Kapitel 18 - Ich habe einen Rockstar auf der Couch
Ryan genießt die ungewohnte Zweisamkeit mit Arvid in vollen Zügen – bis Malu unangekündigt vor der Tür steht und ihr kleines Geheimnis nicht länger geheim bleiben kann. Zwischen ungläubigem Staunen, jeder Menge Kaffee und der Geschichte ihres Kennenlernens weiht Ryan ihre beste Freundin endlich ein. Und während Malu versucht zu begreifen, wie ausgerechnet Ryan bei einem Rockstar schwach werden konnte, wird eines immer deutlicher: Für Ryan war Arvid nie der berühmte Frontmann, sondern einfach der Mann, der ihr Herz erobert hat.
Ryan schleicht leise durch den Flur, ihre nackten Füße berühren kaum hörbar den Holzboden. Auf dem Weg ins Bad bleibt ihr Blick an der Couch im Wohnzimmer hängen. Arvid liegt auf dem Rücken, eine Hand ruht entspannt auf seiner Brust, die andere hängt locker über die Kante des Polsters. Sein Atem geht ruhig und gleichmäßig, die Züge seines Gesichts wirken vollkommen gelöst.
Für einen Augenblick verharrt sie im Türrahmen und betrachtet ihn stumm. So friedlich hat sie ihn noch nie erlebt. Keine Show-Maske, keine überhebliche Attitüde, kein Image als gefeierter Frontmann – schlicht und ergreifend nur Arvid.
Gerade als sie sich leise abwenden will, vibriert das Smartphone in ihrer Hand und durchbricht die morgendliche Stille. Der Klingelton schallt schrill durch den Flur.
Verdammt!
Ryan zuckt zusammen, wirft einen panischen Blick hinüber zur Couch, doch Arvid rührt sich im Schlaf nur träge, ohne aufzuwachen. Mit schnellen Schritten eilt sie zurück ins Schlafzimmer, zieht die Tür hinter sich zu und nimmt hastig ab.
»Hey du!«, meldet sie sich mit gedämpfter Stimme und setzt sich auf die Bettkante.
»Na endlich!«, tönt Malus Stimme lautstark aus dem Hörer. »Ich dachte ungelogen schon, du wärst vom Erdboden verschluckt worden!«
Ryan lacht leise auf. »Nicht ganz. Ich genieße bloß meinen freien Tag.«
»Aha, deinen freien Tag. David dreht hier drüben völlig am Rad, musst du wissen. Der spinnt sich die irrwitzigsten Theorien zusammen, warum du plötzlich drei Tage untergetaucht bist.«
Ryan verdreht schmunzelnd die Augen. »Oh Gott, das will ich wahrscheinlich gar nicht im Detail wissen. Was tischt er der Truppe diesmal auf?«
Malu lacht trocken. »Also, laut Davids kriminalistischer Meisterleistung hast du entweder eine streng vertrauliche Geheimdienstmission übernommen, bist Hals über Kopf ins Ausland geflohen oder hast ein Millionenerbe eingestrichen und willst nichts mehr mit dem Pöbel zu tun haben.«
Ryan schüttelt amüsiert den Kopf. »Klingt absolut nach David.«
Sie lässt sich rücklings auf die Matratze fallen, als plötzlich eine Bewegung im Türspalt ihre Aufmerksamkeit fesselt. Arvid schiebt mit einem breiten Grinsen den Kopf herein, das dunkle Haar vom Kissen zerzaust.
Er formt mit den Lippen ein lautloses Guten Morgen und zwinkert ihr zu.
Ryan setzt an, um etwas zu erwidern, doch die Worte bleiben ihr prompt im Hals stecken, als ihr Blick tiefer gleitet. Arvid trägt lediglich eine tief sitzende Jeans. Sein nackter Oberkörper ist ein einziges Kunstwerk aus harten Muskeln, von den sanften Sonnenstrahlen des Vormittags plastisch in Szene gesetzt.
Ihr Atem stockt für einen Sekundenbruchteil. Verdammt noch mal … Warum sieht dieser Kerl so unverschämt gut aus?
Arvids Grinsen vertieft sich. Natürlich ist ihm ihre unverhohlene Musterung nicht entgangen. Doch statt den Moment zu kommentieren, dreht er sich mit einem leisen Lachen um und verschwindet im Flur Richtung Badezimmer.
»Hallo? Ryan? Atmest du noch?« Malus Stimme reißt sie mit einem Ruck zurück in die Realität.
Ryan blinzelt hastig gegen die Benommenheit an. »Äh … ja. Ja, ich bin noch dran.«
»Bist du sicher? Klang gerade so, als wäre dir mitten im Satz die Stimme weggeblieben.«
Ryan räuspert sich ertappt. »Nein, alles bestens.«
»Aha.« Malu dehnt die Silbe genüsslich in die Länge. »Ich rieche ein Geheimnis, meine Liebe!«
Ryan grinst und rollt mit den Augen. Wenn du auch nur den leisesten Schimmer hättest, Malu …
Ein leiser Seufzer entweicht ihr. Sie weiß genau, dass sie Malu nicht länger im Dunkeln stehen lassen kann – und sie will es im Grunde auch gar nicht. Es würde ihr unendlich guttun, endlich reinen Tisch zu machen und sich mit ihrer besten Freundin auszusprechen.
Sie drückt das Handy wieder fest ans Ohr. »Hast du Lust, nachher auf einen schnellen Kaffee bei mir vorbeizuschauen?«
Am anderen Ende herrscht kurz Stille, ehe Malu begeistert einwilligt: »Klar! Ich mache mich gleich auf den Weg. Im Gegensatz zu manchen Urlauberinnen muss ich heute nämlich noch eine Schicht schieben.«
»Oh, du Ärmste«, spottet Ryan mit gespieltem Mitleid.
»Ja, lach du nur!« Malu kichert, ehe sie auflegt.
Ryan legt das Smartphone beiseite und atmet tief ein. Malu wird sie löchern wie ein Schweizer Käse – und heute wird sie ihr die ganze Geschichte erzählen müssen.
Sie steht auf, streckt die Glieder und geht in die Küche, um die Kaffeemaschine anzuwerfen. Aus dem Badezimmer dringt das gleichmäßige Prasseln der Dusche. Arvid.
Ryan lehnt sich an die Arbeitsplatte, während das Wasser gluckert, und lauscht den Geräuschen aus dem Bad. Die Versuchung, einfach die Tür aufzudrücken und zu ihm unter die warme Brause zu steigen, ist verflucht groß. Vor ihrem geistigen Auge sieht sie genau, wie das heiße Wasser über seine breiten Schultern und die definierten Rückenmuskeln läuft.
Sie schüttelt lachend über sich selbst den Kopf. Was stellt dieser Mann bloß mit mir an?
Sie hat sich seit Monaten nicht mehr so lebendig, so elektrisiert gefühlt. Arvid bringt Saiten in ihr zum Klingen, von denen sie dachte, sie wären längst verstummt – ein wildes Kribbeln, eine prickelnde Unruhe, die ihr Herz im Dauerlauf schlagen lässt.
Er treibt sie zielsicher um den Verstand. Und das Verrückteste daran ist: Sie genießt jede einzelne Sekunde davon.
Arvid tritt aus dem Bad, lediglich in eine tief sitzende Jeans gekleidet. Seine Haut ist noch warm und feucht vom Wasser, das dunkle Haar wirr und ungebändigt. Er schlendert in die Küche, bleibt dicht vor Ryan stehen und lässt seinen Blick vollkommen ungeniert über sie wandern.
»Gut geschlafen?«, fragt er mit einem rauen Lächeln.
Ryan blickt zu ihm auf und spürt augenblicklich, wie ihre Haut unter seiner Musterung zu brennen beginnt. Sein Blick verharrt an dem weiten Shirt, das ihr über die Schulter gerutscht ist und reichlich nackte Haut preisgibt. Ihre Beine sind unbedeckt, das Haar noch verwuschelt von der Nacht.
»Ja, verdammt gut sogar«, erwidert sie und schaut kurz zur Seite, um ihr aufsteigendes Herzklopfen zu überspielen.
Arvid nickt langsam. Mit einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit legt er seine großen, warmen Hände an ihre Hüften und zieht sie einen Schritt näher an sich heran.
»Und du?«, haucht sie leise, während ihr Puls in die Höhe schnellt.
Er legt den Kopf schief, die braunen Augen funkeln amüsiert. »Wie ein Stein. Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr so tief geschlafen.«
Ryan schnaubt trocken und zieht eine Braue hoch. »Auf diesem durchgelegenen Sofa? Mir würde jeder einzelne Wirbel wehtun.«
Arvids Daumen streichen sanft über ihre Taille, ein schiefes Grinsen umspielt seine Lippen. »Ich bin einiges gewohnt. Aber vielleicht sollte ich für die nächste Nacht eine bequemere Schlafmöglichkeit aushandeln …« Seine Stimme sinkt in eine tiefe, vibrierende Tonlage.
Ryans Herz schlägt ihr bis zum Hals, doch sie zwingt sich zu einem spöttischen Augenrollen. »Ach, du spekulierst aufs Bett? Schlag dir das aus dem Kopf, Rockstar.«
Arvid lacht dunkel auf und zieht sie noch ein Stück dichter an seinen durchtrainierten Körper. »Schade eigentlich.«
»Auch ein berühmter Frontmann kriegt nicht alles auf dem Silbertablett serviert«, hält sie herausfordernd dagegen.
Er seufzt mit gespielter Verzweiflung. »Großartig. Da gerät mein gesamtes Weltbild ins Wanken.«
Seine Hände gleiten tiefer an ihren Seiten herab, bis seine Fingerkuppen mit sanftem Nachdruck den Ansatz ihres Pos umfassen. Ein elektrisierendes Prickeln jagt durch Ryans Adern. Die Hitze, die von seinem nackten Oberkörper abstrahlt, lässt ihr fast den Atem stocken.
Arvid fixiert ihre Augen – dunkel, fordernd, voll unverhohlener Lust. Er beugt sich langsam vor, lässt ihr jede Chance zurückzuweichen, doch Ryan denkt nicht im Traum daran.
Ihre Lippen finden einander in einem Kuss, der zugleich sanft und berauschend hungrig ist. Ein heftiger Schauer durchfährt sie. Ihre Arme wandern wie von selbst um seinen Nacken, die Finger graben sich in seine feuchten Haarsträhnen. Sie schmiegt sich eng an ihn, und Arvid stößt ein leises, kehliges Knurren aus, als ihre nackte Haut bei jedem Atemzug gegen seine Brust drückt.
Er verstärkt den Griff, zieht sie unnachgiebig an sich und beansprucht ihre Lippen mit wachsender Leidenschaft. Seine Finger wandern langsam unter den Saum ihres Shirts, gleiten die Wirbelsäule hinauf und hinterlassen eine glühende Spur auf ihrem Rücken. Ryan verliert sich völlig in dem Rausch aus Berührung, Geruch und Hitze. Er will mehr. Und sie will es verdammt noch mal genauso sehr.
Ein schrilles, aufdringliches Klingeln zerreißt die Stille.
Ryan zuckt heftig zusammen. Ihre Lippen lösen sich einen Hauch von seinen, während ihr Verstand abrupt zurück in die Realität geschleudert wird. Malu. Der Kaffee. Mist.
Arvid denkt gar nicht daran, von ihr abzulassen. Sein Griff an ihrer Hüfte bleibt eisern, und seine Lippen fordern sie sofort wieder ein. »Lass es einfach schellen«, raunt er heiser an ihrem Mund, während seine Hand weiter ihren Rücken liebkost.
Ryan schließt keuchend die Augen, kämpft verzweifelt gegen den Drang an, sich einfach wieder fallen zu lassen. »Ich … ich kann nicht …«, flüstert sie, obwohl ihre Hände sich noch immer in seinen Nacken krallen.
Der Summer ertönt ein zweites Mal – länger, ungeduldiger, fordernder.
Mit einem schweren Seufzen drückt sich Ryan langsam von ihm weg und blickt ihn entschuldigend an. »Es ist Malu …«
Arvid wirft den Kopf in den Nacken und lacht trocken auf. »Perfektes Timing. Wirklich weltklasse.«
Ryan schmunzelt schwach, nestelt hastig an ihrem Shirt herum, um den verrutschten Stoff zu bändigen, und eilt in den Flur. Ihr Puls hämmert, die Lippen brennen noch immer von der Hitze seines Kusses.
Während Arvid mit einem Kopfschütteln ins Wohnzimmer schlendert, atmet Ryan noch einmal tief durch, zählt bis drei und drückt die Klinke nach unten.
Malu mustert Ryan mit hochgezogener Braue. »Hast du etwa noch geschlafen?«
»Ehm … nein, ich bin schlicht noch nicht dazu gekommen, unter die Dusche zu springen«, antwortet Ryan mit einem feinen Schmunzeln.
Malu lacht leise auf. »Na ja, du hast im Urlaub ja auch alle Zeit der Welt.«
»Nicht ganz«, erwidert sie und zieht ihre beste Freundin in eine feste Umarmung. An ihrem Ohr flüstert sie warnend: »Erschrick bitte nicht, wenn du gleich ins Wohnzimmer gehst. Und dreh um Himmels willen nicht durch!«
»Was meinst du?« Malu löst sich irritiert und blickt sie fragend an.
Ryan grinst breit. »Ich habe einen Rockstar auf der Couch sitzen.«
Arvids dunkles Lachen dringt aus dem Wohnzimmer, als er ihre Worte aufschnappt. Hastig wirft er das Bettzeug zur Seite und lümmelt sich wieder auf die Polster.
Malu horcht auf und starrt Ryan mit großen Augen an. »Wie bitte?«
»Genau wie ich es gesagt habe. Du kennst ihn sogar.« Ryan schiebt sie mit leichtem Druck durch den Flur.
Malu stolpert fast ins Wohnzimmer. »Du machst Witze, oder?«, setzt sie an und erstarrt mitten in der Bewegung, als ihr Blick auf das Sofa fällt.
Arvid sitzt vollkommen entspannt da. Das T-Shirt hat er sich zwar mittlerweile übergestreift, doch die feuchten, zerzausten Strähnen und der lockere Blick lassen keinen Zweifel daran, dass er gerade erst aus dem Bad kommt. Er hebt lässig die Hand zum Gruß. »Hey.«
Malu steht wie versteinert im Raum. Ihr Blick wandert von Arvid zu Ryan und wieder zurück. Ihre Kinnlade klappt nach unten. »Du … du … bist …«
»Arvid«, stellt er sich amüsiert vor. »Freut mich.«
Ryan kann sich ein Kichern nicht verkneifen, während Malu hektisch nach Luft schnappt. »Du bist verdammt noch mal Arvid von Metal Earth!«, überschlägt sich ihre Stimme.
Arvid lehnt sich grinsend zurück und zwinkert ihr zu. »Japp. Vollkommen schuldig.«
Malu wirbelt auf dem Absatz zu Ryan herum, die Augen funkeln vor Fassungslosigkeit. »Und du servierst mir das hier einfach so nebenbei?! Du hast mich voll ins offene Messer laufen lassen! Du datest einen verdammten Rockstar, du kleine …« Sie fuchtelt wild mit den Händen in der Luft herum, nach passenden Worten ringend.
Ryan lacht laut auf und hebt abwehrend die Hände. »Ganz ruhig
Malu. Ich wollte deine ungeschminkte Reaktion sehen – und sie ist noch besser als erwartet.«
Malu verschränkt die Arme, mustert den Frontmann noch einmal von oben bis unten und atmet schwer aus. »Okay … ich brauche Koffein. Unmengen an Kaffee. Und danach packst du gefälligst lückenlos aus!«
Arvid schmunzelt und steht auf. »Gute Idee. Ich helfe beim Kochen.«
Malu blinzelt ihn ungläubig an. »Rockstars kochen ihren Kaffee selbst? Ich dachte, ihr habt Bedienstete für so was.«
Arvid lacht trocken. »Nur backstage. Im echten Leben bin ich bloß ein Kerl, der dringend Koffein braucht. Ohne läuft hier gar nichts.«
Ryan verdreht schmunzelnd die Augen und geht voraus in die Küche. »Kommt einfach mit. Das wird ein verdammt unterhaltsames Frühstück.«
Am Küchentisch nimmt Malu einen tiefen Schluck aus ihrer Tasse und beugt sich neugierig vor. »So, jetzt aber Klartext: Wie genau ist das zwischen euch passiert?«
Ryan tauscht einen kurzen Blick mit Arvid, der nur amüsiert mit den Schultern zuckt. »Willst du, oder soll ich?«
»Ich übernehme das«, schmunzelt Ryan. Sie nimmt einen Schluck Kaffee, lehnt sich zurück und beginnt zu erzählen: vom Zusammenprall auf der Straße, als sie ins Smartphone vertieft war und ihn erst einmal ordentlich anblaffte, weil sie dachte, er hätte geschlafen.
Malu lacht laut. »Typisch Ryan.«
Arvid grinst. »Der absolute Höhepunkt war, dass sie mich nicht mit einer Silbe erkannt hat.«
Malu runzelt die Stirn. »Warte mal. Du hast sofort angebissen, aber sie hatte null Plan, wer vor ihr steht?«
Ryan nickt. »Absolut keinen. Er wollte mich direkt auf einen Kaffee einladen, und ich habe ihm eiskalt einen Korb gegeben. Aber tja … er war extrem hartnäckig.«
Arvid stützt den Arm auf die Lehne und mustert Ryan mit sanftem Blick. »Hartnäckigkeit zahlt sich eben aus.«
Ryan berichtet weiter: vom Gespräch in ihrer Pause, davon, wie vollkommen g
eerdet er wirkte – und wie sie tagelang keinen Schimmer von seinem weltweiten Ruhm hatte. »Er war schlicht ein Kerl, den ich interessant fand. Kein Rockstar-Getue, keine Show – einfach nur Arvid.«
»Und wann ist der Groschen gefallen?«, hakt Malu nach.
Ryan schnaubt leise. »Er hat es mir erst vor zwei Tagen gebeichtet. Unmittelbar vor unserem ersten Kuss.«
Malu prustet los. »O Gott, ich würde zu gern wissen, wie entgleist deine Gesichtszüge waren!«
Arvid reibt sich lachend den Nacken. »Ich war felsenfest überzeugt, sie will mich verarschen. Erst da habe ich kapiert, dass sie wirklich keine einzige Note von uns kannte.«
»Du hättest auch früher mit der Sprache rausrücken können«, neckt Ryan ihn.
Arvid beugt sich zu ihr und sieht sie intensiv an. »Nein, ich bin heilfroh drum. So hast du mich kennengelernt, wie ich wirklich bin. Ganz ohne den Müll aus den Klatschspalten.«
Malu nickt ergriffen. »Ich feiere das total. Und dann? Wie ging es weiter?«
Ryan erzählt von den stundenlangen Telefonaten während der Tour und der Nacht, in der er schließlich vor ihrer Tür stand.
Malu blickt staunend zwischen den beiden hin und her. »Ich fasse es nicht. Meine bodenständige beste Freundin bandelt mit einem internationalen Star an.«
Ryan lacht leise und zuckt mit den Schultern. »Eigentlich nur mit einem Mann, der es geschafft hat, mein Herz zu erobern.«
Arvid ergreift unter dem Tisch ihre Hand und drückt sie behutsam. »Und ich bin verdammt froh darüber.«
Malu wirft einen Blick auf ihre Armbanduhr und stöhnt genervt auf. »Ernsthaft jetzt? Immer wenn es spannend wird, ruft die Schicht.« Sie leert ihre Tasse in einem Zug.
Ryan grinst. »Timing war eben noch nie deine Stärke.«
Malu schüttelt lachend den Kopf. »Und du willst mir echt weismachen, dass du ausgerechnet bei einem Frontmann schwach wirst? Hättest du mir das vor zwei Wochen prophezeit, hätte ich dich einweisen lassen.«
Arvid lehnt sich mit breitem Grinsen an den Türrahmen. »Tja, manche Dinge lassen sich eben nicht aufhalten. Frauen finden mich nun mal unwiderstehlich.«
Ryan verdreht die Augen. »Bitte nicht, sein Ego platzt ohnehin schon aus allen Nähten.«
»Aber hey, ich gönne es euch von Herzen«, schmunzelt Malu. »Ihr zwei seid verdammt süß zusammen.«
»Sag das bloß nicht zu laut, sonst bildet er sich noch mehr darauf ein«, warnt Ryan.
»Längst passiert«, kontert Arvid trocken.
Malu kichert. »Gut, bevor ich hier endgültig das fünfte Rad am Wagen spiele, mache ich mich vom Acker.«
Gemeinsam bringen sie Malu zur Wohnungstür. Bevor sie geht, hält Ryan sie sanft an der Schulter zurück. »Und bitte … behalte das erst mal für dich. Ich will nicht, dass das im Pub die Runde macht.«
Malu legt eine Hand feierlich aufs Herz. »Ehrenwort. Aber ewig wirst du das vor David und den anderen nicht verheimlichen können.«
Ryan seufzt leise. »Ich weiß …«
Malu zwinkert Arvid zu. »Pass gut auf sie auf, Rockstar.« Dann verschwindet sie im Treppenhaus.
Ryan lehnt sich an den Türrahmen und sieht ihr nach, bis die Haustür unten ins Schloss fällt.
Arvid tritt leise von hinten an sie heran, legt die Arme fest um ihre Taille und flüstert mit einem warmen Lächeln an ihren Hals: »Endlich wieder ungestört.«
Ryan lehnt noch an der geschlossenen Tür, als Arvid ihr jede Möglichkeit nimmt, wieder auf Distanz zu gehen. Seine Hände liegen sofort an ihren Hüften, packen fest zu und ziehen sie an sich, als hätte er viel zu lange auf genau diesen Moment gewartet. Seine Lippen finden die ihren – hungrig, drängend und fordernd.
Ryan atmet scharf ein, doch sie gibt den Widerstand auf, schließt die Augen und lässt sich fallen. Ihr Herz rast, während ihre Zungen sich umkreisen, einander herausfordern und die aufgestaute Hitze freisetzen. Arvids Finger wandern über ihren Rücken, streichen ihren Hals hinauf und lassen ihre Haut unter der Berührung brennen.
Sie schlingt die Arme um seinen Nacken, presst ihren Körper fest an seinen und spürt das Pochen seines Herzschlags. Seine Hand schiebt sich unter den Saum ihres Shirts, gleitet über die warme Haut ihrer Taille nach oben und lässt ihren Atem stocken, als sein Daumen sacht den Ansatz ihrer Brust streift.
Arvid löst den Kuss, tritt einen halben Schritt zurück und reißt sich das T-Shirt in einer fließenden Bewegung über den Kopf. Der Stoff landet achtlos auf dem Dielenboden. Sein nackter Oberkörper – kraftvoll, sehnig und bis ins Detail definiert – fesselt ihren Blick. Ryan spürt, wie die Hitze in ihre Wangen steigt, während sie jede Kontur seiner Muskeln aufsaugt.
Ein schiefes Grinsen zuckt über Arvids Lippen. Doch er lässt ihr keine Zeit, die Gedanken zu ordnen. Er greift den Saum ihres Shirts und zieht es langsam nach oben. Zentimeter für Zentimeter gibt der Stoff ihre Haut frei – den flachen Bauch, den Bogen ihrer Rippen und die weichen Kurven, bis das Shirt lautlos zu Boden fällt.
Seine Augen funkeln dunkel, voller ungeschminktem Verlangen. In diesem Blick liegt kein Zweifel mehr: Es gibt kein Zurück.
Ihre Münder prallen erneut aufeinander, ungestüm und verlangend. Ryans Hände tasten über seine breiten Schultern, krallen sich in seinen Rücken, während Arvids Griff an ihrem Po sie fest gegen sich presst. Das Verlangen zwischen ihnen ist mit Händen greifbar. Seine Küsse wandern an ihrem Kinn hinab, über ihren Hals bis zum Schlüsselbein, wo er einen heiser brummenden Laut an ihrer Haut hinterlässt, als ihre Fingernägel sich leicht in seinen Nacken graben.
Ohne den Kuss zu unterbrechen, schiebt er sie Schritt für Schritt rückwärts durch den Flur ins Schlafzimmer. Im Halbdunkel des Zimmers löst er seine Jeans, lässt sie mit einer einzigen Bewegung zu Boden gleiten und steht vollkommen ungeschützt vor ihr.
Ryan schluckt leise, während ihr Blick über seinen Körper wandert und ihr Puls unbarmherzig in den Schläfen hämmert.
Arvids Daumen streicht sanft über ihre zitternde Unterlippe. »Gefällt dir, was du siehst?«, raunt er heiser.
»Vielleicht ein bisschen«, flüstert sie atemlos.
Er fängt ihren Mund erneut ein und streift ihr das letzte Stück Stoff ab, bis auch sie vollkommen nackt vor ihm steht. Gemeinsam sinken sie auf die Matratze.
Die Hitze baut sich unaufhaltsam auf. Ihre Beine schlingen sich wie selbstverständlich um seine Hüften, als er sich langsam und kontrolliert zwischen ihre Schenkel schiebt. Ein tiefer, bebender Seufzer entweicht Ryan, als sie vollständig miteinander verschmelzen.
Arvid bewegt sich in einem ruhigen, quälend intensiven Rhythmus, den Blick fest auf ihr Gesicht gerichtet. Das Verlangen in ihren Augen peitscht ihn weiter an. Ryans Keuchen vermischt sich mit seinen rauen Lauten, während sich ihre Hände in seine Schulterblätter graben. Jeder Stoß, jede Reibung treibt die Spannung höher, bis die Luft im Raum zu flirren scheint.
Die Welle bricht mit voller Wucht über sie herein. Ryans Rücken wölbt sich, ein atemloser Schrei entweicht ihrer Kehle, während die Krämpfe der Lust ihren Körper durchzucken.
»Ryan …«, stößt Arvid ihren Namen heiser hervor, ehe sich sein Körper mit einem letzten, tiefen Stoß anspannt und er sich vollkommen in ihr verliert.
Schwer atmend sinkt er auf ihre Brust, die nackte Haut klebt aneinander, die Herzen schlagen im selben hektischen Takt. Nach einigen Momenten stützt er sich hoch, sucht ihren Blick und lächelt erschöpft, aber unendlich zufrieden.
Wortlos rollt er sich zur Seite und zieht sie fest an seinen Körper. Ryan schmiegt sich in seine Armbeuge, ihre Finger zeichnen sanfte Linien auf seine feuchte Brust.
Arvid streicht ihr das Haar aus der Stirn und küsst leise ihre Wange. »Du machst mich absolut wahnsinnig.«
Ryan lächelt an seiner Brust. »Gut so.«
In der Stille des Zimmers schlägt nur noch ihr gemeinsamer Puls – der leise, unmissverständliche Beweis, dass zwischen ihnen etwas Echtes begonnen hat.