Kapitel 20 - Willkommen in meiner Welt


Drei Tage lang konnten Ryan und Arvid die Welt außerhalb ihrer kleinen Blase beinahe vergessen. Doch kaum wagen sie sich zurück in den Alltag, holt Arvids Realität sie mit voller Wucht ein. Plötzlich wird aus seiner Warnung vor neugierigen Blicken bitterer Ernst, und Ryan begreift, was eine Beziehung mit einem berühmten Frontmann tatsächlich bedeuten kann. Statt davonzulaufen, trifft sie jedoch eine Entscheidung: Wenn sie Arvid wirklich will, kann sie sich nicht länger vor seiner Welt verstecken.


Ryan und Arvid haben drei Tage lang nichts als Zeit füreinander gehabt. Drei Tage, in denen sie sich immer wieder geliebt, Geschichten geteilt und sich auf eine Weise kennengelernt haben, die tiefer geht als bloße Worte. Jetzt stehen sie gemeinsam unter dem heißen Strahl der Dusche, das Wasser prasselt unablässig auf ihre Haut.

Ryan lehnt sich lachend an seine Brust, während seine Hände spielerisch über ihre nassen Seiten gleiten. »Wir sollten wirklich mal das Bett verlassen, bevor wir hier noch Wurzeln schlagen«, scherzt sie.

Arvid schmunzelt und streicht ihr eine dunkle, nasse Strähne hinters Ohr. »Ich finde, wir könnten das Ganze problemlos noch ein paar Tage verlängern.«

Ryan schüttelt amüsiert den Kopf. »Du bist unverbesserlich.«

»Und du liebst es«, erwidert er mit einem breiten Grinsen, ehe er sich vornimmt, ihre Lippen mit einem sanften Kuss einzufangen.

Zwischen ihnen flirrt die Hitze – das dampfende Wasser, die nackte Haut, das leise Lachen, das von den Kacheln widerhallt. Sie genießen den Moment in dem Wissen, dass draußen die Realität wartet, doch für diesen Wimpernschlag zählt nur das Hier und Jetzt.

Ryan löst sich langsam von ihm, die Lippen noch von einem Lächeln umspielt. »Wir sollten wirklich an die frische Luft«, sagt sie und beginnt mit kreisenden Bewegungen, seine Brust einzuseifen.

Arvid nickt, seine Augen dunkel vor unverhohlenem Verlangen. »Ein Spaziergang schadet sicher nicht. Außerdem meint der Frühling es heute gut mit uns.«

Er beobachtet, wie ihre Hände über seine Muskeln gleiten, und spürt die zärtliche Berührung, die weit mehr verspricht, als sie vorgibt. Seine eigenen Hände wandern ihren Rücken hinab, packen fest ihren Hintern und ziehen sie fordernd an sich.

Ryan hebt die Braue. »Wir werden blind, wenn wir nach drei Tagen Höhle ins Tageslicht treten.«

Arvid grinst verwegen. »Dann lass uns die Aussicht hier drin noch ein wenig auskosten.«

Er lässt ihr keine Zeit für Einwände. Seine Lippen beanspruchen die ihren mit unbändiger Leidenschaft. Bestimmt drückt er sie gegen die kühlen Wandfliesen – ein aufregender Kontrast zu der Hitze, die zwischen ihren Leibern lodert.

Seine Küsse wandern tiefer, über ihren Hals, die Schultern und das Dekolleté, während das Wasser über sie hinwegströmt. Dann gleitet er vor ihr auf die Knie. Seine Hände umfassen ihre Oberschenkel, der Blick brennt sich tief in ihren.

Bevor seine Zunge ihren empfindsamsten Punkt berührt, entfährt Ryan ein bebendes, zittriges Seufzen. Ihre Finger krallen sich in sein nasses Haar, während ihre Knie weich werden. Doch Arvid stützt sie eisern, kostet jedes ihrer feinen Beben aus, während die Tropfen über ihre Gesichter rinnen.

Er treibt sie mit gekonnten, fordernden Berührungen an den Rand, lauscht ihren kehligen Lauten und spürt, wie sie sich ihm vollkommen öffnet. Als Ryan schließlich mit festem Griff fordernd an seinen Haaren zieht, weiß er, dass sie ihn jetzt ganz bei sich braucht.

Arvid reizt die Spannung noch für einen Wimpernschlag aus, ehe er sich langsam an ihrem nassen Körper nach oben küsst. Ihre Münder finden sich wieder in einem hungrigen, atemlosen Kuss.

Er hebt ein Bein von ihr an, bettet ihren Oberschenkel auf seine Hüfte und schiebt sich mit einem tiefen Stoß in sie. Ein heiseres Stöhnen bricht aus Ryans Kehle direkt in seinen Mund. Arvids Atem stockt, ein dumpfer Laut vibriert tief in seiner Brust.

Im Einklang mit dem Rauschen des Wassers finden sie in einen drängenden Rhythmus. Ryan gräbt ihre Fingernägel in seinen Rücken, spürt die sehnige Kraft unter seiner nassen Haut und verliert sich vollkommen in seinen Augen. Die kühlen Fliesen in ihrem Rücken verblassen hinter der sengenden Glut.

Mit jeder Bewegung peitscht er sie weiter voran, bis Ryans Atemzüge stoßweise gehen und ihr ganzer Körper unter einer Welle unbändiger Ekstase erzittert. Arvid folgt ihr augenblicklich – ein kehliges Keuchen entweicht ihm, als er sich mit aller Wucht in ihr verliert.

Für Minuten existiert nur das monotone Prasseln der Brause und das heftige Pochen ihrer Herzen.

Arvid lässt ihr Bein behutsam sinken. Ryan steht auf wackligen Beinen, die Stirn schwer an seine Schulter gelehnt, und versucht, ihren Puls wieder einzufangen. Er schlingt die Arme schützend um sie, drückt einen Kuss auf ihre Schläfe und stützt sie, bis sie wieder festen Halt findet.

Noch nie zuvor hat ihn eine Frau derart gefesselt. Ryan bringt ihn völlig mühelos dazu, ihr aus der Hand zu fressen – ohne es überhaupt darauf anzulegen. Der Gedanke entlockt ihm ein leises Schnauben.

Ryan hebt den Kopf und sieht ihn mit weichen Zügen an. »Was gibt’s da zu lachen?«

Er küsst ihre Schulter und raunt an ihrer Haut: »Ich habe bloß festgestellt, dass du mich absolut um den Verstand bringst.«

Ryan lacht leise auf, ein schelmisches Funkeln in den Augen. »Das will ich doch schwer hoffen.«

Wieder fest auf den Beinen, nimmt sie das Duschgel und reicht es ihm. Arvid nimmt es wortlos entgegen und schäumt ihren Rücken mit kreisenden Bewegungen ein, während seine Daumen ihre verspannten Schultern massieren.

»Ich mochte deine schlagfertige Art vom ersten Moment an«, murmelt er an ihrem Ohr. »Aber vollkommen erwischt haben mich deine Augen. Ich habe noch nie so ein strahlendes Blau gesehen.«

Ryan nimmt die Flasche zurück, seift ihre Vorderseite ein und stellt das Gel auf die Ablage. »Ich mochte dich anfangs überhaupt nicht«, bemerkt sie trocken, ohne ihn anzusehen.

»Hey!«, protestiert er empört und verpasst ihr einen leichten Klaps auf den Hintern.

Sie wirbelt lachend herum. »War aber so!«

Arvid zieht sie grinsend an sich und stiehlt sich einen Kuss. »Ein Glück, dass du zur Vernunft gekommen bist.«

»Der Kaffee damals bei mir hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Ich konnte dich einfach nicht mehr aus dem Kopf kriegen.«

Gemeinsam spülen sie den Schaum ab und treten dampfend aus der Kabine. Ryan wirft ihm ein flauschiges Handtuch zu und wickelt sich selbst in das zweite.

»Dass du ein gefeierter Rockstar bist, wusste ich schließlich nicht. Sonst hätte ich garantiert die Finger von dir gelassen«, neckt sie ihn, während sie das Handtuch festzieht.

Arvid rubbelt sich das nasse Haar trocken und mustert sie belustigt. »Ganz sicher?«

»Absolut. Auf dieses Haifischbecken hätte ich mich im Leben nicht eingelassen.«

Arvid hält inne, sein Blick wird nachdenklich. »Siehst du – da sind sie wieder, die klassischen Vorurteile.«

Ryan runzelt die Stirn. »Vorurteile?«

Er nickt ernst. »Genau die. Deshalb bin ich heilfroh, dass das Schicksal die Karten so gemischt hat.«

Ryan betrachtet ihn einen Moment lang stumm, ehe ein warmes Lächeln ihre Züge erhellt. Tief im Inneren weiß sie, dass er verdammt recht hat.

Wenig später schlüpfen sie in ihre Kleidung. Arvid wählt die gewohnte Uniform aus gut sitzender Jeans, schlichtem Shirt und seiner abgewetzten Lederjacke, die schon etliche Tournächte hinter sich hat. Ryan greift zu einer weiten weißen Hose und einer luftigen schwarzen Tunika.

Als sie den Föhn anwirft, lehnt sich Arvid mit verschränkten Armen in den Türrahmen. Ryan fängt seinen Blick im Spiegel auf – prompt fängt er an, theatralisch Grimassen zu schneiden, ahmt ihre Handbewegungen mit dem Föhn nach und schüttelt seine Mähne so wild, dass ihm die Haare ins Gesicht klatschen.

Ryan zieht eine Braue hoch, dreht sich schwungvoll um und hält ihm die heiße Föhnluft direkt ins Gesicht. »Nur weil du deiner Frisur keine Beachtung schenkst, musst du hier nicht den Clown spielen!«

Arvid lacht auf und schüttelt sich. »Ich achte extrem auf mein Äußeres! Das hier ist hochkarätiges Rockstar-Material, bitteschön.«

»Ja, ganz eindeutig«, spottet sie. »Verwegener Dreitagebart, verstrubbelter Schopf und diese anstrengende Ich-bin-viel-zu-cool-für-die-Welt-Attitüde …«

Arvid, der sich grinsend auf den Wannenrand gesetzt hat, lässt das nicht auf sich sitzen. Kaum dreht sie sich wieder zum Spiegel, packt er ihre Hüfte, zieht sie kurzerhand an sich heran – und beißt ihr durch den weißen Stoff spielerisch in den Hintern.

»Aua! Hey!«, quietscht Ryan überrascht auf, fährt herum und funkelt ihn an.

Arvid setzt seinen unschuldigsten Blick auf und strahlt sie zuckersüß an. »Was denn? Bei der Vorlage konnte ich beim besten Willen nicht widerstehen.«

Ryan stellt den Föhn ab und legt ihn beiseite. Mit geübten Griffen nimmt sie den Lockenstab, dreht einzelne Strähnen auf und zieht sich währenddessen präzise den Lidstrich.

Arvid streckt entspannt die Beine aus und beobachtet sie mit einem amüsierten Glanz in den Augen. Ein leises Lachen entfährt ihm. »Du bist verdammt gut im Multitasking. Gefällt mir.«

Während er ihr zusieht, schleicht sich der Gedanke ein, wo diese Frau bloß all die Jahre gesteckt hat. Ein stummer, zufriedener Seufzer entweicht ihm.

»Tja, meine Zeit ist begrenzt, da wird man zwangsläufig erfinderisch«, erwidert Ryan grinsend und richtet ihren Blick wieder auf das Spiegelbild.

Als die letzte Welle perfekt fällt, mustert sie sich noch einmal kritisch im Spiegel und nickt zufrieden. »Fertig. Wir können los.«

Arvid erhebt sich vom Rand der Badewanne und tritt dicht an sie heran. Sein Blick gleitet über ihre Züge, hinab zu den geschwungenen Locken. Er schüttelt leicht den Kopf. »Du siehst fantastisch aus. Wobei das noch meilenweit untertrieben ist«, murmelt er, beugt sich vor und küsst sie sanft auf die Lippen.

Er legt den Arm um ihre Taille und führt sie aus dem Badezimmer, während sein Herz unruhig gegen die Rippen schlägt.

Ryan greift nach ihrer Tasche, lässt den Blick noch einmal kurz durch die Wohnung schweifen und öffnet dann die Haustür. Arvid tritt zuerst ins Treppenhaus, zieht sein Smartphone aus der Tasche und tippt eine kurze Nachricht.

Ryan schaut ihn neugierig an, fragt jedoch nicht nach. Sie sperrt ab und schließt zu ihm auf. Arvids Hand findet die ihre – warm, fest und vertraut – während sie gemeinsam die Stufen hinuntergehen.

Unten angekommen verharrt Arvid kurz vor der Ausgangstür und späht nach draußen. Ein fast automatischer Reflex; die Gewohnheit, vor jedem Schritt auf die Straße die Lage zu sondieren.

Ryan bemerkt es und schmunzelt. Bis auf seinen Bodyguard, der unauffällig an der Hauswand lehnt, ist die Straße wie leer gefegt.

»Die Luft ist rein, Rockstar«, frotzelt sie mit breitem Grinsen.

Arvid lacht trocken auf. »Sehr witzig. Sei bloß froh, dass du die Paparazzi-Bande noch nicht live erlebt hast. Die Typen kennen absolut keine Schamgrenze.«

Ryan zieht eine Braue hoch. »Ich kenne sowas bisher nur aus Bodyguard«, witzelt sie.

»Netter Film. Aber die Realität ist leider genauso nervig.«

Er drückt die Haustür auf, legt sanft eine Hand an ihren Rücken und führt sie hinaus in die milde Frühlingssonne. Ein kurzer, routinierter Blick zu seinem Leibwächter, dann zieht er Ryan eng an seine Seite. Sein Arm legt sich fest um ihre Schulter.

Ryan sieht von unten zu ihm auf. »Küssen verboten in der Öffentlichkeit, Rockstar.«

Arvid stößt einen theatralisch übertriebenen Seufzer aus. »Wir hätten einfach im Bett bleiben sollen«, grinst er, doch das aufflammende Knistern in seinen dunklen Augen jagt ihr eine wohlige Gänsehaut über den Rücken.

Ihr Mundwinkel zuckt nach oben, ehe ihre Züge merklich weicher werden. »Ich mag gar nicht daran denken, wenn du wieder abreisen musst.«

Arvid legt sacht einen Zeigefinger auf ihre Lippen. »Psscht. Davon will ich heute noch kein einziges Wort hören«, sagt er bestimmt, doch in seinem Blick spiegelt sich für den Bruchteil einer Sekunde die unausweichliche Schwere der kommenden Tage.

Ryan spürt denselben Stich im Magen, doch noch gehört dieser sonnige Nachmittag ganz allein ihnen.

Wenig später biegen sie in eine belebtere Straße ein. Ryan amüsiert sich gerade köstlich über Arvids schwärmerische Abhandlung über Brause-Ufos und Schlümpfe aus der Kindheit, während sie von ihren einstigen Vorräten an Kaugummi-Zigaretten und sauren Zungen berichtet. Sie lachen über den bittersüßen Geschmack alter Tage, als plötzlich alles Schlag auf Schlag geht.

Aus den Schatten der angrenzenden Seitengasse treten vier Männer. Das metallische Klicken von Kameraverschlüssen hallt durch die Straße, grelle Blitze zucken auf.

Arvids Miene verfinstert sich schlagartig. Er stößt ein gereiztes Zischen aus, löst sofort seinen Arm von ihren Schultern und streift in einer einzigen, fließenden Bewegung seine Lederjacke ab.

»Zieh das über«, zischt er mit schneidender Härte und drückt ihr die Jacke in die Hände. Ehe sie protestieren kann, setzt er ihr seine dunkle Sonnenbrille auf die Nase. »Und jetzt: Geh!«

Ryan starrt ihn an, doch der unmissverständliche Ernst in seinen Augen duldet keinen Widerspruch. Wortlos dreht sie sich um, zieht die Schultern hoch und verschwindet mit schnellen Schritten in der nächsten Passage.

Arvid richtet sich zu voller Größe auf, atmet schwer durch und stellt sich den Fotografen frontal in den Weg.

»Na, Arvid, hast du uns was verheimlicht?«, feixt einer der Paparazzi und drängt nach vorn.

»Wer ist die Schöne? Neue Flamme oder nur der nächste Tour-Flirt?«, ruft ein anderer und streckt ihm das Richtmikrofon fast ins Gesicht.

Arvid verzieht keine Miene. »Das geht euch einen feuchten Dreck an«, erwidert er mit eisiger Kälte.

Die Kameras rattern unerbittlich weiter. Arvid ignoriert das Stimmengewirr und fängt den Blick seines Bodyguards ein. Dieser nickt kaum merklich und behält Ryan unauffällig im Auge, bis sie endgültig hinter den Häusern abgetaucht ist.

»Ihr habt eure Bilder. Verschwindet jetzt«, schneidet Arvid ihnen das Wort ab, wirbelt herum und setzt seinen Weg fort.

Die Schritte der Meute kleben weiterhin an seinen Fersen. Der Leibwächter schiebt sich dazwischen, hebt beschwichtigend die Arme und ermahnt die Männer mit ruhiger Stimme zur Distanz. Doch Arvids Geduldsfaden ist gerissen.

Er stoppt abrupt, wirbelt herum und funkelt die Fotografen mit geballten Fäusten an. Seine Kiefermuskeln mahlen gefährlich. »Haut jetzt endlich ab! Es gibt hier nichts zu holen!«

Die Männer weichen überrascht einen Schritt zurück, doch eine Linse hebt sich erneut. Der Leibwächter nutzt das Zögern, baut sich massiv vor ihnen auf und schirmt den Weg ab. »Feierabend für heute, Jungs. Lasst es gut sein.«

Mit einem letzten finsteren Blick biegt Arvid um die nächste Ecke. Sein Puls hämmert im Kopf – nicht vor Wut, sondern vor Sorge um Ryan. Er kann sie nicht einmal erreichen; sein Handy steckt in der Innentasche der Lederjacke, die sie trägt.

Hektisch lässt er den Blick über die Gassen schweifen, sucht nach einer vertrauten Silhouette – und atmet schlagartig auf.

Ryan lehnt an einer Klinkerwand. Die viel zu weite Lederjacke hängt locker über ihren schmalen Schultern, die Sonnenbrille verdeckt ihre Augen. Sie starrt gedankenverloren ins Leere, gefangen in einer ganz eigenen Welt.

Ein unwillkürliches Schmunzeln stiehlt sich auf seine Lippen. Der Anblick wischt den gesamten Ärger mit einem Schlag beiseite.

Er tritt an sie heran, nimmt ihr die Brille behutsam von der Nase und klemmt sie wieder an den Ausschnitt seines Shirts. »Na, Rockstar?«, neckt er sie mit rauer Stimme.

Ihr Mundwinkel zuckt nur schwach. Arvid entgeht der veränderte Ausdruck in ihrem Gesicht nicht. Die unbeschwerte Leichtigkeit des Morgens ist wie weggewischt; eine nachdenkliche Falte liegt auf ihrer Stirn.

»Was ist los?«, fragt er leise und tritt näher.

Ryan schüttelt langsam den Kopf, lässt den Blick über das Pflaster schweifen und atmet schwer aus. »Mir dämmert gerade erst, was es wirklich bedeutet, mit jemandem wie dir zusammen zu sein.«

Arvid sieht sie einen Moment lang stumm an, ehe er ihr behutsam eine Strähne aus dem Gesicht streicht. »Ich weiß, dass dieser Mist schwer zu ertragen ist. Aber ich verspreche dir: Ich halte dich aus diesem Zirkus raus, so gut es irgend geht.«

»Und wenn dein Schutz nicht reicht?«, entgegnet sie leise.

Arvid nimmt ihre Hand fest in seine. »Dann stehen wir das gemeinsam durch.«

Ryan blickt in seine dunklen Augen. Sie will ihm glauben, doch die Wucht der Kameras steckt ihr noch in den Knochen.

Arvid zieht sie sanft an seine Brust und legt die Arme fest um sie. Er spürt das leise Zittern, die Anspannung, die stummen Zweifel in ihrem Kopf.

»Du solltest deinen Freunden im Pub reinen Wein einschenken«, murmelt er in ihr Haar. »Es kann gut sein, dass die Fotos morgen durchs Netz gejagt werden. Es wäre verdammt beschissen, wenn sie es aus der Klatschpresse erfahren.«

Ryan schließt die Augen und lauscht seinem vertrauten Herzschlag. Sein Geruch, seine Wärme – das alles gibt ihr augenblicklich Halt. Sie klammert sich an sein Shirt und atmet seinen Duft ein. Sie will ihn nicht aufgeben. Wenn diese verrückte Welt der Preis für ihn ist, dann wird sie ihn zahlen.

Sie löst sich langsam aus der Umarmung und sieht ihn mit festem Blick an. »Dann bringen wir die Beichte mal hinter uns.«

Arvid hebt eine Braue. »Wird es so schlimm?«

Ryan muss leise lachen. »David wird komplett ausrasten.«

Arvid grinst schief. »Jetzt bin ich erst recht gespannt auf deine Truppe.«

»Sei vorsichtig mit deinen Wünschen«, warnt Ryan schmunzelnd, nimmt ihn fest an der Hand und zieht ihn mit sich. »David hat eine gewaltige Schwäche für Musiker.«

Arvid lacht auf. »Na großartig. Hoffen wir einfach mal, dass er mir nicht direkt um den Hals fällt.«

Ryan schmunzelt vielsagend. »Dafür lege ich ganz sicher nicht meine Hand ins Feuer.«