdammte Orte,
an denen du irgendwann
neben mir gestanden hast.

Und jetzt wohnst du
ein paar Straßen weiter
bei ihm.

Großartig.

Ich drück die Kippe aus.

Zünde die nächste an.

Sehr gesunder Umgang
mit vollkommen normalen Gefühlen.

Gefühle.

Fick dich.

 

Die Stadt wird mir zu eng, Baby,
das hat überhaupt nichts mit dir zu tun.

Nicht mit deinem Haus,
nicht mit seiner Fresse,
nicht mit deinem verdammten Schweigen.

Ich brauch nur Platz.

Straße.

Kilometer.

Irgendwas, das nicht deinen Namen kennt.

Also fick diese Stadt.

Fick ihre Straßen.

Fick jeden Ort,
an dem ich dich noch sehen könnte.

Und wenn ich weit genug fahre,
ist irgendwann vielleicht endlich Ruhe.

Nicht vor dir.

Vor allem anderen.

Natürlich.

 

Die Reisetasche liegt auf dem Bett.

Zwei Hemden.

Jeans.

Unterwäsche.

Whiskey.

Prioritäten.

Zahnbürste vergessen.

Scheiß drauf.

Keine Ahnung, wie lange ich wegbleibe.

Keine Ahnung, wohin ich fahre.

Das ist der beste Teil daran.

Kein Hotel gebucht.

Kein Plan.

Kein Ziel.

Nur Autoschlüssel
und dieses dringende Bedürfnis,
hier gerade niemanden mehr zu sehen.

Vor allem dich nicht.

Weil ich dir sonst vielleicht sage,
warum ich wirklich vor deinem Haus stand.

Und das wäre peinlich.

Für uns beide.

Hauptsächlich für mich.

 

Die Stadt wird mir zu eng, Baby,
also mach ich mich vom Acker.

Kein Abschied.

Keine Nachricht.

Kein beschissenes
„Pass auf dich auf“.

Du hast jemanden dafür.

Soll er doch auf dich aufpassen.

Soll er neben dir einschlafen.

Soll er morgens dein Gesicht sehen.

Soll er—

Scheiße.

Siehst du?

Genau deshalb fahr ich.

 

Draußen schlägt der Regen
gegen die Windschutzscheibe.

Der Motor läuft.

Die Tasche hinten.

Ich sitze noch da.

Eine Minute.

Vielleicht zwei.

Als würde irgendein Teil von mir
darauf warten,
dass plötzlich mein Handy klingelt.

Tut es nicht.

Natürlich nicht.

Du weißt nicht mal,
dass ich fahre.

Ich könnte dir schreiben.

„Bin weg.“

Zwei Worte.

Lösche ich wieder.

Was sollst du damit?

Mich aufhalten?

Du hast mich nicht mal gebeten zu bleiben.

Arrogant von mir,
das trotzdem zu erwarten.

 

Ich fahr los.

An deiner Straße vorbei.

Nicht absichtlich.

Beschissene Verkehrsführung.

Dein Haus kommt näher.

Schwarz hinter dem Regen.

Für eine Sekunde
geh ich vom Gas.

Nur eine.

Ich könnte anhalten.

Klingeln.

Diesmal wirklich mit dir reden.

Dir sagen:

Ja, ich war vor deinem Haus.

Ja, ich wollte dich sehen.

Ja, ich hab deinen Freund gepackt,
weil ich für einen Moment vergessen habe,
dass er nicht das Problem ist.

Du bist es.

Ich bin es.

Wir sind es.

Neun verdammte Monate später
immer noch dieses beschissene Wir.

Meine Hand wird fest am Lenkrad.

Dann geb ich Gas.

Fick dich, Jinx.

 

Die Stadt ist mir zu eng, Baby,
und du bist überall darin.

Auf der Friedhofsbank.

In meiner Wohnung.

In jeder Bar.

In meinem verdammten Rückspiegel,
obwohl du nicht mal da bist.

Also fahr ich.

Weiter.

Noch weiter.

Bis die Häuser verschwinden.

Bis ich keine Straße mehr kenne.

Bis niemand deinen Namen sagt.

Vielleicht hundert Kilometer.

Vielleicht tausend.

Ist mir scheißegal.

Ich will keinen Neuanfang.

Keine Erkenntnis.

Keine andere Frau.

Ich will einfach nur weg.

Und falls das Flucht ist—

fick dich.

Dann flieh ich eben.

 

Die Stadt liegt hinter mir.

Regen vor mir.

Keine Ahnung, wo ich bin.

Noch weniger Ahnung,
wo ich heute Nacht schlafe.

Perfekt.

Endlich ein Problem,
das nichts mit dir zu tun hat.

Ich mach das Fenster einen Spalt auf.

Kalte Luft.

Nasse Straße.

Eine Hand am Lenkrad.

Die andere sucht nach den Zigaretten.

Da ist nur die Reisetasche
auf dem Rücksitz.

Und plötzlich wird mir klar:

Ich hab den Whiskey eingepackt.

Klamotten.

Zigaretten.

Alles, was ich brauche.

Fast alles.

Scheiße.

Nein.

Den Satz beenden wir nicht.

Ich fahr weiter.

Ohne Ziel.

Hauptsache weg.

Und falls du dich fragst, wo ich bin—

tust du wahrscheinlich nicht.

Also sind wir quitt.

Fick dich, Jinx.

Bis irgendwann.

So war das nicht gemeint - Jinx

Gothic Rock, Industrial, Dark Electro

Lyrics

Ich war einkaufen.

Milch, Kaffee, irgendein Zeug,
das du auf die Liste geschrieben hast.

Völlig normaler Tag.

Dann komm ich nach Hause
und deine Reisetasche liegt auf dem Bett.

Was zur Hölle?

 

Die Schlafzimmertür steht einen Spalt offen.

Ich seh dich dahinter,
wie ein Hemd nach dem anderen
in dieser Tasche verschwindet.

Und mein Herz macht plötzlich
irgendwas Unangenehmes
auf Höhe meiner Knie.

Nein.

Das ist jetzt nicht

Ich drück die Tür auf.

Frag dich, was das werden soll.

Geschäftsreise?

Spontaner Männerurlaub?

Geheime zweite Familie?

Ich nehm alles.

Sag einfach irgendwas,
das nicht das ist,
wonach es aussieht.

 

Du machst den Reißverschluss zu.

Ganz ruhig.

Ich hasse ruhige Menschen,
wenn meine Welt gerade falsch abbiegt.

Dann sagst du:

Du gehst erst mal ins Hotel.

Oh.

Scheiße.

 

So war das nicht gemeint, Baby,
du solltest doch nicht wirklich gehen.

Wir hatten Streit.

Menschen streiten.

Dann schlafen sie schlecht,
sind morgens passiv-aggressiv
und irgendwann ist wieder alles normal.

So funktioniert das doch.

Ich hab deiner Frage nur ausgewichen.

Ich hab dich nicht betrogen.

Ich hab nichts—

Scheiße.

Schon wieder dieser Satz.

 

Du sagst, ich soll überlegen,
was ich eigentlich will.

Ich weiß, was ich will.

Also

Im Prinzip.

Dann sagst du,
du willst keine Freundin,
der du nicht vertrauen kannst.

Moment.

Was?

Ich bin doch zurückgekommen.

Ich wohne hier.

Ich war gerade für uns einkaufen.

Ich halte die verdammte Milch hoch,
als wäre sie Beweismaterial.

Du schaust nicht mal hin.

Es geht nicht darum, sagst du,
ob ich mit Ash geschlafen habe.

Habe ich nicht.

Es geht darum,
dass du mich gefragt hast,
ob ich ihn noch liebe.

Und ich alles getan habe,
außer zu antworten.

 

So war das nicht gemeint, Baby.

Ich brauchte nur einen Moment.

Okay, ziemlich viele.

Aber Schweigen ist kein Geständnis.

Rein technisch.

Du sagst, genau das sei das Problem.

Dass ich schon wieder
nach einem Schlupfloch suche.

Ich suche kein—

Okay.

Vielleicht ein kleines.

Aber du kannst doch nicht einfach gehen,
nur weil ich eine beschissene Frage
nicht beantworten konnte.

Kannst du offenbar doch.

Fuck.

 

Ich greif nach deiner Tasche.

Du hältst sie fest.

Jetzt stehen wir da
wie zwei Idioten beim Tauziehen.

„Bleib.“

Das Wort kommt so schnell,
dass ich selbst erschrecke.

Bleib einfach hier.

Wir reden.

Jetzt.

Über alles.

Fast alles.

Du fragst:

„Auch über Ash?“

Scheiße.

Eine Sekunde.

Nur eine verdammte Sekunde.

Aber du siehst sie.

Natürlich.

Ich lasse die Tasche los.

 

Was soll ich denn sagen?

Dass ich ihn gesehen habe?

Dass wir geredet haben?

Dass da Dinge sind,
die ich selbst nicht verstehe?

Dass ich dich nicht verlieren will?

Das stimmt.

Verdammt, das stimmt.

Aber du willst wissen,
ob ich ihn noch liebe.

Ja oder Nein.

Schwarz oder Weiß.

Ash oder du.

So einfach ist das nicht.

Du sagst:

„Für mich muss es das gerade sein.“

Und plötzlich hab ich
keinen cleveren Spruch mehr.

 

Du gehst an mir vorbei.

Ich folge dir in den Flur.

Hey.

Warte.

Ich sag, wir können wegfahren.

Der Urlaub.

Nur wir beide.

Wald, See, Ruhe.

Genau wie du wolltest.

Du ziehst deine Jacke an.

Ich frag, wie lange du wegbleibst.

Bis du weißt, was du willst.

Und bis ich weiß, was ich will.

Das ist erschreckend fair.

Arschloch.

 

So war das nicht gemeint, Baby.

Ich wollte keine leere Hälfte im Schrank.

Keine Zahnbürste weniger im Bad.

Kein Hotel.

Keine verdammte Bedenkzeit.

Ich wollte nur nicht antworten.

Nur noch ein bisschen länger
so tun, als müsste ich das nicht.

Du und ich hier.

Ash irgendwo anders.

Alles schön getrennt.

Alles unter Kontrolle.

Und jetzt gehst du,
weil ich nicht sagen konnte,
dass ich ihn nicht mehr liebe.

Nein.

Falsch.

Weil ich nicht sagen konnte

Scheiße.

Ist doch dasselbe, oder?

 

Die Haustür fällt zu.

Nicht laut.

Das macht es schlimmer.

Ich steh im Flur
mit zwei Einkaufstüten.

Eine reißt unten auf.

Natürlich.

Orangen rollen über den Boden.

Eine bis zur Tür.

Du kommst wieder.

Bestimmt.

Du brauchst nur ein paar Tage.

Ich denk nach.

Dann reden wir.

Ganz einfach.

Ich muss mich nur entscheiden,
was ich will.

Dich verlieren will ich nicht.

Das weiß ich.

Ash vergessen kann ich nicht.

Das weiß ich inzwischen wohl auch.

Na wunderbar.

Zwei Antworten.

Und keine davon hilft.

Ich heb die Orange auf.

Fick dich.

Keine Ahnung,
wen ich damit meine.


Weiter. Wie denn? - Ash 

Gothic Rock, Industrial Rock, Dark Alternative Rock

Lyrics

Keine Ahnung, wo ich bin.

Irgendein Ort.
Irgendeine Straße.
Irgendein beschissener Parkplatz.

Perfekt.

Genau das wollte ich.

Glaube ich.

 

Die letzte Nacht hab ich im Auto geschlafen.

Fahrersitz zurück,
Jacke unter den Kopf,
Rückenschmerzen inklusive.

Luxus.

Heute Morgen Kaffee
von irgendeiner Tankstelle,
deren Namen ich schon vergessen hab.

Ich fahr nicht weiter.

Noch nicht.

Also lauf ich durch diesen Ort,
als hätte ich irgendeinen Grund,
hier zu sein.

Fremde Häuser.
Fremde Gesichter.
Fremde Straßen.

Keiner kennt mich.

Noch besser:

Keiner kennt dich.

Sollte sich verdammt gut anfühlen.

Tut es nicht.

Natürlich nicht.

 

Ich bin weit genug weg.

Das war doch der Plan.

Kilometer zwischen mir
und diesem ganzen Scheiß.

Kleine technische Schwierigkeit:

Mein Kopf ist mitgekommen.

 

Ich muss weitermachen, Baby.

Hab ich verstanden.

Neun Monate zu spät,
aber immerhin.

Weiter.

Einfach weiter.

Klingt verdammt leicht,
wenn andere Leute es sagen.

Also erklär mir mal,
wohin genau.

Andere Frau?

Hatte ich.

Andere Nächte?

Genug.

Andere Stadt?

Steh ich gerade drin.

Und trotzdem bist du da.

Fick dich, Jinx.

Das war nicht Teil des Plans.

 

Ich lauf an einem Café vorbei.

Du würdest es hassen.

Zu hübsch.
Zu ordentlich.
Zu viele kleine Pflanzen.

Ich grinse.

Dann werd ich sauer,
weil ich überhaupt weiß,
was du dazu sagen würdest.

An der nächsten Ecke
steht ein alter Brunnen.

Du würdest wahrscheinlich versuchen,
nachts reinzuklettern.

Scheiße.

Weiter.

Eine Frau mit schwarzen Haaren
läuft an mir vorbei.

Ich seh nicht hinterher.

Fortschritt.

Vielleicht.

Dann hör ich irgendwo jemanden lachen.

Nicht mal wie du.

Reicht trotzdem.

Ich zünde mir eine Zigarette an
und beschließe,
dass dieser Ort ebenfalls
beschissen ist.

Sehr objektive Bewertung.

 

Ich muss weitermachen, Baby.

Nicht zurück.

Das weiß ich selbst.

Du hast dein Leben.
Ich hatte meins.

Irgendwo zwischen Whiskey,
fremden Betten
und der überzeugenden Behauptung,
dass du mir scheißegal bist.

Hat hervorragend funktioniert.

Bis du wieder vor mir saßt.

Bis du mich angesehen hast.

Bis fast dein Mund

Nein.

Fick das.

Weiter.

Genau darum geht's doch.

 

Zurück am Auto
setz ich mich auf die Motorhaube.

Keine Ahnung, wie spät es ist.

Ist auch egal.

Ich könnte weiterfahren.

Links.
Rechts.
Geradeaus.

Such dir was aus.

Ich könnte ans Meer.

In die Berge.

Über irgendeine Grenze.

Und was dann?

Noch ein Parkplatz.

Noch ein fremdes Bett.

Noch ein Morgen,
an dem ich so tue,
als hätte Entfernung
irgendeine verdammte Bedeutung.

Ich weiß, was ich tun muss.

Dich loslassen.

Große Erkenntnis.

Applaus bitte.

Jetzt fehlt nur noch
der unwichtige Teil:

Wie?

 

Wie zum Teufel macht man das?

Sag mir nicht:
Zeit.

Ich hatte neun Monate.

Sag mir nicht:
jemand Neues.

Hab ich ausprobiert.

Sag mir nicht:
Abstand.

Ich schlafe verdammt noch mal
in meinem Auto,
weil ich nicht mal mehr
in derselben Stadt sein wollte wie du.

Was fehlt denn noch?

Soll ich meinen Kopf
an irgendeiner Raststätte liegen lassen?

Mein verdammtes Gedächtnis
aus dem Fenster werfen?

Vielleicht bei hundertzwanzig.

Dann ist wenigstens irgendwas
endlich weg.

Ich schlag mit der Faust
aufs Autodach.

Tut weh.

Gut.

Ein Problem,
das eine einfache Erklärung hat.

 

Ich muss weitermachen, Baby.

Und genau das macht mich so wütend.

Weil ich es will.

Verdammt, ich will es wirklich.

Ich will morgens aufwachen,
ohne zuerst an dich zu denken.

Ich will eine Frau ansehen,
ohne sie mit dir zu vergleichen.

Ich will zurück in meine Wohnung,
ohne dein Lachen darin zu hören.

Ich will deinen Namen hören
und gar nichts fühlen.

Nichts.

Nicht Liebe.
Nicht Wut.
Nicht dieses beschissene Ziehen,
das ich selbstverständlich nicht habe.

Ich will dich endlich loslassen.

Da.

Hab ich's gesagt.

Zufrieden?

Fick dich.

 

Ich steige wieder ein.

Motor an.

Keine Ahnung, wohin.

Ist inzwischen Tradition.

Auf dem Beifahrersitz
liegt mein Handy.

Ich nehme es.

Dein Name ist noch da.

Natürlich ist er das.

Mein Daumen bleibt kurz darüber.

Löschen wäre einfach.

Einmal tippen.

Dann noch einmal bestätigen.

Mach schon, Ash.

Weiter.

Das wolltest du doch.

Ich werf das Handy auf den Sitz.

Später.

Feigling.

Fick dich.

Ich fahr los.

Der fremde Ort
verschwindet im Rückspiegel.

Kein Ziel.

Kein Plan.

Aber wenigstens Bewegung.

Vielleicht reicht das erst mal.

Und Jinx?

Ich denke überhaupt nicht an sie.

Seit mindestens

Scheiße.

Vergiss es.

Dann geh doch - Jinx 

Gothic Rock, Industrial, Dark Electro

Lyrics

Na schön.

Dann geh doch.

Ach richtig.

Bist du ja schon.

Arschloch.

 

Seit Stunden ist die Tür jetzt zu,
und ich führ immer noch
diese beschissene Diskussion.

Alleine.

Sehr erwachsen, Jinx.

Ich steh in der Küche
und erklär der Kaffeemaschine,
warum du völlig überreagiert hast.

Sie gibt mir recht.

Glaube ich.

Du willst eine Freundin,
der du vertrauen kannst?

Na herzlichen Glückwunsch.

Such dir eine.
Eine mit vernünftigen Schuhen,
die ihre Gefühle
alphabetisch sortiert.

 

Und dieses:
„Du musst wissen, was du willst.“

Fick dich.

Ich weiß ständig, was ich will.

Meistens.

Okay.

Darum geht's gerade nicht.

 

Dann geh doch!
Pack deine Tasche,
nimm deinen Stolz gleich mit.
Fahr in dein beschissenes Hotel
und fühl dich dort im Recht.

Ich lauf dir nicht hinterher.
Ganz sicher nicht.
Ich sitz hier hervorragend allein
und bin überhaupt nicht sauer.

Ich schrei nur deine leere Seite
vom Schlafzimmer an.

Völlig normal.

Du wolltest eine Antwort?

Bitte:

Fick dich.

Nicht die richtige?

Dein Problem.

 

Dein Kissen liegt noch da.

Ich werf es vom Bett.

So.

Besser.

Zwei Minuten später
heb ich es wieder auf.

Das zählt nicht.

Im Bad steht dein Zeug.
Im Flur deine Schuhe.
Deine Jacke hängt noch da.

Du bist gegangen,
aber deiner Zahnbürste
hat offenbar niemand Bescheid gesagt.

Ich könnte alles einpacken.

Moment.

Nein.

Könnte ich nicht.

Das hier ist deine Wohnung.

Dein Schlafzimmer.
Deine Küche.
Dein verdammt ordentliches Wohnzimmer.

Ich bin hier eingezogen.

Zu dir.

Meine alte Wohnung ist weg.

Scheiße.

Wenn du wirklich gehst—

Nein.

Du bist nur im Hotel.

Das ist keine Trennung.

Das ist

Keine Ahnung.

[Pre-Chorus]

Du wolltest wissen,
wann ich Ash zuletzt gesehen hab.

Hab ich dir gesagt.

Nach lang genug Schweigen,
damit es maximal verdächtig klingt.

Talent.

Und dann kam
diese eine verdammte Frage.

 

Dann geh doch!
Wenn dir mein Schweigen
nicht Antwort genug war.

Warte.

Nein.

So war das nicht gemeint.

Ich hab dich nicht betrogen.
Ich hab ihn nicht geküsst.
Ich bin nach Hause gekommen.

Zu dir.

In dein Zuhause,
das ich inzwischen
meins genannt hab.

Das muss doch irgendwas bedeuten.

Oder?

Scheiße.

Warum klingt das
wie eine Frage?

 

Ich mach Musik an.

Zu laut.

Noch lauter.

Sehr gut.

Jetzt kann ich mich
nicht mehr denken hören.

Ich hol Gin.

Kein Glas.
Gläser sind heute
unnötige Bürokratie.

Beine auf den Tisch.

Deinen Tisch.

Scheiße.

Dein Sofa.
Deine Wände.
Deine Schlüssel in meiner Tasche.

Und wenn du morgen sagst:
„Das war's“?

Wo geh ich dann hin?

Hotel?

Sehr witzig.

Vielleicht krieg ich
dein Zimmer nebenan.

Großer Schluck.

Darüber denken wir
jetzt überhaupt nicht nach.

 

Also gut.

Tatsachen.

Du bist weg,
weil ich dir nicht sagen konnte,
dass ich Ash nicht mehr liebe.

Da.

War doch einfach.

Nein.

War es


Salz auf der Zunge - Ash

Lyrics

Vierter Tag.

Gleiche Jeans.
Gleiches Shirt.
Gleiche beschissene Gedanken.

Duschen wäre vermutlich
eine gesellschaftlich akzeptierte Idee.

Später.

 

Mein Auto sieht inzwischen aus,
als würde jemand darin wohnen.

Ach richtig.

Leere Whiskeyflaschen
rollen bei jeder Kurve
hinter meinem Sitz herum.

Eine schlägt gegen die andere.

Klingt fast musikalisch.

Fast.

Ich rieche nach Rauch,
Straße und vier Tagen
schlechter Entscheidungen.

Passt also.

Keine Ahnung,
wie viele Kilometer hinter mir liegen.

Genug.

Offenbar nicht genug.

 

Dann blaues Licht
in meinem Rückspiegel.

Scheiße.

Ich seh auf den Tacho.
Dann auf die Flaschen.
Dann wieder nach hinten.

Der Wagen kommt näher.

Bleibt hinter mir.

Fährt vorbei.

Ich atme aus.

Na bitte.

Heute offenbar
nicht meine Katastrophe.

 

Weiter Richtung Meer.

Immer weiter.

Straßen, Tankstellen,
fremde Namen auf Schildern.

Und irgendwo da vorne
endet wenigstens das Land.

Vielleicht hilft das.

Vielleicht kann mein Kopf
nicht hinterher,
wenn ich einfach weiterfahre.

Sehr überzeugende Theorie.

Hat die letzten vier Tage
hervorragend funktioniert.

Fick dich, Jinx.

Du bist immer noch da.

 

Irgendwann verändert sich die Luft.

Erst bilde ich's mir ein.

Dann öffne ich das Fenster.

Kälter.

Feuchter.

Salz.

Ich kann es schon schmecken.

Das Meer kann nicht mehr weit sein.

Zum ersten Mal seit Tagen
grinse ich wirklich.

Kein Plan.
Kein Hotel.
Kein Ziel.

Nur Wasser.

Verdammt viel davon.

Klingt gut.

Bis mein Kopf entscheidet,
dass Frieden langweilig wäre.

 

Du würdest das Fenster
komplett runterkurbeln.

Natürlich.

Arm raus.
Haare im Wind.
Irgendeinen beschissenen Song
viel zu laut mitsingen.

Und wahrscheinlich behaupten,
du könntest das Meer
schon zehn Kilometer früher riechen.

Scheiße.

Da bist du wieder.

 

Ich wollte ans Meer.

Nicht zu dir.

Das sind zwei
verdammt verschiedene Richtungen.

Also warum sitzt du
plötzlich wieder neben mir?

Unsichtbar.

Nervig.

Mit diesem Grinsen,
das ich seit neun Monaten
aus meinem Kopf kriegen will.

Ich hab eine halbe Stadt
zwischen uns gebracht.

Dann noch eine.

Dann noch eine.

Und du brauchst nicht mal Benzin,
um mitzukommen.

Fick dich.

Ernsthaft.

 

Ich halte an einer Tankstelle.

Kaffee.
Zigaretten.
Wasser.

Ja.

Wasser.

Großer Tag.

Die Frau an der Kasse
sieht mich an,
als sollte sie vielleicht
irgendwen verständigen.

Kann ich ihr nicht übel nehmen.

Im Spiegel der Toilette
seh ich zum ersten Mal
seit Tagen mein Gesicht.

Großartig.

Ich sehe aus,
wie ich mich fühle.

Ich wasche mir wenigstens
kaltes Wasser durchs Gesicht.

Dusche für Feiglinge.

Reicht.

 

Vier Tage.

Ich bin einfach gefahren.

Hab im Auto geschlafen.

Hab gegessen,
wenn ich dran gedacht hab.

Getrunken,
wenn ich nicht denken wollte.

Und jeden Morgen
derselbe beschissene Plan:

Heute denke ich nicht an dich.

Mittags:
gescheitert.

Abends:
komplett verloren.

Was willst du eigentlich noch?

Du bist nicht hier.

Du rufst nicht an.

Du schreibst nicht.

Du tust überhaupt nichts.

Und trotzdem gehst du mir
so unfassbar auf den Sack.

Das ist schon fast beeindruckend.

 

Zurück auf der Straße.

Noch ein Schild.

Meer.

Nicht mehr weit.

Die Landschaft wird flacher.
Der Himmel größer.

Und plötzlich seh ich
zwischen den Häusern
dieses verdammte Blau.

Da.

Endlich.

Ich fahre langsamer.

Nicht absichtlich.

Für ein paar Sekunden
ist tatsächlich Ruhe.

Dann denke ich:

Jinx würde jetzt
„Fahr schneller“ sagen.

Meine Hand schlägt
gegen das Lenkrad.

Natürlich.

Natürlich musst du
auch hier sein.

 

Ich bin vier Tage gefahren,
um Abstand zu kriegen.

Vier verdammte Tage.

Gleiche Kleidung.
Kein richtiges Bett.
Keine Dusche.
Whiskeyflaschen im Auto
und beinahe die Polizei
an meinem Arsch.

Und wofür?

Damit ich am Meer stehe
und wieder an dich denke?

Nein.

Fick das.

Das hier gehört dir nicht.

Nicht die Straße.
Nicht der Wind.
Nicht das Salz.
Nicht dieses Meer.

Und ganz sicher
nicht jeder verdammte Gedanke
in meinem Kopf.

Ich will einen Ort,
an dem du nicht bist.

Einen einzigen.

Kann doch nicht
so schwer sein.

 

Ich parke.

Motor aus.

Stille.

Vor mir das Meer.

Ich steige aus.

Der Wind trifft mich
direkt ins Gesicht.

Salz auf der Zunge.

Ich atme tief ein.

Noch mal.

Das ist gut.

Wirklich gut.

Dann sehe ich den Strand.

Und weiß sofort,
was du machen würdest.

Schuhe aus.

Losrennen.

Egal wie kalt das Wasser ist.

Ich schließe die Augen.

Fick dich, Jinx.

...

Du würdest es lieben hier.

Scheiße.

Wie viel von mir? - Jinx

Lyrics

Also gut.

Du wolltest, dass ich nachdenke.

Herzlichen Glückwunsch.

Ich denke.

Ist beschissen.

 

Du bist liebevoll.
Verantwortungsvoll.
Verständnisvoll.

Scheiße,
du klingst wie eine Liste,
die meine Mutter lieben würde.

Bei dir wird alles ruhig.

Wenn ich falle,
bist du wahrscheinlich schon da,
bevor ich überhaupt merke,
dass ich gefallen bin.

Du hörst zu.
Du bleibst ruhig.
Du hältst mich fest,
wenn mein Kopf zu laut wird.

Und manchmal
will ich genau das.

Jemanden,
an den ich mich lehnen kann.

 

Aber dann kommt:

„Jinx, benimm dich.“

„Muss das Kleid so kurz sein?“

„Sei nicht immer so laut.“

„Du musst nicht ständig
so viel sein.“

Und jedes Mal
lach ich noch darüber.

Meistens.

 

Also was will ich?

Ruhe
oder jemanden,
der mit mir den Verstand verliert?

Sicherheit
oder nachts irgendeinen Zaun,
über den wir unbedingt klettern müssen?

Einen Mann,
der mich auffängt?

Oder einen,
der springt,
wenn ich sage:

„Komm, das wird lustig.“

Scheiße.

Warum klingt das,
als müsste ich wählen

zwischen geliebt werden

und ich selbst sein?

 

Ash hätte mein Kleid angesehen
und gefragt,
ob es das auch in kürzer gibt.

Arschloch.

Ich hätte gelacht.

Er hätte gelacht.

Und fünf Minuten später
hätten wir wahrscheinlich
irgendwas getan,
das objektiv dumm war.

Mit hervorragender Begründung:

Wir wollten es.

Er hat nie gesagt:
„Sei leiser.“

Eher:
„Noch mal.“

Nie:
„Benimm dich.“

Eher:
„Warte, ich komm mit.“

Und wenn ich zu viel war—

Nein.

Bei ihm gab es
dieses Wort nicht.

 

Das heißt nicht,
dass alles gut war.

Offensichtlich.

Wir haben uns verloren,
ohne überhaupt zu verstehen,
wie zum Teufel das passiert ist.

Große Leistung.

Aber ich wusste eine Sache.

Immer.

 

Er hat mich geliebt.

Mich.

Nicht die leisere Version.
Nicht Jinx mit längeren Kleidern.
Nicht Jinx,
wenn sie sich zusammenreißt.

Laut.
Albern.
Unvernünftig.
Anstrengend.
Verrückt.

Alles davon.

Und ich hab es gespürt.

Verdammt.

Ich hab nie überlegen müssen,
ob ich gerade
zu viel für ihn bin.

Bei Ash war ich einfach

ich.

Scheiße.

 

Und du?

Du liebst mich doch auch.

Oder?

Nein.

Das ist unfair.

Ich weiß, dass du mich liebst.

Du machst Kaffee,
wenn ich morgens nicht ansprechbar bin.

Du merkst,
wenn irgendwas nicht stimmt.

Du planst.
Du kümmerst dich.
Du gibst mir Halt.

Du willst wahrscheinlich
wirklich nur das Beste für mich.

Das Problem ist:

Dein „Bestes“
trägt manchmal andere Kleidung.

Spricht leiser.

Sitzt gerader.

Und entschuldigt sich,
wenn sie einen Raum
komplett mit sich füllt.

 

Vielleicht ist das erwachsen.

Vielleicht muss man
irgendwann ruhiger werden.

Vernünftiger.

Weniger

Nein.

Fick das.

Weniger was?

Weniger laut?
Weniger peinlich?
Weniger spontan?
Weniger Jinx?

Wie viel soll ich abschneiden,
bis ich perfekt
in dein Leben passe?

Und wie viel kann verschwinden,
bevor ich irgendwann
in den Spiegel sehe

und mich selbst vermisse?

Scheiße.

Das war jetzt
unangenehm vernünftig.

 

Und Ash?

Natürlich denke ich an Ash.

Überraschung.

Der Mann,
den ich seit neun Monaten
erfolglos aus meinem Kopf werfe.

Der mich am Friedhof ansieht
und plötzlich ist da wieder
dieses verdammte Gefühl:

Da bist du ja.

Nicht:
Du könntest besser sein.

Nicht:
Wenn du dich ändern würdest.

Einfach:

Da bist du.

 

Also was will ich?

Den Mann,
bei dem alles ruhiger wird?

Oder den,
bei dem ich lauter sein darf?

Den, der mir Halt gibt?

Oder den,
bei dem ich nie das Gefühl hatte,
mich festhalten zu müssen,
damit nichts von mir rausfällt?

Verdammt.

Vielleicht ist das
die falsche Frage.

Vielleicht geht es nicht darum,
wer von euch besser ist.

Vielleicht geht es darum,
wer ich neben euch bin.

Bei dir bin ich sicher.

Bei Ash war ich frei.

Bei dir kann ich mich anlehnen.

Bei Ash musste ich mich
nie kleiner machen.

Und jetzt soll ich entscheiden,
was davon Liebe ist?

Fick dich.

Nicht du.

Die Frage.

 

Ich sitze noch immer hier.

Keine Antwort.

Na ja.

Vielleicht eine halbe.

Ich will jemanden,
der mich hält,

ohne mich festzuhalten.

Der mich beruhigt,

ohne mich leiser zu machen.

Der mich ansieht,
wenn ich wieder viel zu viel bin,

und nicht denkt:

Weniger wäre schöner.

Sondern:

Da bist du ja.

...

Scheiße.

Ich weiß,
bei wem ich das schon mal hatte.

Das heißt noch nicht,
dass ich weiß,
was ich jetzt will.

Oder?

Verdammt.

Ich hasse Nachdenken.


Kein schlechter Tag - Ash

Lyrics

Dusche.

Endlich.

Frisches Shirt liegt im Auto,
ich brauch es gerade nicht.

Badehose reicht.

Sonne auf dem Bauch.

Whiskey erst später.

Sieh an.

Ich kann vernünftig.

Fast.

 

Hab irgendwo ein kleines Zimmer gefunden,
mit Dusche, Bett und viel zu dünner Wand.
Zwanzig Minuten heißes Wasser,
bis ich wieder aussah wie ein Mensch.

Vier Tage Straße abgewaschen,
Sand unter frisch gewaschenen Füßen.
Jetzt lieg ich hier und tu exakt nichts.

Verdammt.

Gar nicht schlecht.

Neben mir streiten zwei Typen
über Fußball und kaltes Bier.
Keine Ahnung, wer von beiden recht hat.

Ist mir auch scheißegal.

Sie geben mir trotzdem eins.

Sympathische Leute.

 

Kein schlechter Tag.
Überhaupt kein schlechter Tag.

Sonne auf der Haut,
kaltes Bier in meiner Hand.

Meer vor meiner Fresse,
keinen verdammten Plan.

Keine Straße.
Kein Ziel.
Kein Grund, irgendwo zu sein.

Und zum ersten Mal seit Ewigkeiten
find ich genau das ziemlich geil.

Kein schlechter Tag.

Nein.

Ganz und gar nicht.

 

Eine Frau läuft an mir vorbei,
schwarzer Bikini, lange Beine.

Sie schaut rüber.

Ich auch.

Natürlich.

Ich bin vielleicht auf der Flucht,
aber noch lange nicht tot.

Sie lächelt.
Ich grinse zurück.

Das kann ich offenbar noch.

Später steht sie an der Strandbar,
mit zwei Freundinnen neben sich.
Ich bestell mein Bier,
sie fragt, ob ich immer so gucke.

Ich sag ihr,
nur wenn es sich lohnt.

Funktioniert.

Natürlich funktioniert es.

 

Kein schlechter Tag.
Überhaupt kein schlechter Tag.

Sonne auf der Haut,
kaltes Bier in meiner Hand.

Hübsche Frauen an der Bar,
die meinen Namen nicht mal kennen.

Perfekt.

Keine Fragen.
Keine Vergangenheit.
Nichts, das ich erklären muss.

Nur ein Blick,
ein Grinsen,
und verdammt gute Aussicht.

So einfach kann das sein.

Wer hätte das gedacht?

 

Wir sitzen irgendwann zu fünft
an einem Tisch direkt im Sand.
Jemand bestellt noch eine Runde,
irgendwer erzählt beschissene Witze.

Ich lache.

Nicht höflich.
Nicht gespielt.

Richtig.

Scheiße,
wann hab ich das zuletzt gemacht?

Die Frau neben mir
legt die Füße auf meinen Stuhl.
Fragt, wo ich herkomme.

Ich nenne die Stadt.

Mehr nicht.

Sie will wissen,
wo ich hinwill.

Keine Ahnung.

Sie hebt ihr Glas.

Gute Antwort.

Ja.

Find ich inzwischen auch.

 

Kein schlechter Tag.
Überhaupt kein schlechter Tag.

Salz auf der Haut,
Sand klebt überall.

Die Sonne geht langsam tiefer
und keiner erwartet irgendwas.

Vielleicht bleib ich morgen hier.
Vielleicht fahr ich weiter.

Vielleicht wach ich neben jemandem auf,
deren Nachnamen ich nicht kenne.

Klingt ehrlich gesagt
nach einem verdammt guten Plan.

Kein schlechter Tag.

 

Später geh ich zurück zum Wasser,
nur ein paar Minuten für mich.

Und irgendwas ist komisch.

Ich brauch einen Moment,
bis ich begreife, was.

Seit Stunden kein Friedhof.
Keine schwarze kurze Kleidung.
Kein viel zu lautes Lachen.

Kein verdammtes Vielleicht.
Kein Was-wäre-wenn.
Kein Jinx.

Oh.

Ich bleib stehen.

Warte auf den Stich.

Kommt nicht.

Stattdessen rauscht das Meer.

Das war's.

 

Ich hab sie vergessen.

Nicht für immer.

Mach dich nicht lächerlich.

Aber für einen Nachmittag.

Ein paar verdammte Stunden
war sie nicht in meinem Kopf.

Und weißt du was?

Das fühlt sich nicht falsch an.

Es fühlt sich leicht an.

Fast hätte ich vergessen,
wie das geht.

 

Kein schlechter Tag.
Verdammt guter Tag.

Sonne auf meiner Haut,
Salz noch auf der Zunge.

Leute, die okay sind.
Frauen, die verdammt gut aussehen.

Ein Bett für heute Nacht.
Kein Ziel für morgen früh.

Und zum ersten Mal
muss ich nirgendwo anders sein.

Vielleicht ist Weitergehen
gar kein großer verdammter Moment.

Vielleicht merkt man irgendwann nur,
dass man wieder lacht.

Dass man flirtet.
Dass man Hunger hat.
Dass die Sonne gut tut.

Und dass ein ganzer Nachmittag vergeht,
ohne dass ein bestimmter Name fällt.

Nicht mal im eigenen Kopf.

 

Die Frau von der Bar
winkt mir von weitem zu.

Na gut.

Ich geh rüber.

Was?

Ich bin Single.

Und frisch geduscht.

Wäre doch Verschwendung.

Ich grinse.

Sie auch.

Kein schlechter Tag.

Verdammt noch mal.

Endlich.

Drei Tage - Jinx 

Lyrics

Du bist wieder da.

Ich hatte mir ungefähr
hundert Sätze zurechtgelegt.

Keiner davon überlebt deinen Blick.

Na toll.

 

Du stellst die Tasche neben die Tür,
ziehst nicht mal deine Jacke aus.
Fragst nur, ob ich jetzt weiß,
was ich eigentlich will.

Keine Ausrede mehr.
Kein Urlaub.
Kein später.
Kein Themenwechsel.

Also gut.

Du willst die Wahrheit?

Ich liebe dich.

Dein Gesicht wird weicher.

Nur eine Sekunde.

Denn ich bin noch nicht fertig.

 

Ich liebe dich.

Aber ich habe auch
Gefühle für Ash.

Und wenn du mich zwingst,
sie gegeneinander zu halten...

Scheiße.

Seine sind größer.

 

Da ist sie.
Die verdammte Wahrheit.

Endlich ausgesprochen
und sofort will ich sie zurück.

Ich liebe dich.
Das war nie gelogen.

Aber irgendwas in mir
gehört immer noch zu ihm.

Ich sehe, wie es dich trifft,
und kann nichts mehr reparieren.

Drei Menschen,
zwei Arten von Liebe,

und keine davon
kommt hier heil raus.

 

Du schreist nicht.

Fast wäre mir lieber,
du würdest es tun.

Stattdessen nickst du nur,
als hätte ich gerade bestätigt,
was du längst wusstest.

Du fragst, ob am Friedhof
etwas passiert ist.

Nein.

Fast.

Aber nein.

Ich bin gegangen.
Ich bin zu dir zurückgekommen.
Ich habe dich nicht betrogen.

Nur belogen.

Scheiße.

Das klingt auch nicht besser.

 

Da ist sie.
Die verdammte Wahrheit.

Ich wollte dich nicht verlieren
und hab genau das geschafft.

Denn ich liebe dich.
Verdammt, ich liebe dich.

Nur offenbar nicht genug,
um Ash aus mir rauszukriegen.

Und du stehst vor mir,
so ruhig, dass es wehtut.

Kein Arschloch.
Kein Feind.

Nur ein Mann,
dem ich gerade das Herz breche.

 

Dann sagst du,
ich habe drei Tage.

Drei Tage für Kartons,
Taschen und irgendeinen Plan.

Danach kommst du zurück.

Allein.

Ach.

Stimmt ja.

Deine Wohnung.

Dein Schlafzimmer.
Deine Küche.
Dein verdammt perfektes Sofa.

Meine alte Wohnung ist weg.

Und plötzlich verliere ich
nicht nur dich.

Ich verliere auch das,
was ich Zuhause genannt habe.

 

Drei Tage.

Um mein Leben
in Kartons zu stopfen.

Drei Tage.

Um irgendwo
eine Tür für mich zu finden.

Drei Tage.

Dann bist du wieder hier
und ich bin es nicht mehr.

Ich könnte dich dafür hassen.

Wäre einfacher.

Aber du hast mich gefragt,
und ich habe geantwortet.

Was zum Teufel
solltest du sonst tun?

 

Du warst gut zu mir.

Nicht immer gut für mich.

Vielleicht ist da
ein verdammter Unterschied.

Du hast mich gehalten,
wenn ich gefallen bin.

Hast Kaffee gemacht,
wenn ich unausstehlich war.

Hast mich geliebt.

Auf deine Art.

Und ich dich auch.

Auf meine.

Vielleicht reicht Liebe
manchmal trotzdem nicht.

Gott, ist das beschissen.

 

Ich wollte keinen von euch verlieren.

Jetzt verliere ich dich.

Und vielleicht verdiene ich,
dass das wehtut.

Denn du warst kein Platzhalter.
Keine Ablenkung.
Kein Versuch, Ash zu vergessen.

Du warst echt.

Wir waren echt.

Und deshalb tut es so weh,
deine Tasche wieder an der Tür zu sehen.

Nur diesmal nimmst du sie mit.

Und ich bleibe zurück
mit drei verdammten Tagen,

einem Mann, den ich verliere,

und einem anderen,
den ich immer noch liebe.

 

Die Tür fällt zu.

Keine große Szene.

Natürlich nicht.

Das wäre wenigstens leichter gewesen.

Ich sehe mich um.

Drei Tage.

Scheiße.

Wo soll ich überhaupt hin?

Und warum fühlt sich Wahrheit
eigentlich genauso beschissen an
wie Lügen?

Ich liebe dich.

Das hilft nur leider
keinem von uns mehr.

Verdammt.


Reicht jetzt - Jetzt

Lyrics

Drei Tage länger geblieben.

War nicht geplant.

War gut.

Verdammt gut sogar.

Aber reicht jetzt.

 

Ich kenn inzwischen die Strandbar,
den Typen mit dem schlechten Humor,
weiß, welches Bier hier kalt genug ist
und welche Kellnerin mich ignoriert.

Hab Farbe auf der Haut,
Sand in jedem verdammten Schuh
und seit Tagen wieder das Gefühl,
dass Leben manchmal einfach passiert.

Keine Katastrophe.
Kein Drama.
Keine Wand, die dran glauben muss.

Sieh an.

Geht doch.

 

Ich hatte Spaß.
Ganz ohne Scheiß.

Hab getrunken, gelacht,
geflirtet bis tief in die Nacht.

Hübsche Augen.
Lange Beine.
Genug Möglichkeiten.

Und trotzdem bin ich jeden Morgen
allein aufgewacht.

Nicht weil ich musste.

Ich wollte einfach nicht.

Frag nicht warum.

Ich kenn die Antwort
und sie nervt mich.

 

Gestern diese Blonde an der Bar,
heute eine mit dunklem Haar.

Beide eindeutig genug,
selbst für einen Idioten wie mich.

Ein Blick.
Eine Hand an meinem Arm.
Die Frage musste keiner stellen.

Normalerweise hätte ich
keine zwei Sekunden nachgedacht.

Diesmal schon.

Und plötzlich war mein Bier
interessanter als ihr Hotel.

Scheiße.

Das klingt erbärmlich.

 

Ich hatte Spaß.
Verdammt, wirklich.

Hab Frauen angesehen
und sie haben zurückgesehen.

Hab mich wieder gefühlt
wie jemand, der noch lebt.

Nur wenn der Abend endete,
ging ich trotzdem allein.

Nicht aus Anstand.
Übertreib mal nicht.

Es fühlte sich einfach falsch an,
jemanden mitzunehmen,

nur damit für ein paar Stunden
jemand anderes neben mir liegt.

 

Das Schlimmste ist,
ich hab nicht ständig an Jinx gedacht.

Manchmal stundenlang nicht.

Fortschritt.

Applaus.

Und dann taucht sie doch wieder auf,
irgendwo hinten in meinem Schädel.

Nicht laut.

Nur hartnäckig.

Ein Lachen.
Ein Friedhof.
Vier Worte.

Du musst jetzt gehen.

Ja.

Danke.

Hatte ich fast vergessen.

 

Vielleicht ist genau das der Punkt.

Ich bin weit genug gefahren,
um wieder lachen zu können.

Aber offenbar nicht weit genug,
um sie loszuwerden.

Und langsam hab ich keine Lust mehr,
vor einer verdammten Stadt wegzulaufen.

 

Also reicht jetzt.

Sonne war gut.
Meer war gut.

Die Frauen waren
verdammt gute Gesellschaft.

Aber ich kann nicht ewig hierliegen
und so tun, als wäre das Weitergehen.

Irgendwann muss ich zurück.

In meine Straßen.
Meine Wohnung.
Mein beschissenes Leben.

Und ja.

In eine Stadt,
in der Jinx irgendwo existiert.

Damit werd ich wohl klarkommen müssen.

 

Ich pack die Tasche.

Diesmal ordentlich.

Fast.

Badehose.
Shirts.
Jeans.
Zahnbürste.

Sieh an.
Sogar die hab ich wieder.

Der Whiskey kommt in den Kofferraum.

Ich werf einen letzten Blick aufs Meer.

Du würdest es lieben hier.

Scheiße.

Da bist du ja wieder.

Ich grinse trotzdem.

Vielleicht ist das neu.

 

Ich fahr nach Hause.

Nicht wegen dir, Jinx.

Beruhig dich.

Ich fahr nach Hause,
weil ich genug Sonne hatte.

Weil mein Bett besser ist.
Mein Kaffee stärker.
Meine Musik lauter.

Weil Weglaufen irgendwann
auch nur noch im Kreis fahren ist.

Ich hatte gute Tage hier.

Echte gute Tage.

Und vielleicht musste ich genau das wissen:

Dass ich lachen kann,
ohne dich.

Flirten kann,
ohne dich.

Einen ganzen Tag leben kann,
ohne dich.

Nur vergessen?

Nein.

So weit sind wir noch nicht.

 

Tasche im Kofferraum.

Motor läuft.

Meer im Rückspiegel.

Vor mir ein paar Stunden Straße.

Und irgendwann dahinter:

Zuhause.

Ich weiß nicht,
was mich dort erwartet.

Ist mir egal.

Na ja.

Fast.

Ich leg den Gang ein.

Also gut.

Fahren wir heim.

Und Jinx?

Fick dich.

Du kommst diesmal
nicht mit.

Wohin jetzt? - Jinx 

Lyrics

Das war's.

Drei Tage.

Zwölf Kartons.
Zwei Koffer.
Eine Tasche.

Und ich.

Vor deiner Tür.

Super.

 

Ich hab wirklich alles eingepackt.
Kleider, Schuhe, Bücher, Gin.
Den hässlichen Becher,
den ich angeblich nie mochte.

Meine Jacken.
Meine Platten.
Mein halbes Badezimmer.

Mein ganzes verdammtes Leben
steht sauber beschriftet
auf dem Gehweg.

Na ja.

Fast sauber.

Auf einem steht nur Scheiß.

Keine Ahnung, was drin ist.

Passt irgendwie.

 

Und wohin jetzt?

Nein, ernsthaft.

Wohin?

Meine Wohnung ist weg.
Deine Wohnung ist nicht mehr meine.

Zwölf Kartons,
zwei Koffer,
eine Tasche

und kein verdammter Ort,
an den ich damit gehöre.

Herzlichen Glückwunsch, Jinx.

Endlich hast du die Wahrheit gesagt.

Jetzt bist du ehrlich.

Und obdachlos.

Fantastisch.

 

Ich ruf ein Taxi.

Adresse eingeben.

Ach ja.

Welche?

Hotel vielleicht.

Welches Hotel?

Scheißegal.

Irgendeins mit einem Bett
und möglichst wenig Fragen.

Dann seh ich meine Kartons an.

Zwölf.

Wie soll das alles
in ein verdammtes Taxi passen?

Natürlich.

Natürlich denke ich daran
erst jetzt.

Ich lache kurz.

Klingt ziemlich kaputt.

Ist es wahrscheinlich auch.

 

Wohin jetzt?

Mit zwölf verdammten Kartons?

Soll ich drei Taxis bestellen?
Einen Bus?
Einen Umzugswagen?

Vielleicht schieb ich mein Leben
einfach die Straße runter.

Wäre wenigstens Bewegung.

Ich hab keinen Plan.
Keinen Schlüssel.
Keine Adresse.

Nur Gepäck für ein Zuhause,
das nicht mehr existiert.

Scheiße.

Scheiße.

Scheiße.

 

Mein Handy ist noch in meiner Hand.

Und plötzlich denke ich an Ash.

Natürlich.

Weil mein Gehirn mich hasst.

Ich könnte ihn anrufen.

Nur fragen,
ob ich irgendwo meine Sachen...

Nein.

Auf keinen Fall.

Ganz sicher nicht.

Der ist wahrscheinlich gerade
mit irgendeiner Frau beschäftigt.

Vielleicht liegt sie in seinem Bett.
Vielleicht trägt sie sein Shirt.
Vielleicht trinkt sie seinen Whiskey.

Warum macht mich das
eigentlich wütend?

Ich hab gerade größere Probleme.

Zwölf davon stehen vor mir.

 

Mein Daumen bleibt trotzdem
auf seinem Namen liegen.

Nur kurz.

Anrufen.

Nein.

Fick dich.

Nicht heute.

 

Ich brauch dich nicht, Ash.

Ich brauch nur ein Dach.

Das ist etwas völlig anderes.

Und selbst wenn ich dich anrufe,
was soll ich sagen?

Hallo, erinnerst du dich an mich?
Ich bin die Frau,
die dich am Friedhof fast geküsst hat.

Mein Freund hat mich rausgeworfen,
weil ich zugegeben habe,
dass ich dich mehr liebe.

Hast du zufällig Platz
für zwölf Kartons?

Ja.

Verdammt gute Idee.

Ganz bestimmt.

 

Ich bin so wütend.

Auf ihn.
Auf Ash.
Auf mich.

Vor allem auf mich.

Weil mein Freund mich geliebt hat.
Weil ich ihn auch geliebt habe.

Weil ich trotzdem
nicht bleiben konnte.

Weil ich endlich ehrlich war
und Ehrlichkeit offenbar bedeutet,
dass ich jetzt auf einem Gehweg stehe.

Ich will schreien.

Ich will einen Karton treten.

Kann ich nicht.

Da steht GLÄSER drauf.

Wenigstens einmal
denke ich vorher nach.

Großartig.

Persönliches Wachstum.

 

Also wohin jetzt?

Keine Ahnung.

Vielleicht ist das heute
einfach die Antwort.

Keine Ahnung.

Wo ich schlafe.
Wo meine Sachen bleiben.
Wie es weitergeht.

Keine verdammte Ahnung.

Aber ich werde Ash nicht anrufen.

Nicht weil ich ihn nicht will.

Scheiße.

Genau deshalb.

Ich kann nicht vor seiner Tür stehen,
nur weil ich keine eigene mehr habe.

Und wenn da wirklich
eine andere Frau ist,

würde ich wahrscheinlich
noch einen Karton treten.

Den mit den Gläsern.

 

Ich bestell das Taxi.

Ein großes.

Sehr großes.

Abholort steht da.

Ziel?

Ich starre auf das Feld.

Der Fahrer will vermutlich wissen,
wohin ich möchte.

Gute Frage.

Ich tippe irgendein Hotel ein.

Bestätigen.

Fünf Minuten.

Ich setz mich auf einen Karton.

Natürlich ist es der
mit ZERBRECHLICH drauf.

Scheiß drauf.

Mein Handy bleibt still.

Ash bleibt unangerufen.

Und ich sitze hier
mit meinem ganzen Leben
auf dem Gehweg.

Fick dich.

Fick euch.

Fick alles.

Das Taxi soll sich beeilen.

Toll gemacht - Ash 

Lyrics

Ende August.

Wieder zuhause.
Wieder nachts unterwegs.

Und erstaunlicherweise
geht mir's gut.

Ja.

Mir auch suspekt.

 

Ich treff wieder Leute von früher,
ein paar davon hab ich sogar vermisst.
Wir schlagen uns Nächte in Bars um die Ohren,
bis draußen schon wieder Morgen ist.

Whiskey.
Zu viel Rauch.
Beschissene Musik.
Gute Gespräche.

Fast wie ein normales Leben.

Scheiße,
vielleicht hab ich tatsächlich eins.

Ich schlafe wieder in meinem Bett,
fahr nicht mehr grundlos durch die Gegend.

Und seit Wochen hab ich
keine Wand mehr geschlagen.

Fortschritt.

 

Mir geht's gut.

Kein Witz.
Kein Vielleicht.

Ich geh raus,
ich lach wieder,
ich bleib bis morgens wach.

Ich flirt mit Frauen,
weil ich's kann
und weil sie zurückflirten.

Manchmal ist ein schöner Abend
einfach nur ein schöner Abend.

Keine Katastrophe danach.

Gefällt mir.

Könnte mich dran gewöhnen.

 

Gestern eine Rothaarige,
heute schwarze Locken an der Bar.

Sie rückt näher.
Ich grinse.
Das alte Spiel funktioniert wunderbar.

Eine Hand auf meinem Arm.
Ein Blick Richtung Tür.

Ich weiß genau,
was sie meint.

Und wieder sag ich gute Nacht.

Allein.

Keine Ahnung, warum.

Doch.

Schon.

Nur keine Lust,
darüber nachzudenken.

Ich flirte gern.
Ich nehm nur niemanden mit.

Offenbar hab selbst ich
neuerdings Standards.

Beängstigend.

 

Mir geht's gut.

Besser als lange zuvor.

Die Stadt fühlt sich wieder
nach meiner Stadt an.

Nicht nach Erinnerungen
an jeder verdammten Ecke.

Ich kann trinken,
ohne jemanden vergessen zu wollen.

Kann lachen,
ohne mich danach dafür zu hassen.

Und wenn irgendeine Frau
mich morgen wiedersehen will,

vielleicht.

Mal sehen.

Kein Versprechen.

 

Heute geh ich allein nach Hause.

Spät.
War ein guter Abend.

Jacke über der Schulter,
Kopf erstaunlich klar.

Dann kommt mir jemand entgegen.

Schwarzer Mantel.
Perfekte Haltung.
Dieses elegante Gothic-Ding.

Ach.

Der.

Jinx' Freund.

Natürlich.

Die Stadt ist offenbar
doch nicht groß genug.

 

Er erkennt mich sofort.

Das merke ich.

Denn der Blick,
den er mir zuwirft,

sieht aus,
als würde er gerade überlegen,
ob Mord die Konsequenzen wert ist.

Okay.

Freut mich auch,
dich zu sehen.

 

Wir laufen aufeinander zu.

Keiner bleibt stehen.

Gut.

Ich hab heute wirklich
keine Lust auf seine Fresse.

Noch ein paar Schritte.

Dann sind wir auf gleicher Höhe.

Er sieht mich an.

Kalt.
Wütend.
Verletzt?

Keine Ahnung.

Und sagt nur:

Toll gemacht.

Dann geht er weiter.

 

Toll gemacht?

Was zum Fick
soll das denn heißen?

Ich bleib kurz stehen,
dreh mich sogar noch mal um.

Er nicht.

Läuft einfach weiter,
als hätte er mir gerade
irgendwas Wichtiges gesagt.

Hab ich was verpasst?

Sollte ich wissen,
wovon der Typ redet?

Nein.

Ganz sicher nicht.

Also zuck ich mit den Schultern.

Nicht mein Problem.

[Bridge]

Vielleicht hat er getrunken.

Vielleicht ist er einfach
immer noch sauer wegen damals.

Vor ihrem Haus.

Ja.

Wahrscheinlich das.

Immerhin hatte ich ihn
am Kragen.

Nicht gerade
mein diplomatischster Abend.

Also gut.

Toll gemacht.

Danke.

Was auch immer.

 

Mir geht's gut.

Und ich werd mir das
von diesem Typen nicht versauen lassen.

Ich hatte einen guten Abend.

Hab gelacht.
Getrunken.
Geflirtet.

Bin allein gegangen,
weil ich allein gehen wollte.

Und jetzt geh ich nach Hause.

Keine Schlägerei.
Kein Drama.
Keine Jinx.

Nur zwei völlig sinnlose Worte
von einem Mann,
der mich offenbar immer noch hasst.

Damit kann ich leben.

Toll gemacht.

Ja.

Find ich eigentlich auch.

[Outro]

Meine Haustür.

Schlüssel rein.

Jacke auf den Stuhl.

Whiskey?

Nein.

Wasser.

Verdammt,
ich werde langweilig.

Ich denk noch einmal
an seinen Blick.

Und an diese zwei Worte.

Toll gemacht.

Seltsamer Typ.

Ich zuck mit den Schultern,
geh ins Schlafzimmer.

Morgen hab ich's vergessen.

Bestimmt.

Licht aus.

Gute Nacht.

Über dieser Stadt - Jinx 

Lyrics

Ende August.

Ich sitze auf einem Dach,
das mir nicht gehört.

Über einem Zimmer,
das sich nicht nach mir anfühlt.

Passt.

 

Fünf Leute in einer Wohnung.
Drei Frauen, zwei Männer.

Und dann ich.

Ja, ich weiß.
Rechnerisch bin ich eine der Frauen.

Gefühlt bin ich
eine eigene verdammte Spezies.

Sie beschriften Lebensmittel.
Wir haben einen Putzplan.
Einen echten.

Mit Farben.

Gestern wurde ich gefragt,
ob meine Stiefel im Flur
wirklich nötig sind.

Ich wohne bei Irren.

Sie halten mich für die Irre.

Unentschieden.

 

Also sitz ich über dieser Stadt
und versteh die Welt nicht mehr.

Da unten sind tausend Fenster,
aber keins davon ist meins.

Meine Möbel stehen in einem Lager.
Mein Leben passt in ein kleines Zimmer.

Und irgendwo zwischen all den Lichtern
sind zwei Männer,
die ich geliebt habe.

Einen hab ich verloren.

Den anderen
hatte ich schon vorher verloren.

Scheiße.

 

Mein Ex war kein schlechter Mann.

Das wäre einfacher.

Er hat mich geliebt.
Ich hab ihn geliebt.

Nur irgendwann hab ich gemerkt,
dass ich neben ihm
immer leiser geworden bin.

Und als er endlich wissen wollte,
was mit Ash ist,

hab ich zum ersten Mal
nicht gelogen.

Drei Tage später
stand mein Leben auf dem Gehweg.

Fair?

Vielleicht.

Tut trotzdem weh.

 

Also sitz ich über dieser Stadt,
während unten alles weitergeht.

Autos fahren.
Menschen lachen.
Irgendwo läuft Musik.

Als hätte niemand mitbekommen,
dass bei mir alles auseinanderfällt.

Frechheit eigentlich.

Könnte die Welt wenigstens
für fünf Minuten dramatisch regnen?

Nein.

Natürlich nicht.

Klarer Himmel.

Fick dich auch.

 

Und dann ist da Ash.

Natürlich ist da Ash.

Zehn Monate später
immer noch dieser verdammte Mann.

Ich weiß nicht mal, wo er ist.

Vielleicht zuhause.
Vielleicht unterwegs.

Vielleicht liegt irgendeine Frau
in seinem Bett.

Der Gedanke gefällt mir nicht.

Überhaupt nicht.

Aber was er macht,
geht mich nichts an.

Hab ich mir gesagt.

Mehrmals.

Hat bisher nicht geholfen.

 

Manchmal will ich ihn anrufen.

Nicht mal wegen Liebe.

Einfach weil ich jemanden brauche,
bei dem ich nicht erklären muss,
warum ich so bin.

Jemanden, der mich ansieht
und mich erkennt.

Aber ich tu es nicht.

Vielleicht aus Stolz.

Vielleicht aus Angst.

Wahrscheinlich beides.

 

Also sitz ich über dieser Stadt
und suche irgendwo mein Zuhause.

Nicht das mit vier Wänden.

Das andere.

Dieses Gefühl,
dass man irgendwo hingehört.

Bei meinem Ex war ich sicher,
aber irgendwann nicht mehr ich.

Bei Ash war ich ich,
aber irgendwann nicht mehr sicher.

Und jetzt?

Jetzt hab ich weder
das eine noch das andere.

Nur dieses Dach.

Und verdammt viel Stadt.

 

Wie zum Teufel
bin ich hier gelandet?

Vor einem Jahr
hatte ich eine Wohnung.

Ash.

Meine Möbel.

Mein Chaos.

Dann hatte ich einen anderen Mann,
ein schwarzes schönes Haus
und dachte vielleicht,
das wäre Erwachsensein.

Jetzt hab ich ein WG-Zimmer,
einen Putzplan

und fünfzehn Minuten Küchendienst
am Donnerstag.

Großartig.

Das Leben läuft fantastisch.

Scheiße.

Ich will nach Hause.

Ich weiß nur nicht,
wo das inzwischen ist.

 

Ich sitz über dieser Stadt
und plötzlich bin ich einfach müde.

Nicht wütend.
Nicht frech.
Nicht laut.

Nur müde.

Ich vermisse meinen Ex.

Ja.

Darf ich.

Ich habe ihn geliebt.

Und ich vermisse Ash.

Anders.

Mehr.

Verdammt.

Vielleicht ist genau das
das Problem.

Ich hab zwei Menschen verloren
und irgendwo dazwischen
auch ein Stück von mir.

Und keiner von beiden weiß,
dass ich hier oben sitze.

Allein.

 

Unten geht die Tür.

Bestimmt kontrolliert jemand,
ob ich den Müll getrennt habe.

Soll er hochkommen.

Ich beiße.

Ich seh noch einmal
über die Dächer.

Irgendwo da draußen
bist du, Ash.

Und ich hab keine Ahnung,
ob du überhaupt noch
an mich denkst.

Vielleicht besser so.

Ich zieh die Knie an mich.

Nur noch fünf Minuten.

Dann geh ich wieder runter.

In mein Zimmer.

Nicht nach Hause.

Nur runter.

Scheiße.

Ich bin so verdammt allein.


Nur eine fehlt - Ash 

Lyrics

Achtzehnter September.

Meine Wohnung ist voll.

Zu voll.

Perfekt.

Whiskey?

Ja.

Geburtstag kann losgehen.

 

Keine Ahnung, wer die Hälfte
dieser Leute eingeladen hat.

Wahrscheinlich ich.

War gestern vielleicht
eine beschissene Idee.

Heute nicht.

Musik viel zu laut,
Flaschen überall,
irgendwer sitzt auf meiner Küchenzeile.

Zwei alte Freunde streiten darüber,
wer mich länger kennt.

Beide erzählen Scheiße.

Ich lass sie.

Ist mein Geburtstag.

 

Mir geht's gut.

Sieht man doch.

Volle Wohnung,
Whiskeyglas in meiner Hand.

Leute lachen,
Musik drückt durch jede Wand.

Eine Blonde hängt an meiner Schulter,
eine andere kennt offenbar meinen Namen.

Verdammt guter Abend.

Also warum fällt mein Blick
immer wieder auf den Tisch?

Nur das Handy.

Nichts Besonderes.

 

Nachrichten hab ich genug.

Alles Gute.
Alter Sack.
Überleb noch ein Jahr.

Sehr kreativ.

Ich antworte irgendwann.

Vielleicht.

Das Display leuchtet.

Mein Blick ist sofort da.

Tom.

Natürlich.

Danke, Tom.

Hat mich wahnsinnig interessiert.

Handy wieder hinlegen.

Whiskey trinken.

Die Blonde sagt irgendwas
über meine Augen.

Ich grinse.

Funktioniert automatisch.

 

Mir geht's gut.

Verdammt gut sogar.

Eine Frau steht viel zu nah
und ich hab nichts dagegen.

Meine Freunde grölen irgendeinen Song,
den keiner von ihnen singen kann.

Ich lache mit.

Und trotzdem weiß ich,
wo mein Handy liegt.

Immer.

Als hätte ich einen verdammten Sensor.

Ich warte auf nichts.

Ganz sicher nicht.

Halt die Fresse.

 

Später wird es voller.

Dann langsam leerer.

Jemand bringt noch Whiskey.
Jemand küsst mich auf die Wange.

Eine Dunkelhaarige setzt sich
auf die Lehne neben mir.

Hübsch.

Sehr sogar.

Normalerweise wäre das
ein ziemlich eindeutiger Abend.

Heute seh ich wieder zum Tisch.

Display dunkel.

Scheiße.

Was soll's?

Vielleicht ist sie unterwegs.

Vielleicht hat sie's vergessen.

Vielleicht denkt sie einfach
nicht mehr an mich.

Oh.

Der war unnötig.

 

Zehn Monate.

Natürlich muss sie
meinen Geburtstag nicht mehr wissen.

Warum sollte sie?

Ich weiß ihren.

Das bedeutet nichts.

Gar nichts.

Verdammt.

Wie spät ist es?

 

Mir geht's gut.

Also hör auf,
mich so anzusehen.

Ja, ich hab Spaß.
Ja, die Party ist gut.

Ja, hier sind genug Frauen,
die heute Nacht gern bleiben würden.

Und nein,
ich warte nicht auf Jinx.

Ich kontrolliere nur die Uhr.

Und zufällig liegt
mein Handy daneben.

Seit drei Stunden.

Sehr glaubwürdig, Ash.

Fick dich.

 

Kurz vor Mitternacht.

Die Wohnung ist ruhiger.

Gläser auf dem Tisch.
Jacken verschwunden.

Ein paar Leute sind noch da.

Die Dunkelhaarige auch.

Sie lächelt mich an.

Ich lächle zurück.

Dann leuchtet das Display.

Mein Herz macht
diesen bescheuerten Sprung.

Nicht sie.

Natürlich nicht.

Ich dreh das Handy um.

Jetzt reicht's.

 

War ein guter Geburtstag.

Nein.

War ein verdammt guter Geburtstag.

Freunde.
Whiskey.
Lachen.
Frauen.

Alles da.

Fast alles.

Und ich hasse,
dass ausgerechnet eine Nachricht,
die nie gekommen ist,

plötzlich lauter ist
als dieser ganze verdammte Abend.

Sie schuldet mir nichts.

Ich weiß.

Wir sind seit zehn Monaten vorbei.

Ich weiß.

Vielleicht hat sie mich vergessen.

Ja.

Hab verstanden.

Musst du nicht wiederholen.

 

Mitternacht.

Na bitte.

Geburtstag vorbei.

Die Dunkelhaarige fragt,
ob sie noch bleiben soll.

Ich seh sie an.

Dann das Handy.

Nein.

Heute nicht.

Sie küsst mich kurz
und nimmt ihre Jacke.

Tür fällt zu.

Ich räum zwei Gläser weg.

Das Handy bleibt
mit dem Display nach unten liegen.

Ich werd nicht noch mal nachsehen.

Ganz sicher nicht.

Drei Sekunden.

Scheiße.

Ich dreh es um.

Nichts.

Alles Gute zum Geburtstag, Ash.

Danke.

Fick dich, Jinx.

Hättest ruhig dran denken können.

Zu spät ist auch noch heute

Lyrics

Seit einer halben Stunde.

Handy in der Hand.

Das ist lächerlich.

Es sind zwei Wörter.

Alles Gute.

Siehst du?

Einfach.

 

Ich tippe seinen Namen nicht mal,
der Chat ist längst offen.

Alles Gute zum Geburtstag.

Zu kalt.

Löschen.

Alles Gute, Arschloch.

Zu viel.

Löschen.

Ich hoffe, du hattest einen...

Oh Gott.

Löschen.

Handy weg.

Nein.

Wieder her.

Was zum Teufel ist falsch mit mir?

 

Schreib ihm einfach.

Zwei verdammte Wörter.

Du hast mit diesem Mann
fünf Jahre verbracht.

Du hast ihn nackt gesehen,
betrunken, wütend,
lachend auf dem Küchenboden.

Aber alles Gute
ist plötzlich zu persönlich?

Jinx.

Reiß dich zusammen.

Tippen.
Löschen.
Fluchen.

Noch mal.

 

Ich leg das Handy aufs Bett.

Fertig.

Dann eben nicht.

Ist besser so.

Bestimmt hat er sowieso
irgendeine Frau bei sich.

Super.

Jetzt bin ich sauer.

Auf eine Frau,
die vielleicht nicht existiert.

Läuft bei mir.

Ich greif wieder zum Handy.

Und seh auf die Uhr.

Nach Mitternacht.

Scheiße!

Nein.
Nein, nein, nein.

Fick!

Jetzt hab ich seinen Geburtstag
offiziell verpasst.

Großartig.

 

Nachricht schreiben?

Nein.

Zu spät.

Ich starre auf seinen Namen.

Dann auf das kleine Telefonsymbol.

Oh, das ist eine
noch beschissenere Idee.

Perfekt.

Ich drück drauf.

 

Es klingelt.

Einmal.

Mein Herz schlägt viel zu laut.

Zweimal.

Was mache ich hier?

Dreimal.

Auflegen.

Jetzt.

Dann geht er ran.

Und ich sage...

Nichts.

Natürlich.

Zehn Monate
und plötzlich hab ich keine Fresse mehr.

Beeindruckend.

 

Dann bring ich es irgendwie raus.

Alles Gute.

Etwas zu spät.

Stille.

Dann seine Stimme.

Und ich hör das Grinsen darin.

Nur ein bisschen zu spät?

Fick dich.

Da.

Schon besser.

Er lacht.

Ich auch.

Und plötzlich ist es nicht mehr
dieses schreckliche Telefonat,
vor dem ich Angst hatte.

Es ist nur Ash.

Und ich bin nur ich.

 

Er fragt, was ich gemacht hab.

Ich sage, nichts Besonderes.

Ich frag nach seiner Party.

Er erzählt von Whiskey,
zu vielen Leuten
und beschissener Musik.

Ich frage nach den Frauen.

Völlig beiläufig.

Natürlich.

Er lacht wieder.

Arschloch.

Und irgendwie lachen wir
fünf Minuten später über Pizza.

Unsere widerliche Lieblingspizza.

Die objektiv perfekt war.

Das behauptet zumindest einer von uns.

Ich.

 

Irgendwann wird es ruhiger.

Nicht unangenehm.

Einfach ruhig.

Wir reden über die letzten Monate.

Nicht über alles.

Noch nicht.

Er erzählt vom Meer.

Ich von der WG.

Er lacht so laut
über den farbigen Putzplan,
dass ich beleidigt sein sollte.

Bin ich nicht.

Ich hab dieses Lachen vermisst.

Scheiße.

Das sage ich natürlich nicht.

 

Irgendwann frag ich,
wie spät es ist.

Er sagt, ziemlich spät.

Draußen wird der Himmel heller.

Oh.

Wir haben die ganze Nacht geredet.

Wie früher.

Nur ohne Whiskey zwischen uns.

Ohne Streit.
Ohne fast.
Ohne Weglaufen.

Einfach geredet.

Und ich merke,
dass ich seit Stunden
nicht mehr traurig bin.

 

Vielleicht war ich zu spät
für deinen Geburtstag.

Aber irgendwie
war ich genau richtig für diese Nacht.

Wir haben gelacht,
uns beleidigt,
über völligen Schwachsinn geredet.

Dann über Dinge,
die ein bisschen mehr wehtun.

Und keiner hat aufgelegt.

Keiner hat gefragt,
was das jetzt bedeutet.

Keiner hat ein Versprechen gemacht.

Zum ersten Mal seit Monaten
musste nichts entschieden werden.

Du warst einfach da.

Am anderen Ende.

Und verdammt,
das hat sich gut angefühlt.

 

Der Morgen kommt.

Du gähnst.

Ich behaupte,
du wirst alt.

Du sagst,
ich war schon immer anstrengend.

Fick dich.

Du lachst.

Dann wird es still.

Aber diesmal
ist die Stille nicht schlimm.

Gute Nacht, Jinx.

Gute Nacht, Ash.

Kein Prinzessin.

Kein Arschloch.

Nur gute Nacht.

Ich leg auf.

Das Zimmer ist noch dasselbe.

Die WG ist noch dieselbe.

Mein Leben ist immer noch
ein verdammtes Durcheinander.

Aber ich lächle.

Nur ein bisschen.

Gute Nacht, Ash.

Nur ein Kaffee - Ash 

Lyrics

Natürlich.

Von allen Straßen dieser Stadt
nimmst du genau meine.

Einen Tag nach diesem Telefonat.

Zufall.

Klar.

Und jetzt steh nicht da
und grins so.

Scheiße.

 

Ich seh dich schon von Weitem.

Schwarz.
Zu laut.
Irgendwas an dir
ignoriert immer noch jede Umgebung.

Du siehst mich.

Bleibst stehen.

Und dieser Blick dauert
eine Spur zu lange.

Meiner vermutlich auch.

Du fragst,
ob ich dich jetzt verfolge.

Ich wohne hier, Jinx.

Du nennst das
eine schwache Ausrede.

Da sind wir also wieder.

Keine dreißig Sekunden
und du gehst mir schon auf den Sack.

Komisch.

Hab ich vermisst.

 

Das letzte Wort
bleibt selbstverständlich
in meinem Kopf.

Du musst ja nicht
gleich alles wissen.

 

Nur ein Kaffee.

Mehr ist das nicht.

Nur ein Tisch
an irgendeiner Straße.

Du gegenüber.

Ich angeblich genervt.

Und dein verdammtes Lachen
wieder viel zu laut.

Nur ein Kaffee.

Kein Zurück.
Kein Neubeginn.

Keiner muss heute wissen,
was das hier eigentlich ist.

Bleib einfach sitzen.

Ich beschwer mich schon,
wenn's mich stört.

 

Du bestellst etwas,
das hauptsächlich aus Zucker besteht.

Ich seh dein Glas an.

Dann dich.

Du fragst,
ob ich ein Problem habe.

Mehrere.

Deine Bestellung
ist überraschend weit unten auf der Liste.

Du klaust eine Pommes.

Dann noch eine.

Ich schieb den Teller
ein Stück von dir weg.

Du ziehst ihn zurück.

Zehn Monate.

Zehn verdammte Monate.

Und offenbar gehört mein Essen
immer noch dir.

Du nennst es Gemeinschaftseigentum.

Ich nenne es Diebstahl.

Du nennst mich geizig.

Ich bestell noch eine Portion.

Nur für mich.

Natürlich.

 

Nur ein Kaffee.

Mehr ist das nicht.

Inzwischen der zweite
und irgendwo kam Kuchen her.

Du gegenüber.

Immer noch laut.

Ich immer noch
bemerkenswert tolerant.

Nur ein Kaffee.

Ganz harmlos.

Bis ich irgendwann merke,
dass wir seit Stunden hier sitzen.

Scheiße, Jinx.

Mit dir war Zeit
schon immer schlecht im Rechnen.

 

Dann erzählst du von der WG.

Fünf Leute.

Beschriftetes Essen.

Feste Duschzeiten.

Und einen Putzplan.

Ich halte durch.

Wirklich.

Bis du sagst,
du hast donnerstags Küchendienst.

Danach ist es vorbei.

Du nennst mich Arschloch.

Ich kann kaum antworten.

Jinx mit Küchendienst.

Verdammt,
das Leben hat Humor.

Du trittst gegen meinen Schuh.

Nicht besonders fest.

Ich sage,
Gewalt löst keine Probleme.

Du verschluckst dich fast vor Lachen.

Okay.

Vielleicht hab ich
das ein bisschen provoziert.

 

Und plötzlich ist da
dieser eine Moment.

Keiner redet.

Du siehst mich an.

Ich dich.

Zu lange.

Wieder.

 

Nur ein Kaffee.

Mehr sollte es nicht sein.

Keine Vergangenheit
zwischen Tassen und Tellern.

Keine Frage,
die keiner beantworten will.

Nur du.

Nur ich.

Und dieses alte verdammte Ding
zwischen uns,

das offenbar nicht verstanden hat,
dass es längst vorbei sein sollte.

Nur ein Kaffee.

Also mach nichts draus.

Ich mach auch nichts draus.

Wir sind schließlich
erwachsene Menschen.

Hör auf zu lachen.

 

Deine Hand liegt auf dem Tisch.

Meine daneben.

Nicht nah genug
für einen Unfall.

Nah genug,
dass ich es merke.

Früher hätte einer von uns
irgendwas Dummes gemacht.

Heute nicht.

Heute lassen wir
die paar Zentimeter einfach liegen.

Und komischerweise
fühlt sich genau das gut an.

Kein Kuss.

Keine Berührung.

Kein verdammtes Drama.

Nur du,
die mir erzählst,
warum deine Mitbewohner
deine Frühstücksflocken verstecken.

Und ich,
der zum ersten Mal seit Langem
nirgendwo anders sein will.

Scheiße.

Das war jetzt
fast zu ehrlich.

 

Nur ein Kaffee.

Mittlerweile ist die Sonne tiefer.

Die Leute am Nebentisch
sind längst andere.

Du bist noch da.

Ich auch.

Nur ein Kaffee.

Kein Versprechen.

Kein großes
Was-wird-jetzt-aus-uns.

Vielleicht müssen wir
ausnahmsweise nichts kaputtreden.

Vielleicht reicht es,
dass du lachst

und ich so tue,
als würde es mich nerven.

Dass dein Blick bleibt.

Meiner auch.

Und dass sich ein Nachmittag
mit dir plötzlich leichter anfühlt

als die letzten zehn Monate
ohne dich.

Scheiße.

Vergiss den letzten Satz.

 

Du sagst,
du solltest langsam gehen.

Ich sage ja.

Du fragst,
ob ich dich loswerden will.

Offensichtlich
funktioniert es nicht.

Du grinst wieder.

Dann dieses eine Wort.

Morgen?

Ich könnte Nein sagen.

Sollte vielleicht.

Stattdessen:

Vielleicht.

Du nennst mich Arschloch.

Ich nenne dich Prinzessin.

Du gehst ein paar Schritte,
drehst dich noch einmal um.

Ich bin natürlich
immer noch da.

Bis morgen, Jinx.

Nur ein Kaffee.

Klar.

Nicht mal leise - Jinx 

Lyrics

Ach, fick dich.

Natürlich bist du das.

Einen Tag nach unserem Telefonat.

Mitten in der Stadt.

Und natürlich
siehst du auch noch gut aus.

Unverschämtheit.

 

Ich seh dich
und mein erster Gedanke ist:

Weitergehen.

Mein zweiter:

Warum?

Du siehst mich auch.

Dieser Blick.

Eine Sekunde.

Zwei.

Definitiv zu lang.

Also frag ich,
ob du mich verfolgst.

Du sagst,
du wohnst hier.

Langweilige Antwort.

Ich grinse trotzdem.

Du auch.

Scheiße.

Das ging schnell.

 

Eigentlich hab ich keine Zeit.

Sag ich.

Du glaubst mir kein Wort.

Natürlich nicht.

 

Und plötzlich sitz ich da.

Mit dir.

Mitten in dieser Stadt.

Lache zu laut
und keinen interessiert's.

Na gut.

Drei Leute interessiert's.

Dir nicht.

Du verdrehst nur die Augen
und grinst in deinen Kaffee.

Ich muss nicht leiser.

Nicht braver.

Nicht anders.

Nur ein Nachmittag.

Nur ein Arschloch gegenüber.

Und verdammt,

ich hab vergessen,
wie gut sich das anfühlt.

 

Du starrst meine Bestellung an,
als hätte ich gerade
ein Verbrechen begangen.

Zu viel Zucker?

Gibt es nicht.

Ich klaue eine Pommes.

Du schiebst den Teller weg.

Ich zieh ihn zurück.

Du nennst das Diebstahl.

Ich nenne es
historisch gewachsenes Besitzrecht.

Du bestellst noch eine Portion.

Angeblich für dich.

Süß.

Sag ich natürlich nicht.

Ich hab schließlich
einen Ruf zu verlieren.

Und während du irgendwas
über meine Ernährung murmelst,

sehe ich dich an.

Kürzere Haare.

Dieses schwarze Hemd.

Diese verdammten Hände.

Jinx.

Augen hoch.

 

Und plötzlich sitz ich da.

Mit dir.

Schon beim zweiten Kaffee.

Lache zu laut
und keinen interessiert's.

Du beschwerst dich.

Aber ich kenn dich.

Deine Mundwinkel
verraten dich jedes Mal.

Ich muss nicht leiser.

Nicht braver.

Nicht passend.

Du nennst mich Katastrophe

und irgendwie klingt das bei dir
immer noch wie ein Kompliment.

Scheiße.

Das hab ich vermisst.

 

Dann mach ich den Fehler
und erzähl von der WG.

Putzplan.

Feste Regeln.

Beschriftetes Essen.

Du hältst dich erstaunlich gut.

Bis Küchendienst.

Donnerstags.

Und dann lachst du.

Richtig.

Nicht dieses arrogante Grinsen.

Dieses echte Lachen.

Arschloch.

Ich trete gegen deinen Schuh.

Du behauptest,
Gewalt löst keine Probleme.

Jetzt lache ich auch.

Viel zu laut.

Eine Frau am Nebentisch
sieht mich böse an.

Ich lächle ihr freundlich zu.

Du sagst meinen Namen
in diesem Ton.

Jinx.

Ja?

Nichts.

Genau.

 

Dann wird es kurz still.

Nicht unangenehm.

Nur still.

Deine Augen auf meinen.

Meine auf deinen.

Keiner rettet sich
mit einem Spruch.

 

Und plötzlich sitz ich da.

Mit dir.

Die Sonne schon viel tiefer.

Keine Ahnung,
wann das passiert ist.

Vielleicht zwischen
Pommes und Beleidigungen.

Vielleicht beim Lachen.

Vielleicht schon gestern Nacht.

Ich muss nichts erklären.

Du fragst nichts,
was heute eine Antwort braucht.

Ich muss nicht leiser.

Nicht braver.

Nicht weniger ich.

Und ausgerechnet bei dir

fällt mir wieder ein,
wie sich das anfühlt.

 

Deine Hand liegt auf dem Tisch.

Meine daneben.

Ein paar Zentimeter.

Lächerlich wenig.

Ich könnte sie bewegen.

Du auch.

Tun wir nicht.

Und das ist neu.

Früher hätten wir
wahrscheinlich längst
irgendeine Scheiße gebaut.

Heute sitzen wir einfach da.

Du erzählst irgendwas.

Ich hör kaum zu.

Weil deine Hand da liegt.

Weil du da sitzt.

Weil ich nicht weiß,
was das hier wird.

Und zum ersten Mal
macht mir genau das
nicht sofort Angst.

Vielleicht muss es heute
gar nichts werden.

Vielleicht darf etwas
einfach schön sein.

Gott.

Widerlich.

Schnell was Unanständiges denken.

Besser.

 

Und plötzlich sitz ich da.

Mit dir.

Mitten in dieser Stadt.

Nicht in meiner WG.

Nicht bei ihm.

Nicht irgendwo,
wo ich mich falsch anfühle.

Einfach hier.

Ich lache zu laut.

Du bist gespielt genervt.

Ich klaue dein Essen.

Du lässt mich.

Unsere Blicke bleiben
immer noch zu lange hängen.

Aber keiner rennt los.

Keiner küsst irgendwen.

Keiner verspricht irgendwas.

Und vielleicht ist genau das
diesmal richtig.

Nur ein Nachmittag.

Nur Ash und Jinx.

Nur dieses alte Kribbeln,
das offenbar zehn Monate
nicht totgekriegt haben.

Fick dich.

Das fühlt sich gut an.

 

Ich sage,
ich sollte gehen.

Du sagst ja.

Frechheit.

Also frage ich,
ob du mich loswerden willst.

Natürlich nicht.

Sagst du nicht.

Musst du auch nicht.

Ich kenne dein Gesicht.

Dann frag ich:

Morgen?

Du lässt mich warten.

Natürlich.

Vielleicht.

Arschloch.

Prinzessin.

Ich gehe.

Nach ein paar Schritten
drehe ich mich um.

Du stehst noch da.

Und ich lächle
den ganzen verdammten Weg
zurück in meine WG.

Bis morgen, Ash.


Völlig entspannt - Ash

Lyrics

Nein.

Zu früh.

Definitiv zu früh.

Ich leg das Handy weg.

...

Nehm es wieder.

Scheiße.

 

Seit einer Stunde bin ich zu Hause.

Vielleicht zwei.

Keine Ahnung.

Ich sitz auf meinem Sofa
und grinse wie ein Idiot.

Wegen nichts natürlich.

War nur Kaffee.

Und Pommes.

Meine Pommes.

Zumindest theoretisch.

Du hast gelacht.
Ich hab gelacht.

Ein völlig normaler Nachmittag.

Passiert ständig.

Bestimmt.

Ich seh aufs Handy.

Keine Nachricht.

Warum auch?

Wir haben uns gerade erst gesehen.

Also wirklich.

Entspann dich, Ash.

 

Ich öffne deinen Chat.

Schließe ihn wieder.

Öffne ihn.

Nein.

Das ist erbärmlich.

 

Völlig entspannt.

Alles unter Kontrolle.

Ich lauf nur zum dritten Mal
durch mein eigenes Wohnzimmer.

Völlig entspannt.

Ich will dir auch gar nicht schreiben.

Ich überlege nur rein theoretisch,
was man schreiben könnte,

wenn man schreiben wollte.

Was ich nicht will.

Offensichtlich.

Scheiße.

Warum grinse ich schon wieder?

 

Vielleicht:

War nett heute.

Nein.

Klingt wie ein verdammtes
Mitarbeitergespräch.

Danke für den Nachmittag.

Gott.

Noch schlimmer.

Bin gut zu Hause angekommen.

Ich war fünf Straßen entfernt.

Idiot.

Ich werf das Handy aufs Sofa.

Bleibt da.

Zehn Sekunden.

Dann hol ich es wieder.

Nur weil es da
so bescheuert liegt.

Nicht wegen dir.

Ganz sicher nicht wegen dir.

 

Völlig entspannt.

Alles unter Kontrolle.

Ich steh jetzt in der Küche
und weiß nicht mal warum.

Völlig entspannt.

Du gehst mir überhaupt nicht
durch den Kopf.

Außer dein Grinsen.

Dein Lachen.

Deine Hand auf dem Tisch.

Diese paar Zentimeter.

Dein verdammtes
Morgen?

Okay.

Vielleicht ein bisschen.

 

Ich mach den Kühlschrank auf.

Nichts Interessantes.

Mach ihn wieder zu.

Zwei Minuten später
steh ich erneut davor.

Vielleicht liegt zwischen Käse
und Whiskey inzwischen
eine vernünftige Nachricht.

Tut es nicht.

Schade.

Ich nehme den Whiskey.

Stell ihn wieder hin.

Heute brauch ich den nicht.

Und darüber muss ich
schon wieder lachen.

Was zur Hölle
ist eigentlich mit mir los?

Zehn Monate lang
krieg ich mein Leben
irgendwie sortiert.

Dann sitzt du einen Nachmittag
vor mir,

klaust mein Essen,

trittst gegen meinen Schuh,

und plötzlich überlege ich,
ob ein Smiley zu viel wäre.

Ein Smiley.

Ich.

Fick dich, Jinx.

 

Das Schlimmste ist:

Ich bin nicht mal genervt.

Nicht wirklich.

Ich hab verdammt gute Laune.

Widerlich.

 

Völlig entspannt.

Alles unter Kontrolle.

Ich hab deinen Chat
nur zufällig wieder offen.

Völlig entspannt.

Und dieses Dauergrinsen
bedeutet gar nichts.

Nur ein Kaffee.

Nur ein Nachmittag.

Nur ein Blick,
der etwas zu lange blieb.

Nur dein Lachen
noch immer in meinem Kopf.

Nur dieses beschissene Gefühl,

dass ich dich morgen
wirklich wiedersehen will.

Na toll.

 

Vielleicht schreib ich einfach:

Hey.

Nein.

Zu wenig.

Hey, Prinzessin.

Zu viel.

Schon Ärger mit dem Putzplan?

...

Okay.

Der ist gut.

Nein.

Ash.

Lass es.

Sie weiß sowieso,
dass du sie sehen willst.

Moment.

Weiß sie das?

Scheiße.

Vielleicht sollte sie das wissen.

Nicht alles.

Nur ein bisschen.

Gerade genug.

Ich setz mich wieder hin.

Handy in der Hand.

Dein Name auf dem Display.

Und ich muss über mich selbst lachen.

Wenn mich irgendwer so sehen könnte,

würde ich ihn umbringen.

 

Völlig entspannt.

Natürlich.

Nur mein Herz scheint
diese Information nicht zu haben.

Völlig entspannt.

Während ich seit einer halben Ewigkeit
an sechs Wörtern arbeite.

Kein Drama.

Keine Liebeserklärung.

Kein großes
Was-ist-das-jetzt-mit-uns.

Nur eine Nachricht.

Nur Jinx.

Nur ich.

Und offenbar bin ich wieder
genau der Trottel,

der auf sein Handy grinst,
bevor er überhaupt
etwas abgeschickt hat.

Scheiße.

Na gut.

 

Ich tippe:

Schon Ärger mit dem Putzplan?

Sehe es mir an.

Nicht peinlich.

Nicht zu viel.

Perfekt dosiertes Desinteresse.

Ja.

Das ist gut.

Senden.

...

Zugestellt.

Ich lege das Handy weg.

Ganz entspannt.

Drei Sekunden später
hab ich es wieder in der Hand.

Fick dich, Jinx.

Schreib zurück.

Nur wegen dem Putzplan - Jinx 

Lyrics

Schon Ärger mit dem Putzplan?

Ich starre auf deine Nachricht.

Grinse.

Nein.

Auf keinen Fall.

Ich grinse nicht.

Aus der Küche ruft jemand meinen Namen.

Donnerstag.
Küchendienst.

Ach, fick dich.

Ich drück auf Anrufen.

 

Du gehst ran.

Und da ist deine Stimme.

Scheiße.

Viel zu schön,
dich wieder zu hören.

Also sage ich natürlich:

Du störst.

Du lachst.

Ich hab angerufen, Ash.

Details.

Aus der Küche
klappert demonstrativ Geschirr.

Ich schließe meine Tür.

Problem gelöst.

Du fragst,
ob ich mich gerade
vorm Putzen drücke.

Nein.

Ich drücke mich
vor meinen Mitbewohnern.

Das Putzen ist nur Bonus.

 

Nur wegen dem Putzplan.

Darum ruf ich an.

Nicht wegen deiner Stimme
und nicht wegen gestern.

Nicht weil ich seit deiner Nachricht
grinse wie bescheuert.

Nur wegen dem Putzplan.

Ganz einfache Sache.

Ich brauchte eine Ausrede.

Du warst zufällig da.

Also bild dir nichts ein.

Und hör auf zu lachen.

Arschloch.

 

Wir reden irgendeinen Blödsinn.

Über meine WG.

Über deine Pommes.

Über die Tatsache,
dass du offenbar immer noch glaubst,
sie hätten dir gehört.

Dann wird es still.

Nur kurz.

Aber diesmal
rettet keiner den Moment
mit einem Spruch.

Du fragst,
wie es mir wirklich geht.

Scheiß Frage.

Ich sage:

Besser.

Nicht gut.

Besser.

Und plötzlich reden wir
über zehn Monate.

Nicht über gestern.

Nicht über heute.

Über alles dazwischen.

 

Über Nächte,
in denen ich deinen Namen
nicht schreiben wollte.

Über Straßen,
die ich gemieden habe.

Über diesen verdammten Versuch,
ein Leben zu bauen,

in dem du
nicht mehr vorkommst.

 

Nicht nur wegen dem Putzplan.

Na schön.

Vielleicht auch wegen dir.

Vielleicht war deine Stimme
gestern viel zu vertraut.

Vielleicht war der Nachmittag
viel zu einfach.

Vielleicht hab ich dich vermisst.

Da.

Ist raus.

Sag nichts Dummes.

Bitte.

Du bist kurz still.

Dann sagst du:

Ich dich auch.

Scheiße.

 

Irgendwann kommt er zur Sprache.

Mein Ex.

Schon bei seinem Namen
hör ich dich ausatmen.

Ich kenne dieses Geräusch.

Du mochtest ihn nie.

Du sagst,
das sei sehr freundlich formuliert.

Ich muss lachen.

Dann nicht mehr.

Ich erzähle dir,
dass ich ihn wirklich geliebt habe.

Dass er gut zu mir war.

Dass ich ihn trotzdem
nicht genug lieben konnte,
um dich aus meinem Kopf zu kriegen.

Du wirst still.

Nicht siegessicher.

Nicht arrogant.

Einfach still.

Und dafür bin ich dir
gerade verdammt dankbar.

 

Dann erzählst du von dir.

Von Frauen.

Mehr als einer.

Mehr als ich hören wollte.

Ja.

Das sticht.

Fick dich dafür.

Du sagst,
sie hätten nichts falsch gemacht.

Du warst das Problem.

Du wolltest nachts
nicht allein sein.

Wolltest morgens
nichts fühlen.

Ein Körper neben dir.

Ein bisschen Wärme.

Irgendwas,
das mich für ein paar Stunden
aus deinem Kopf drängt.

Hat nicht funktioniert.

Natürlich nicht.

Du klingst fast genervt davon.

Ich sollte einen Spruch machen.

Mach ich nicht.

 

Wir haben uns vermisst.

Da ist es jetzt.

Ohne Witz.
Ohne Hintertür.

Zehn Monate
voller anderer Menschen,

anderer Betten,
anderer Wohnungen,
anderer verdammter Pläne.

Und trotzdem du.

Und trotzdem ich.

Wir haben uns vermisst.

Das macht nichts einfacher.

Aber zum ersten Mal
tun wir auch nicht so,
als wäre es gelogen.

Und irgendwie
kann ich wieder atmen.

 

Ich frage,
ob du glücklich warst.

Du sagst:

Manchmal.

Ich verstehe das.

Ich war es auch.

Manchmal.

Das ist vielleicht
das Beschissenste daran.

Wir haben weitergelebt.

Wir haben gelacht.

Wir haben andere Menschen geküsst.

Ich hab versucht,
mit jemand anderem
ein Zuhause zu bauen.

Du hast versucht,
mich in fremden Armen
leiser zu machen.

Und keiner von uns
hat die ganze Zeit
am Boden gelegen.

Aber irgendwo dazwischen

hat immer etwas gefehlt.

Du mir.

Ich dir.

So einfach.

So beschissen.

 

Nicht wegen dem Putzplan.

Nicht mehr.

Ich hab angerufen,
weil ich deine Nachricht wollte.

Weil ich gestern wollte.

Weil ich deine Stimme
viel zu gern höre.

Weil ich dich vermisst habe.

Scheiße, Ash.

Ich hab dich
wirklich vermisst.

Und diesmal
mach ich keinen Witz daraus.

Du auch nicht.

Kein Vielleicht.

Kein Fast.

Keine Ausrede.

Nur zwei Idioten
an zwei Telefonen,

die zehn Monate gebraucht haben,
um einen einfachen Satz zu sagen.

Ich hab dich vermisst.

Ich dich auch.

Verdammt.

Das tut gut.

 

Aus der Küche
ruft wieder jemand meinen Namen.

Ich verdrehe die Augen.

Du fragst,
ob ich jetzt putzen gehe.

Natürlich nicht.

Prioritäten.

Du lachst.

Ich auch.

Dann wird es wieder ruhig.

Aber nicht unangenehm.

Ash?

Ja?

Schön,
dass du geschrieben hast.

Kurze Pause.

Dann deine Antwort.

Schön,
dass du angerufen hast.

Scheiße.

Jetzt grinse ich wirklich.

Und die Küche
kann mich mal.


Schlechtes Timing - Ash 

Lyrics

Es klingelt.

Ich seh zur Tür.

Eigentlich erwarte ich niemanden.

Vielleicht Paket.

Vielleicht Nachbar.

Vielleicht irgendein Idiot.

Ich mach auf.

Schwarze Haare.

Lila Strähne.

Ach.

Scheiße.

Dich gab's ja auch noch.

 

Zwei Tage.

Jinx nicht gesehen.

Nur gehört.

Stundenlang.

Gestern bis tief in die Nacht,
vorgestern kaum weniger.

Mein Handy wird inzwischen warm,
wenn ihr Name draufsteht.

Und ich?

Unverschämt gute Laune.

Wirklich widerlich.

Dann stehst du plötzlich hier
und siehst mich an,
als wäre zwischen uns
noch irgendwas offen.

Ich lehne am Türrahmen.

Du fragst,
ob du reinkommen kannst.

Nein.

Dein Blick verändert sich.

Na toll.

Das wird so ein Gespräch.

 

Ich hatte dir nichts versprochen.

Damals nicht.

Heute erst recht nicht.

Und bevor du aus meinem Schweigen
irgendeine Hoffnung baust,

mach ich es lieber
unangenehm eindeutig.

 

Schlechtes Timing.

Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Du stehst vor meiner Tür
und ich will gerade zu einer anderen.

Ja.

Genau der.

Spar dir den Blick.

Ich weiß noch,
was ich damals gesagt hab.

Keine Zukunft.
Keine Versprechen.

Ein paar Nächte.

Mehr war das nie.

Schlechtes Timing.

Oder vielleicht perfektes.

Denn wenn du wissen willst,
ob hier noch irgendwas geht:

Nein.

 

Du fragst,
ob es wegen Jinx ist.

Ich grinse.

Offenbar reicht das
schon als Antwort.

Du nennst mich Arschloch.

Endlich sind wir uns einig.

Ich hätte höflicher sein können.

Bestimmt.

Irgendwo gibt es Männer,
die für sowas bessere Sätze haben.

Tut mir leid.

Du bist großartig.

Es liegt an mir.

Wir können Freunde bleiben.

Gott, nein.

Bevor ich so eine Scheiße sage,
bin ich lieber ehrlich.

Du warst Ablenkung.

Ich war einsam.

Wir hatten Spaß.

Und du wusstest,
dass ich dir nichts geben werde.

 

Du hast nichts falsch gemacht.

Das macht es nicht komplizierter.

Nur beschissener.

Denn ich kann dir nicht mal
einen guten Grund geben,
mich zu hassen.

Außer mich.

Reicht vermutlich.

 

Schlechtes Timing.

Du hättest gestern kommen können.

Vor einer Woche.

Vor einem Monat.

Die Antwort wäre vielleicht
weniger kalt gewesen.

Aber heute?

Heute hab ich keine Lust mehr,
so zu tun,
als wäre mir egal,
wo ich eigentlich hinwill.

Und das ist nicht hier.

Nicht mit dir.

Nicht irgendeine Nacht,
die morgen nichts bedeutet.

Ich will zu Jinx.

Scheiße.

Hab ich das gerade
wirklich gesagt?

Na dann.

Jetzt weißt du's wenigstens.

 

Du fragst,
ob wir jetzt wieder zusammen sind.

Nein.

Keine Ahnung.

Vielleicht.

Nicht offiziell.

Nicht irgendwie.

Wir sind gerade...

Scheiße.

Was sind wir eigentlich?

Du lachst bitter.

Zu Recht.

Ich klinge wie ein Trottel.

Aber zum ersten Mal
seit verdammt langer Zeit
stört mich das nicht.

Denn zwei Tage lang
hab ich mit ihr telefoniert,

bis keiner mehr wusste,
warum wir überhaupt
noch nicht aufgelegt hatten.

Über nichts.

Über alles.

Über damals.

Über jetzt.

Und jedes verdammte Mal,
wenn sie lacht,

weiß ich wieder,
warum alle anderen
nie funktioniert haben.

 

Du siehst mich an.

Dann fragst du:

War ich wirklich nur Trost?

Scheiße.

Da ist sie.

Die eine Frage,
bei der selbst ich
nicht grinsen kann.

Ja.

Nicht weil du nicht gereicht hast.

Weil du nie diejenige warst,
die gefehlt hat.

Stille.

Das war hart.

Aber eine schöne Lüge
wäre noch beschissener.

Du nickst.

Einmal.

Dann drehst du dich um.

Keine Szene.

Kein Glas an der Wand.

Fast schade.

Du gehst.

Und ich bleib noch kurz
in der offenen Tür stehen.

 

Schlechtes Timing.

Für dich jedenfalls.

Für mich fühlt sich gerade
zum ersten Mal seit Monaten
verdammt viel richtig an.

Keine fremden Betten.

Keine Ablenkung.

Kein Vielleicht für jemanden,
den ich gar nicht will.

Ich hab genug davon,
Jinx überall zu suchen,

außer da,
wo Jinx tatsächlich ist.

Also scheiß auf Timing.

Scheiß auf vernünftig.

Scheiß auf die Frage,
was wir morgen daraus machen.

Heute weiß ich,
wo ich hinwill.

Und für den Anfang
reicht mir das.

 

Tür zu.

Schlüssel.

Jacke.

Handy.

Ich sehe auf unsern Chat.

Keine neue Nachricht.

Gut.

Dann bekommt sie
auch keine.

Ich gehe die Treppe runter.

Draußen ist es kühl.

Ich steck die Hände
in die Jackentaschen

und muss schon wieder grinsen.

Zwei Tage
haben wir uns nicht gesehen.

Viel zu lang.

Ich schreib nicht.

Ich ruf nicht an.

Diesmal klingel ich einfach.

Mal sehen,
was Prinzessin dazu sagt.

Fick dich, Jinx.

Ich bin unterwegs.

Dann Küss mich halt - Jinx 

Lyrics

Es klingelt.

Ich bin gerade beschäftigt.

Also eigentlich streite ich.

Ist auch eine Beschäftigung.

Dann mach ich die Tür auf.

Ash.

Oh.

Scheiße.

 

Du stehst da,
Hände in den Jackentaschen,

dieses Grinsen im Gesicht.

Ich starre dich an.

Du mich.

Hinter mir sagt jemand:

Jinx, wir waren noch nicht fertig.

Doch.

Waren wir.

Offenbar nicht.

Du hebst eine Augenbraue.

Sag kein Wort.

Ich kenn diesen Blick.

Du findest das lustig.

Arschloch.

Ich lass dich rein.

Und drehe mich sofort wieder um.

 

Der Putzplan ist bescheuert.

Da.

Ich hab's gesagt.

Wenn fünf Menschen hier wohnen,
sieht die Küche
eine halbe Stunde später
sowieso wieder aus wie vorher.

Warum soll ich also
Donnerstag um sieben
eine verdammte Arbeitsplatte polieren,

als käme Freitagmorgen
die Queen vorbei?

Du lehnst an der Wand.

Grinst.

Immer noch.

Einer meiner Mitbewohner erklärt,
es gehe ums Prinzip.

Natürlich.

Das Prinzip.

Heilige Scheiße.

Ich frage,
ob das Prinzip auch abwäscht.

Du hustest.

Nein.

Du lachst.

 

Ich zeige auf dich.

Kein Wort, Ash.

Du hebst beide Hände.

Ich hab nichts gesagt.

Dein Gesicht schon.

 

Und du stehst einfach da
und siehst mich an,

als hättest du genau das
verdammt noch mal vermisst.

Zu laut.

Zu stur.

Zu viel.

Ich diskutiere über einen Putzplan,

und du grinst,
als wäre ich gerade
das Beste an deinem Tag.

Scheiße.

Vielleicht hab ich genau das vermisst.

Jemanden,
der mich nicht leiser haben will.

Nur näher.

 

Irgendwann gebe ich auf.

Nicht weil sie recht haben.

Das möchte ich
ausdrücklich festhalten.

Ich pack dich am Ärmel.

Komm.

Bevor ich jemanden
mit dem Wischmopp erschlage.

In meinem Zimmer
mach ich die Tür zu.

Du siehst dich um.

Kleines Bett.

Kisten.

Klamotten auf dem Stuhl.

Mein halbes Leben
auf viel zu wenig Quadratmetern.

Du sagst nichts dazu.

Danke.

Stattdessen setzt du dich.

Ich mich daneben.

Viel zu dicht.

Absichtlich?

Keine Ahnung.

 

Dann fängst du an:

Jinx,
es geht ums Prinzip.

Genau diese Stimme.

Ich schlage dir gegen den Arm.

Du machst weiter.

Wir müssen alle
Verantwortung übernehmen.

Jetzt äffe ich die andere nach.

Donnerstag ist nun mal
dein Küchentag.

Du lachst.

Ich auch.

Viel zu laut.

Von draußen kommt:

Wir können euch hören!

Wir sehen uns an.

Noch schlimmer.

Jetzt können wir
gar nicht mehr aufhören.

 

Und du sitzt einfach da
und siehst mich an,

als wären zehn Monate
plötzlich viel zu lang gewesen.

Dein Knie an meinem.

Deine Schulter an meiner.

Keiner rückt weg.

Ich erzähle irgendeinen Blödsinn,

aber ich weiß längst nicht mehr,
was ich eigentlich sage.

Weil dein Mund
viel zu nah ist.

Weil du plötzlich
nicht mehr lachst.

Weil ich auch
nicht mehr lache.

Oh.

Scheiße.

 

Da ist er wieder.

Dieser Moment.

Wie auf der Bank.

Nur diesmal kein Freund,
zu dem ich zurückmuss.

Keine Ausrede.

Keine verdammte Grenze,
hinter der ich mich verstecken kann.

Nur du.

Nur ich.

Und ein paar Zentimeter,
die langsam lächerlich werden.

Du siehst auf meinen Mund.

Ich auf deinen.

Natürlich.

Wir sind wirklich
zwei verdammte Genies.

Zehn Monate.

Andere Menschen.

Andere Betten.

Streit.

Tränen.

Whiskey.

Eine beschissene WG.

Und jetzt sitzen wir hier

und trauen uns plötzlich nicht,
fünf Zentimeter zu überbrücken.

 

Du sagst leise:

Jinx.

Ich weiß.

Mehr kommt nicht.

Mehr brauch ich nicht.

 

Dann küss mich halt.

Nein.

Ich sag es nicht mal.

Ich denk es nur.

Aber vielleicht
siehst du es mir an.

Denn deine Hand
liegt plötzlich an meinem Gesicht.

Und ich hab gerade noch Zeit
zu denken:

Endlich.

Dann küsst du mich.

Scheiße.

Du küsst mich wirklich.

Und ich küsse dich zurück,

als hätte ich zehn Monate lang
genau darauf gewartet.

Vielleicht hab ich das.

Keine Ahnung.

Gerade scheißegal.

Deine Hand in meinem Haar.

Meine Finger an deinem Shirt.

Kein Fast.

Kein Beinahe.

Kein Rückzug.

Nur du.

Nur ich.

Endlich.

 

Als wir uns voneinander lösen,

bist du noch so nah,
dass deine Stirn fast meine berührt.

Ich grinse.

Du auch.

Natürlich musst du es ruinieren.

Du sagst:

Also...

Donnerstag Küchendienst?

Ich starre dich an.

Du lachst schon.

Fick dich, Ash.

Ich zieh dich wieder zu mir.

Und küsse dich nochmal.

Draußen klopft jemand gegen die Tür.

Jinx!

Die Küche!

Ich löse mich gerade weit genug,
um zurückzurufen:

Eine halbe Stunde!

Du siehst mich an.

Eine halbe Stunde?

Halt die Fresse.

Und küss mich.


Lässt du das Hier? - Ash

Lyrics

Deine Schuhe.

Mitten im Wohnzimmer.

Natürlich.

Wo sollten Schuhe
auch sonst stehen?

Ich sehe sie an.

Dann muss ich grinsen.

Scheiße.

Es fängt wieder an.

 

Draußen klebt Herbst
an den Fenstern.

Regen auf dem Glas,
grauer Himmel,

und ich sitze auf dem Sofa
mit Kaffee in der Hand.

Eigentlich alles ruhig.

Bis man sich
in diesem Raum mal umsieht.

Deine Jacke über meinem Sessel.

Ein Shirt darunter.

Zwei Ringe auf dem Couchtisch.

Eine Haarklammer,
die definitiv nicht mir gehört.

Hoffe ich zumindest.

Und deine Schuhe.

Immer noch
mitten im verdammten Wohnzimmer.

 

Du warst gestern hier.

Vorgestern auch.

Und jedes Mal,
wenn du gehst,

bleibt irgendwas von dir zurück.

Zufall.

Bestimmt.

 

Lässt du das hier?

Oder ist das schon Absicht?

Erst ein Ring,
dann deine Jacke,

jetzt steht dein halbes Leben
zwischen meinen Sachen.

Du ziehst nicht bei mir ein.

Natürlich nicht.

Du vergisst nur
erstaunlich systematisch,

alles wieder mitzunehmen.

Und ich?

Ich räum nichts weg.

Warum auch?

Steht doch gut da.

Verdammt gut sogar.

 

Im Bad steht inzwischen
dein Shampoo.

Du meintest,
das wäre praktischer.

Klar.

Neben meiner Zahnbürste
steht jetzt deine.

Auch praktisch.

Im Kühlschrank
dieses widerliche Zeug,
das du morgens trinkst.

Praktisch.

In meiner Schublade
liegt Unterwäsche von dir.

Sehr praktisch.

Ich lehne in der Küche
und lache über mich selbst.

Wenn das so weitergeht,
brauchst du bald
keine Tasche mehr.

Nur noch einen Schlüssel.

Moment.

Nein.

Langsam, Ash.

 

Lässt du das hier?

Nur rein zufällig?

Deine Ketten auf dem Tisch,
deine Stiefel vor der Tür.

Dein verdammtes Chaos
kriecht durch meine Wohnung,

Stück für Stück,
Tag für Tag.

Und ich könnte mich beschweren.

Hab ich früher schließlich auch.

Nur war das damals gelogen.

Und heute?

Heute seh ich deine Sachen
zwischen meinen

und denke:

Ja.

Genau so.

 

Früher war hier
eine Zeit lang alles ordentlich.

Unheimlich ordentlich.

Kein Glas am falschen Platz.

Keine Jacke auf dem Sessel.

Keine Frau,
die morgens flucht,

weil sie ihren zweiten Schuh
nicht findet.

Herrlich.

Wirklich.

Ein Traum.

Ich hab's gehasst.

Jetzt liegt dein Schmuck
auf meinem Couchtisch,

als wäre das
der selbstverständlichste Ort der Welt.

Und plötzlich sieht die Wohnung
wieder aus,

als würde hier jemand leben.

Nicht irgendjemand.

Du.

 

Interessant.

Wie viel Platz
ein Mensch einnehmen kann,

selbst wenn er
gerade gar nicht da ist.

 

Ich könnte alles einsammeln.

Deine Klamotten falten.

Schmuck in eine Tüte.

Schuhe an die Tür.

Beim nächsten Mal sagen:

Hier.

Du hast schon wieder
die Hälfte vergessen.

Mach ich aber nicht.

Stattdessen nehme ich deinen Ring
vom Tisch,

drehe ihn zwischen den Fingern

und lege ihn
genau wieder dahin.

Was?

Da lag er schließlich.

Ich bin doch nicht
dein verdammter Aufräumdienst.

 

Lässt du das hier?

Dann lass es hier.

Die Schuhe.

Die Jacke.

Das Shirt.

Deinen Schmuck.

Von mir aus
auch dieses widerliche Shampoo.

Bring morgen noch was mit.

Und übermorgen
vergisst du wieder irgendwas.

Irgendwann steht hier
mehr von dir als von mir,

und wir tun beide überrascht.

Du ziehst nicht ein.

Nein.

Natürlich nicht.

Du gehst nur irgendwann
nicht mehr richtig nach Hause.

Kleiner Unterschied.

Sehr wichtig.

 

Mein Handy vibriert.

Dein Name.

Natürlich.

Du fragst,
ob deine Ohrringe noch hier sind.

Ich sehe zum Couchtisch.

Ja.

Direkt neben deinem Ring.

Und deiner Kette.

Ich schreibe:

Keine Ahnung.

Du antwortest sofort:

Arschloch.

Ich grinse.

Da ist es wieder.

Dieses bescheuerte Dauergrinsen.

Seit Wochen.

Langsam wird's peinlich.

 

Lässt du das hier?

Bitte sag nicht nein.

Nicht dass ich fragen würde.

So verzweifelt
bin ich nun wirklich nicht.

Aber dein Chaos passt hierher.

Dein Lachen passt hierher.

Deine Schuhe
mitten in meinem Wohnzimmer

passen verdammt noch mal hierher.

Und vielleicht

passt du auch hierher.

Scheiße.

Das war jetzt fast romantisch.

Vergiss es.

Ich hab nichts gesagt.

 

Eine Stunde später
geht die Tür.

Du hast inzwischen
wieder einen Schlüssel.

Praktisch.

Du kommst rein,
siehst deine Schuhe

und dann mich.

Du fragst:

Hast du die
die ganze Zeit da stehen lassen?

Ich zucke mit den Schultern.

Stören mich nicht.

Du ziehst die Jacke aus.

Wirfst sie auf den Sessel.

Direkt auf die andere.

Ich sehe hin.

Dann zu dir.

Du grinst.

Ich auch.

Willkommen zu Hause, Prinzessin.

...

Scheiße.

Hab ich das laut gesagt?

Du küsst mich.

Offenbar ja.

Na toll.

Lass die Schuhe stehen.

Sag mir wohin, Arschloch - Jinx 

Lyrics

„Pack eine Tasche, Prinzessin.“

 

Das war's.

Kein Wohin, kein Warum.

Ich starre auf dein Nachrichtendisplay.

 

Ash ...

Was zur Hölle hast du vor?

 

Du willst mich entführen.

Am Wochenende, warm angezogen.

Ach, wirklich, du Genie?

Draußen ist längst alles gefroren.

 

Ich frage dich, wohin es geht.

Du schickst mir nur ein Grinsen.

Ein verdammter Smiley, Ash?

Du lässt mich völlig im Dunkeln.

 

Du sagst, ich soll dir vertrauen.

Das tu ich, verdammt nochmal.

Doch ich seh dein freches Grinsen

selbst durch diese Nachricht strahlen.

 

Sag mir, wohin, Arschloch!

Was hast du ausgeheckt?

Eine Hütte tief im Wald,

ein Schloss, das Geister weckt?

 

Willst du mich im Nebel küssen

und das Ganze Romantik nennen?

Ich liebe Überraschungen,

doch welche Schuhe soll ich nehmen?

 

Vielleicht ans Meer im November,

vielleicht drei Tage Schnee.

Ein Kamin, der nicht funktioniert,

und du grinst: „Körperwärme geht.“

 

Oder Paris? Ach, vergiss es.

Du würdest den Eiffelturm verspotten.

Ich lache allein in meinem Zimmer,

während draußen die Nachbarn zoffen.

 

Vielleicht holst du mich einfach raus

aus diesem ganzen Irrenhaus.

Und weißt du was, mein lieber Ash?

Ich würd sogar dafür bezahlen.

 

Sag mir, wohin, Arschloch!

Stiefel, Kleid oder Taschenlampe?

Brauch ich vielleicht einen Anwalt

für deine nächste kranke Sache?

 

Du nennst das Abenteuer,

wir stehen lachend nachts im Regen.

Mit Whiskey in der kalten Hand ...

Scheiße, das klingt wunderschön.

 

Ich ruf dich an, du gehst sofort ran.

Dein Grinsen hör ich schon am Hallo.

„Verarschst du mich?“ – „Seit wann denn nicht?“

Fick dich, Ash. Ich lache trotzdem.

 

Du sagst: „Pack nicht zu viel.“

Sehr hilfreich, wirklich wunderbar.

Mein Kleiderschrank steht halb bei dir?

Frechheit ... na gut, beinahe wahr.

 

Dann fragst du, ob ich mit dir komme.

Und plötzlich werde ich ganz still.

Natürlich komme ich mit, Ash.

Weil ich nirgendwo lieber hinwill.

 

Ich sitze vor der offenen Tasche.

Schwarze Pullover, Kleid und Schuh.

Die dicke Jacke, die ich hasse,

und meine Gedanken wandern zu dir.

 

Vor Monaten war alles anders.

Kein Zuhause, kein sicheres Ziel.

Jetzt pack ich für uns beide,

und plötzlich bedeutet das so viel.

 

Keine WG, kein fremdes Gerede,

kein Mensch, der uns Vorschriften macht.

Ich weiß nicht, wohin wir fahren.

Doch mit wem ... und das reicht fast.

 

Fast, du Arschloch!

Ich will's trotzdem wissen!

 

Sag mir, wohin, Arschloch!

Ich platze vor Neugier, verdammt!

Ist es romantisch oder verrückt?

Was hast du wieder geplant?

 

Ich zähl die Schilder, jede Abfahrt,

werd dich die ganze Fahrt lang fragen.

Und willst du mich mit Küssen stoppen ...

Na gut. Doch danach nerv ich weiter!

 

Die Tasche steht bereit.

Ein Pullover rein, dann raus.

Mein Handy leuchtet plötzlich auf.

 

„Freu mich auf dich, Prinzessin.“

 

Ich grinse und schreib zurück:

„Wenn ich erfriere, bist du schuld.“

 

„Ich halte dich schon warm.“

 

Du arrogantes Arschloch ...

 

Na warte, Ash.

Ruhe bekommst du nicht.

 

Und wenn ich ehrlich bin ...

 

Ich kann's kaum erwarten.